Meine Weihnachtsgeschichte als       Jubiläumsprojekt 


2014 beging ich mein 25-jähriges Autorenjubiläum. Dies nahm ich zum Anlass, ein besonderes Projekt ins Leben zu rufen. Freunde, Wegbegleiter und Kolleg/innen waren dazu aufgerufen, jeweils einen Teil meiner Weihnachtsgeschichte zu lesen. Jedes Kapitel der Geschichte ist einem Tag zugeordnet. Es beginnt mit dem 25.11. und endet mit dem 26.12.

 

12 Menschen waren schnell gefunden, die mein Projekt unterstützten. Die Audio-Dateien konvertierte ich als Video-Dateien, schuf eine eigene Projekt-Seite via Facebook und stellte dort die Dateien in Echt-Zeit ein. Dieses Experiment gelang. Knapp 1000 Zugriffe auf die Dateien erfolgten, wobei etwa 50 bis 55 Stammhörer/innen regelmäßig das Projekt begleiteten. Auffällig hierbei, dass ausgerechnet die letzten beiden Tage einen Rücklauf hatten. Das sind der 24.12. und der 26.12. An diesen Tagen ist freilich Weihnachten und somit die Rückläufigkeit verständlich. Allerdings gibt es nur wenige „Zurückkehrer“, d.h. einige Stammhörer/innen müssen auf die letzten beiden Tage verzichtet haben. Das ist äußerst schade, denn gerade diese Tage haben es in sich!

 

Alles in allem sehe ich dieses Jubiläumsprojekt als gelungen an. Schließlich galt es nicht, eine Vielzahl an Hörer/innen zu bündeln, sondern insbesondere Menschen, mit denen ich längere Zeit als Kollege, Wegbegleiter oder Freund verbunden bin, damit eine kleine Freude zu machen. Und selbstverständlich habe ich mich sehr über die Kooperationen gefreut! Ursprünglich war ich ja keineswegs davon überzeugt, dass alles auch wirklich klappt. Doch die Resonanz war sehr gut und die Dateien erhielt ich allesamt rechtzeitig, sodass keine Probleme auftauchen hätten können.

 

Auch an dieser Stelle bedanke ich mich herzlich bei allen Beteiligten, die dieses Projekt möglich gemacht haben! Und lasse Peter Bosch diese Danksagung verkünden.

 


Die Weihnachtsgeister

      des Herrn Lau

 


 Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.                                         

Der Lit.Limbus ist ja schön und gut. Aber nicht jeder will bei Konzeptserien mitschreiben. Auch nicht die Verlegerin, die sich damit einen Haufen Arbeit macht. Wo bleibt da der freie Geist? Die Inspiration? Die Muse? Sie soll küssen! Und das tat sie im Verborgenen bei Jürgen Heimlich. Ja ja, schon gut. Ich weiß, ich bin sonst bissiger. Aber wo es nix zu beanstanden gibt, kann man auch nicht zuschnappen. Obwohl natürlich die Frage zu beantworten wäre, ob die Welt eine weitere Adaption der Dickens'schen Weihnachtsgeschichte braucht? - Jawoll!

Immerhin rollt in knapp zwei Monaten wieder das Fest der Feste ab, damit einhergehend der Konsum, die Gier, der Hass, die Einsamkeit und der vielfache Freitod. Also her mit der düsteren, geisterhaften, bedrohlichen Adaption der ach so fröhlichen Zeit. Unterschlagung, Kaltherzigkeit, Eitelkeit, Anankasmus, Wollust. Man kann Gerhard Lau alles davon anlasten und die Liste beliebig fortsetzen. Er ist ein so richtig mieser Typ, der seine Spuren auf seinen Mitarbeitern und seiner Ex-Frau hinterlässt und in seiner Familie ausgespielt hat. Die Welt ohne Geld – für Lau ein Gräuel. Deshalb hat er auch keine Gewissensbisse bei seinen täglich zahlreichen Fehltritten. Aber wie bei Dickens wartet die Strafe hinter der nächsten Hausecke. Und die Geschichte nimmt auch nicht das bekannte Ende. Lau war kein guter Mensch, also hat er auch kein entsprechendes Ende verdient.

Hat sich da jemand abreagiert? Oder wollte es der Autor so richtig krachen lassen? - Gegenfrage: Warum nicht? Heftroman heißt: ein bisschen anrüchig, ein bisschen trashig, ein bisschen neben der Norm. Schöngeistige Gedankenflüge kann man sich bei Schopenhauer & Co. holen. Hier geht es um Katharsis, Läuterung, psychologische Abreaktion. Lau scheint mir ein bisschen verrückt zu sein, aber nicht ganz so abstrus wie mancher Zeitgenosse. Ein Spiegel. Eine Kunstfigur, die all das in sich vereint, was uns so sauer aufstößt, um dann gerichtet zu werden. Aber keine Sorge, es folgt kein Schlachtfest des Hasses, das wäre dann doch zuviel des Guten. Trotz der Wucht der Emotionen kommt die Rache handwerklich ganz leise daher. Man fühlt sich als Leser selbst ein bisschen schuldig. Schließlich haben wir alle etwas auf dem Kerbholz.

Die Weihnachtsgeister des Gerhard Lau – übrigens das zweite Heft des Lit.Limbus – ist eine Sonderpublikation im ersten Lit.Limbus-Zyklus.

A. Nonymouse

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Heftroman

Wunderwaldverlag, 2010

ISSN 2190-9776