Tante Thea hat es drauf 

 


 

Wer Tante Theas Tod kennt, der kann nur mit Entzücken die Fortsetzung lesen. Denn dieser alten Dame auf ihren Lebenswegen zu folgen bereitet einfach Vergnügen. Nun gibt es also diesen Sammelband, und Showdown am Schafstall ist eine kongeniale Fortsetzung des Trubels rund um Tante Thea.

 

Was den zweiten Teil vom ersten unterscheidet ist in erster Linie die Perspektive. In „Tante Theas Tod“ ist es eindeutig die alte Dame, die den Ton angibt. Ihre Geschichten sorgen für Heiterkeit und Nachdenklichkeit, und sie bestimmt die Geschicke der Handlung weitgehend. Nun, der zweite Teil ist davon gekennzeichnet, dass Tante Thea im Hintergrund agiert. Sie ist aber freilich nach wie vor präsent, liefert einige Gustostückchen, um das Familienleben in Unordnung zu bringen. Sie lebt bei ihrer Tochter, deren Mann und ihren Enkelkindern in einem Haus. Als der Herr des Hauses von seiner Firma für einige Monate nach Indien beordert wird, ist dies der Beginn für das perfekte familiäre Chaos. Bettina Unghulescu schafft es mit einer Leichtigkeit, die nur durch schwere schriftstellerische Arbeit erzielt werden kann, genau den Ton zu treffen, der eine tragikomische Geschichte auszeichnet. Ja, und der Showdown findet tatsächlich am Schafstall statt, auch wenn dort keine Schäfchen blöken, sondern die Post abgeht. Und irgendwie kriegt der Leser Lust darauf, noch einen dritten Teil dieser aberwitzigen Familiengeschichte zu lesen. Wer weiß, vielleicht tritt Tante Thea ja noch einmal auf den Plan und sorgt ein letztes Mal dafür, die Herzen ihrer Fans höher schlagen zu lassen.

 

                                                                     Al Truis-Mus


 

Resümee des zweiten Zyklus:

Der Limbus tritt ans Tageslicht!

 

Der zweite Zyklus ist stark von der Schattenzeit-Saga geprägt. Michael Mühlehner und Frederic Brake haben sechs Heftromane geschrieben, die der Beginn einer größeren Serie sein könnten. Boregarde und Race sind zwei Gestalten, denen wir Leser nicht so gern begegnen. Doch das ändert sich im Laufe der Saga. Besonders hervorzuheben ist Der mechanische Mann, wo Leonardo da Vinci in den Blickpunkt gerät. Die Kindheit von Race als Adlatus von da Vinci sorgt für einige Überraschungen und der Titelheld entpuppt sich als harter Knochen.

 

Von den Dauerglühern ist Liebesgrüße aus dem Jenseits hervorzuheben. Wie das Leben so spielt wird ein Verbrecher letztlich seiner Strafe zugeführt, ohne dass er das hätte ahnen wollen. Insgesamt weisen die Romane eine erstaunliche hohe literarische Qualität aus. Da sage noch wer, Heftromane seinen nur Schund und feierten den Kitsch bis zum Abwinken. Die Idee von Michaela Stadelmann, dem Heftroman jenen Stellenwert zurückzugeben, den er vor langer Zeit inne hatte, hat sich auf magische Art und Weise entfaltet.

 

Das alter Ego der Ex-Verlegerin sorgt für die beiden Highlights des zweiten Zyklus. Ich dachte schon, Chesscrack ließe sich nicht überbieten, aber gefehlt: Das Beste kommt manchmal am Schluss und Tante Theas Tod überzeugt von der ersten Zeile an. Die zwischen den Zeilen schwebenden Erinnerungsmuster können unerwartete Folgen nach sich ziehen. Ich bin Tante Thea dafür dankbar, dass sie in mein Leben getreten ist, wenn auch nur für einige wenige Stunden. Sie setzt ihrem Leben die Krone auf, indem sie dem Tod die Stirn bietet, und ihn gleichzeitig für selbstverständlich ansieht.

 

Ich schätze mich sehr glücklich, dass ich mit der Autorenpatenschaft auch im zweiten Zyklus vertreten bin. Die kongeniale Zusammenarbeit mit Herbert Fuchs, meinem Autorenpaten, hat sich voll und ganz ausgezahlt. Ein wenig Trauer schleicht sich angesichts der Tatsache ein, dass es keinen dritten Zyklus in Heftroman-Form geben wird. Hierfür gibt es ökonomische Gründe. Doch allein schon die beiden Serien belegen eindrucksvoll, mit wie viel Hingabe die Autor/innen und die Verlegerin kooperiert haben, um ein außergewöhnliches Projekt auf die Beine zu stellen. Verlage kommen und gehen und nur die wenigsten haben ein Erkennungszeichen, das lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Im Falle des Wunderwald-Verlages und Frau Stadelmann wird es die Lit.Limbus-Reihe sein, die ungewöhnlichen Projekten eine Bühne bot, und Themen in den Fokus setzte, an denen sich manche Leser die Zähne ausbeißen mögen. Es war und ist und bleibt bis in den Limbus und darüber hinaus: Hoch lebe der Heftroman!

 

                                                                Al Truis-Mus 

 

Tante Theas Tod    

 

Wenn mich eine Geschichte packt, dann fällt es nicht so leicht, die richtigen Worte zu finden. Tante Thea findet fast immer die richtigen Worte. Sie glaubt, dem Tode geweiht zu sein, und mischt ihre Familie gehörig auf. Es beginnt mit der Betrachtung einiger Urnen in der Auslage und endet… Bedauerlich, dass diese wunderbare Reise mit Tante Thea in die Vergangenheit und zurück in die Gegenwart überhaupt so bald enden muss. Ihre Lebenserfahrung bringt es mit sich, eine Protagonistin zu erleben, die alles dafür tut, für Frieden innerhalb ihrer Familie zu sorgen.

 

Was diese Geschichte so besonders macht ist der Stellenwert, den der Tod in ihr einnimmt. Wann werden schon Witze über das eigene Sterben gemacht, das ohnehin unaufhaltbar ist? Die Tochter, der Schwiegersohn, die Enkelkinder, Schwestern, und als Überraschungsgast Louisa haben unterschiedlichste Einstellungen zu den Kondolenzbesuchen, auf die Thea besteht. Ja, sie will noch vor dem Ende ihrer Zeit gefälligst jene Ehre erwiesen bekommen, die einer baldigen Toten zusteht. Der Tod wird wie selbstverständlich als Teil des Lebens betrachtet, zumindest von Tante Thea. Und ihre Erinnerungen an dramatische Zeiten in Rumänien sorgen für knisternde Spannung, und manchmal auch für mulmige Gefühle.

 

Der Tod ist ein ständiger Begleiter in dieser Geschichte um Tante Thea. Die Autorin schlägt leise, zarte Töne an, wenn der Vater von Thea nach einem kurzen Leidensweg Erlösung findet. Zwei Mal ist Thea dem Tod schon von der Schaufel gesprungen, gelingt es ihr ein drittes Mal angesichts eines Schwächeanfalls und notwendiger Bettruhe? Die Tochter, Louisa und die Enkel bleiben in Theas Wohnung, wo sie immer wieder ihr nahendes Ende beschwört.

 

Der Tod kann auch ein lächelndes Gesicht haben, so zeigt es uns dieser Roman. Eine verkrampfte Einstellung zum Tod ändert auch nichts daran, dass er unabänderlich ist.

Tante Theas Tod ist eine Geschichte, die ganz nah am Leben dran ist, weil sie den Tod kunstfertig integriert. Ein literarisches Kleinod, das sich durch tragikomische Elemente auszeichnet und ein unerwartetes Ende findet. Und Liebe ist bekanntlich stärker als der Tod.

 

                                                                        Al Truis-Mus

 

 

Am helllichten Tag überfällt die alte Dame Thea die Angst vor dem Tod. Schuld daran ist die Begegnung mit einer Angestellten der besonderen Art. Umgehend alarmiert sie ihre Tochter Babett, damit diese die Verwandtschaft zum Kondolenzbesuch zusammentrommelt. Nach und nach eilen alle an Theas Totenbett: ihre drei Schwestern, Babetts Familie Robert, Annika und Lukas, ihr unangehmer Neffe Raphael und ein Überraschungsgast, der jahrelang als verschollen galt.

Thea kann nicht mehr zurück und zieht konsequent durch, was sie sich vorgenommen hat: wenn schon sterben, dann richtig, mit allem Drum und Dran! Weder der vorletzte Arztbesuch fehlt, noch die Erinnerungen, die sie noch rasch mit den anderen teilen will – ganz zu schweigen von ihrer Abrechnung mit der Familie an ihrem “Totenlager”. Ihre Besucher sind eher genervt als traurig und fragen sich: Wann ist es denn endlich soweit? Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen … Tod & die Heimat Rumänien klingen in diesem Roman an, ohne die Handlung aus den Augen zu verlieren. Ein wenig Wahrheit, viel literarische Freiheit und immer einen Jux auf der Platte, ohne platt zu werden – das ist Tante Theas Roman, gewidmet der echten Tante Thea, die beste literarische Steilvorlage, die man sich wünschen kann!

 

                                                              Michaela Stadelmann

 

Ratio   

 

Der sechste Teil der Schattenzeit-Saga ist der letzte des zweiten Zyklus. Boregarde und Race gelangen tatsächlich in den Limbus und kämpfen dort bravourös gegen scheinbar übermächtige Feinde. Boregarde hofft, endlich seinen Dämon B´Shuch loszukriegen, Race läuft überhaupt zu Höchstform auf. Die dritte im Bunde ist eine Journalistin namens Karen, die vielleicht irgendwann mal eine Story über die Geschehnisse in der Vorhölle schreiben wird. Dann treibt sich im Vorzimmer des Höllenschlunds auch noch Kardinal Framenti herum, ein Höllenclown sorgt nicht für Lacher, sondern lehrt den zwei tapferen Helden das Fürchten. Und zum Drüberstreuen bleibt am Ende im Dunkeln, ob es noch weitere Abenteuer mit Race und Boregarde geben wird.

 

Ratio bewegt sich weitgehend in der Anderswelt, wo Zeit keine Rolle spielt und den Protagonisten dennoch zwischen den Fingern zerrinnt. Der Kampf zwischen Gut und Böse könnte ewig andauern, aber am Ende befindet sich Race nicht in Frankreich und wer weiß, ob Boregarde den Weg aus dem Limbus heraus findet. Falls nicht, dann wird es irgendwann möglicherweise eine Fortsetzung von Schattenzeit geben. Schließlich hat sich der Leser endlich an die zwei durchgeknallten Individuen Race und Boregarde gewöhnt, und schon verschwinden diese langsam im Nebel der Anderswelt…

 

                                                                           Al Truis-Mus

 

 

Race und Boregarde sind tatsächlich mit Karen Greysons Hilfe ins Pentagon eingedrungen - doch Malik ta'kull hat mit ihnen noch eine Rechnung offen. Doch der Kampf schleudert Race, Boregarde und Karen in die Anderswelt. Dort läuft die Zeit gegen sie. Werden sie es schaffen, Framenti zu befreien, gegen den Malik zu bestehen und dem dritten, noch schlimmeren Unheil zu entgehen, das im Limbus auf sie wartet?

Im Showdown ziehen Frederic Brake und Michael Mühlehner noch mal alle Register. Ihre Protagonisten müssen all ihr Wissen in die Waagschale werfen, um in der Anderswelt nicht zermalmt zu werden, denn hier herrschen andere Gesetze. Packend erzählen die Autoren vom Pandämonium, in dessem äußeren Kreis ein Kampf auf Leben und Tod entbrennt - und in dem Karen zu vergehen droht, wenn es dem Wechselbalg und dem besessenen Dämonenjäger nicht doch noch gelingt, die Grenzen zu unserer Welt zu überschreiten. Damit schließt sich der Kreis des ersten Schattenzeit-Zyklus' und - nein, zu Ende ist er damit noch lange nicht!

                                                                                               

                                                                   Michaela Stadelmann

 

 

Der mechanische Mann    

 

War in Rätsel Leonardo da Vinci der „geheime“ Held der Geschichte, so ist es in Der mechanische Mann Race. Das Wechselbalg wird in Trance versetzt und erinnert sich mit erstaunlicher Genauigkeit an Geschehnisse der Jahre 1499 bis 1501. Scheik, ein widerlicher Kerl, der Leonardo beauftragt, eine geniale Maschine zu konstruieren, durch die ein Kontakt mit der jenseitigen Welt hergestellt werden mag, stellt dem Genie einen Adlatus zur Verfügung, der tatsächlich Race höchstpersönlich ist. Im Jahre 1499 noch ein kleiner Junge, der es aber schon faustdick hinter den Ohren hat. Der Abstecher 500 Jahre vor unserer Zeit bildet so etwas wie das Prunkstück der Schattenzeit-Saga. Was da vorn, hinten, oben und unten noch so passiert und das auch die Gegenwart in den Blickpunkt gerät, wird eher nebenbei zur Kenntnis genommen. Denn die Frage ist: Woran bastelt möglicherweise der große Meister Leonardo da Vinci? Der mechanische Mann erwacht zum Leben, das ist angesichts des Titels gar keine so große Überraschung, damit wird also kein Spoiler verraten.

 

Race und Boregarde sei Dank, dass ihnen kein Höllenschlund Angst zu machen vermag und somit das Abenteuer einem spektakulären Ende zusteuert. Man und auch frau darf also gespannt sein!

 

                                                                       Al Truis-Mus

 

 

Was geschah damals, als da Vinci die Weltmaschine erfand? Race, der Wechselbalg auf der Wanderung durch die Zeit, findet auch hier keine Ruhe, sondern wird wegen seiner unglaublichen Fähigkeiten von Scheik Fasat Shertasen, Atabeg des Sultans von Damaskus, an da Vinci verkauft. Mit der Auflage, diese Maschine zu bauen. Mit Hilfe des Plejamundums bringt er da Vinci in Kontakt mit dem Äther und leidet weiter Höllenqualen.
Races Erinnerungen sollen wiederum Boregarde helfen, Kardinal Framenti aus den Händen des Dämons Malik ta´kull zu befreien. Dazu müssen sie ins Pentagon eindringen. Aber wie?

                                                           

                                                              Michaela Stadelmann 

                                    

Die Wagners    

 

Lang, lang ist es her, da gab es diese Geschichte schon in anderer Verpackung zu erleben. Nun also erobern Die Wagners endlich auch den Heftroman-Markt. Was harmlos beginnt, entwickelt sich zu einer famos inszenierten Familiengeschichte, in der sich die Protagonisten in mehrfacher Hinsicht alle Mühe geben, der Realität hinter dem „Spiegel Familie“ zu begegnen oder dies zu vermeiden suchen. Eine Familie ist vordergründig das, was sie hintergründig nie sein kann: Eine feinmaschige Struktur, in der alles seinen Platz hat. Wenn diese Struktur durcheinander gerät und andere Muster eingeflochten werden, entsteht das, aus dem schon viele literarisch adaptierte Familiengeschichten ihre Substanz schöpften.

 

Die Wagners sind so normal und so abnormal wie Millionen oder Milliarden andere Familien, und doch sind sie anders, weil keine Familie einer anderen gleicht. Das Allgemeine und das Besondere bestehen nebeneinander und befinden sich doch in völlig verschiedenen Welten. Ist diese Beschreibung zu allgemein oder warten Sie einfach nur auf das Besondere dieser Familie Wagner? Die einfachste Lösung ist es, diese Familie einfach lesend kennen zu lernen, und staunend zu erkennen, dass… Aber ich greife wieder mal nicht vor, die Wagners werden es mir danken.

 

                                                                    Al Truis-Mus

 

Michael und Andrea frotzeln sich durch den Alltag ihrer kleinen Familie, in der sich (fast) alles um Lina, ihre kleine Tochter, dreht, die ihre Double-Income-No-Kids-Beziehung von einst mit Schnuller und Kuscheltier aufmischt. Gemeinsam durchleben sie groteske Beziehungsszenen, kämpfen um ihren Standpunkt und verlieren sich dabei fast aus den Augen.

Ob das Paar es schafft, den überproportionalen Elternanteil in Michael und Andrea zurückzupfeifen, damit das Paar sein Terrain wieder zurückerobern kann? Überlebenstraining, Pädagogikstudium und Psychotherapie in einem, absolviert unter Aufsicht des Familienzuwachses, ohne Netz und doppelten Boden.

 

                                                          Michaela Stadelmann

 

Fingerübungen   

 

Eine Horrorgeschichte der etwas anderen Art, die uns Daniela Herbst liefert. Eine Horrorgeschichte, die ganz auf die einzige Figur, die 24-jährige Studentin Katja, zugeschnitten ist. Sie nimmt zunächst einen kleinen Pickel am Finger wahr, der Beginn einer Reise, die sie in die tiefsten Höllenschluchten hinabstößt. Was in Horrorfilmen meist in Sekundenschnelle vor sich geht, nämlich die Verwandlung eines Menschen in einen Zombie, Dämon oder ein sonstiges Schreckensbild, zieht sich in dieser Geschichte auf knapp 20 Seiten dahin. Zwischendurch sorgen biologische Grundlagen dafür, dass die Hintergründigkeit der Geschehnisse dokumentiert wird.

 

Nichts für schwache Nerven. Gerade die langsam sich aufbauende Spannung, die auch mit einigen Überraschungseffekten aufwarten kann, legt nahe, dass es zu einem finale furioso kommen muss. Die Schilderung der körperlichen Veränderungen changiert mit der geistigen Unversehrtheit von Katja. Sie beobachtet, wie sie immer mehr in den Strudel einer unheimlichen Macht gerät, die sie fast bis zum bitteren Ende nicht benennen kann.

 

Zuviel verraten? Keineswegs! Denn eine Metamorphose bleibt eine Metamorphose, auch wenn sie in ein Horrorszenario eingebettet ist. Eine jahrtausendelange Tradition findet ihre Entsprechung in der Präsenz einer jungen Frau, die dagegen ankämpft, sich selbst zu entschlüpfen…

                                                                                                                                                                                   Al Truis-Mus

 

 

Katja, Studentin, wartet darauf, dass ihre Umzugshelfer kommen. Da sie zu der Sorte “Organisator” gehört, die alles auf den letzten Augenblick verschieben, ist sie auch mächtig im Stress, denn es sollten vorab noch ein paar Kisten gepackt werden. Nicht genug damit – Katja ist auch noch neugierig. Und diese Neugier wird ihr zum Verhängnis, denn – Achtung, jetzt kommt’s – sie hat in ihrem Keller eine Ecke mit seltsamem Glibber entdeckt und, ganz Biologiestudentin, mal hineingestippt. Und jetzt wachsen plötzlich Pickel auf ihren Fingern … So geradlinig wie möglich steuert die Protagonistin auf ihre ganz persönliche Katastrophe zu. Ich empfehle nach der Lektüre kräftiges Einseifen der Haut – am ganzen Körper.

   

                                                                Michaela Stadelmann

 

                                                                                                                             

Rätsel   

 

Boregarde hält sich in Rom auf und hat keine Kämpfe höherer Ordnung auszutragen. In erster Linie ist er dazu berufen, etwaige Forschungsergebnisse von Leonardo da Vinci auf dem Gebiete des Okkultismus ausfindig zu machen. Überhaupt ist der Heftroman als Tribut an Leonardo da Vinci zu verstehen, der den größten Raum einnimmt. Das geht soweit, dass sogar der Titel auf die Eigenheit von Da Vinci anspielt, dass er der Gesellschaft in Mailand mehr oder weniger schwere Rätsel stellte.

 

Es macht Spaß, sich Da Vinci als Menschen vorzustellen, der über die Welt hinausdachte und Maschinen erbauen wollte, die andere Sphären ansteuern können. Inwiefern dies der Leser für bare Münze nimmt oder nicht gebietet die Fantasie oder die Bodenhaftung. Durch die Konzentration auf da Vinci bleibt für die eigentlichen Charaktere der Geschichte wenig Raum übrig. Boregarde definiert sich ausschließlich über seine Aufgabe, welche vielleicht sogar die Rettung der Welt impliziert (oder nicht doch nur jene der Menschen, Dämonen und sonstigen Kreaturen, die sich selbst im Wege stehen). Ein kirchlicher Würdenträger wird ermordet, dafür ist Race immerhin eine Randnotiz wert, mit ihm soll über einen aberwitzigen Code Verbindung aufgenommen werden. Für kleine Lichtblicke abseits der Da Vinci – Fixierung sorgen witzige Dialoge, die das düstere Geschehen erhellen.

 

Abschließend sei geschrieben, dass Dan Brown einpacken kann. Verschwörungstheorien sind das Eine, die Rätselhaftigkeit des menschlichen Verstandes das Andere. Rätsel kann mit ein wenig Augenzwinkern auch als Persiflage auf diesen Roman verstanden werden, den Hollywood verfilmte und der nette Verkaufserfolge erzielte.

                                                                                                                                                                              Al Truis-Mus

 

 

Boregarde weiß, dass nur Race ihm helfen kann, Kardinal Framenti aus den Händen der Entführer zu befreien. Doch Race hält sich irgendwo auf der anderen Seite des Atlantiks auf - und hat wiederum nur rudimentäre Spuren hinterlassen. Vorher muss Boregarde all sein Wissen um das Departemente Crocce einbringen. Und dann ist da noch das Tagebuch Faustios, des toten Kardinals, das Boregarde mehr verwirrt als ihm weiterhilft. Wäre nicht B'Shuch, sein alter Dämon, wäre Boregarde ziemlich aufgeschmissen. Und so zieht der besessene Dämonenjäger los, um erst Race und dann Framenti zu finden. Was er entdeckt, ist hochinteressant.

 

                                                                   Michaela Stadelmann

 

Todesengel  

 

Engel haben etwas Tröstliches, etwas Mystisches, etwas über unsere Vorstellungen Hinausweisendes. Sie sind die Boten des Himmels, Vermittler zwischen Mensch und Gott, Schutzbefohlene, manche sind „gefallen“, also ihrer ursprünglichen Sendung verlustigt gegangen. Abbildungen von Engeln bevölkern Häuser und Friedhöfe, Künstler haben sie gezeichnet, gemalt, beschrieben, in Stein gemeißelt, überdimensional dem Betrachter näher gebracht.

 

Nun aber ein Todesengel. Kein Bote, kein Vermittler, kein Schutzbefohlener. Seine Aufgabe ist einzig und allein, Menschen zu vernichten, ihnen die Herzen zu entreißen, auf das daraus ein magisches Pulver kreiert wird, das die Menschheit zu reinen Dienern der Finsternis degradiert. So weit, so gut. Doch das Imposante an dieser Geschichte sind die winzigen Details. Der Autor hat sich mit jüdischer Mystik vertraut und einen Rabbi zu einer der Hauptfiguren gemacht. Der Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen dem Todesengel und Dämonen, die ein kleines Stück Menschlichkeit in sich tragen, ist nur die Fassade auf einem Haus, in dem die totale Dunkelheit herrscht. Alles spitzt sich auf diesen finalen Kampf zu, der einen ungeahnten Verlauf nimmt.

 

Der dritte Teil der Schattenzeit-Saga lässt tiefer in die Seele und die Vergangenheit von Race blicken. Der Wechselbalg ist dem Rabbi zu Dank verpflichtet, er vergnügt sich mit Rebecca, die ihm schon vor Jahren zugetan war. Und er treibt sich auf Friedhöfen rum, schlägt Leichenfresser zu Brei und all das trägt sich in New York zu, was keine so besondere Rolle spielt, denn die Geschichte ist weder an Zeit noch an Ort gebunden, besticht allein schon durch die imposanten Bilder, die sich im Leser auftun, wenn er die Geschehnisse an sich heranlässt und sich sicher fühlt, nicht selbst zu einem Opfer des Todesengels und dessen Sklaven zu werden.

 

Race bekommt ein Gesicht, er ist kein unbeschriebenes Blatt mehr, und Boregarde steht schon in den Startlöchern.

    

                                                                      Al Truis-Mus                                                                                                                     

 

Das Sigil ist es, das Race nach New York treibt. Die Zaddikim Joshua und Levy, mystische Rabbiner, haben ihm bereits einmal geholfen - und tun es wieder. Gleichzeitig wütet eine grausame Macht unter den letzten Zaddikim dieses Zirkels. Der finstere Schatten ist auf das Azoth aus und fordert ein Opfer nach dem anderen.

Michael Mühlehner langt wieder zu und gönnt dem Charakter Race keine ruhige Minute. Vielmehr belegt er Race einmal mehr mit Tod und Verfolgung, dem das ehemals geschundene Wechselbalg zu entgehen sucht. Spannung bis zur letzten Zeile!

 

                                                                   Michaela Stadelmann

 

Die Autorenpatenschaft 

 

Die Österreicher! Manchmal hat man schon das Gefühl, dass sie die Literatur (noch) ernster nehmen als wir. Und dass sie deshalb in mancher Hinsicht (noch) kreativer sind, um das WORT zum Glänzen zu bringen. Und Jürgen Heimlich ist in der Hinsicht besonders für seine ausgefallenen Ideen bekannt!

Am 1.12.2011 fand in den Räumlichkeiten einer Buchhandlung im zweiten Wiener Gemeindebezirk eine von einer Autorin initiierte Versteigerung von Autorenpatenschaften statt. Autorinnen und Autoren gestalteten eine Postkarte mit dichterischer Brillanz, und das geschätzte Publikum erhielt die Möglichkeit, zusätzlich zu dieser einmaligen Postkarte ein Buchpaket und dann auch noch einen der anwesenden Autorinnen oder Autoren zu ersteigern. Das lasse man sich bitte erst mal auf der Zunge zergehen! Tatsächlich wurde also der Autor Jürgen (ganz un-)Heimlich ersteigert und erarbeitete mit seinem Paten einen Text, der so knuffig war, dass ich ihn unbedingt herausgeben wollte. Die beiden sparen weder an skurillen Erlebnissen, die sich mit Liebe und Heimlichs Lieblingsthema, dem Tod, befassen, noch an einem derb-wienerischen Abgesang an Paten und Mündel. Heimlich, wie wir ihn mögen: handfest!

 

                                                    Michaela Stadelmann

 

Retro 

 

Der zweite Teil der Schattenzeit-Reihe wirkt ziemlich schaumgebremst. Der Leser erwartet immer wieder, dass bald etwas Ungeheuerliches passiert, doch wird er stets auf die nächste Seite und die nächste Situation vertröstet. Erst weit nach der Hälfte des Heftromans kommt ein Kardinal ins Spiel und die Bremsen werden etwas gelöst. Freilich wird hier der Kampf zwischen Gut und Böse zum Hauptgegenstand der Betrachtung. Und die Fragen, wer denn die Guten und wer die Bösen sein mögen, können nicht beantwortet werden. Die Hauptcharaktere sind keine Menschen oder aus einer Anderswelt hergebeamten Wesen, denen der Leser viel Glück wünschen würde. Race und Boregarde treffen einander wieder zum Showdown und erledigen das, was zu erledigen notwendig ist, damit die Geschichte weiter geht.

 

Der Sheddim spielt diesmal – leider – nur eine Nebenrolle. Er hätte dem gemächlich sich vorwärtsschlängelnden Szenario die nötige Sprengkraft einverleiben können. Aber der Kampf geht ja noch weiter.

 

                                                                                Al Truis-Mus

 

Boregarde ist ein Jäger im Auftrag des Departemente Crocce, dessen Sitz sich im Vatikan befindet. Sein Auftrag lautet: Töte den Sheddim. Im Hafen von New York findet er schließlich Race – doch da geschieht etwas, das die Situation total auf den Kopf stellt …

Boregarde war nicht immer ein Dämonenjäger. Frederic Brake nimmt sich viel Zeit, die Verwandlung des Menschen Janif zu einem Wesen zu erzählen, das zwischen Gut & Böse pendelt und selbst nur ein Spielball der Mächte ist. Ausgerechnet in seinem größten Widersacher findet er zu einem Zeitpunkt einen Verbündeten, der Janifs Sicht der Dinge über den Haufen wirft. Plötzlich erkennt Janif, dass es mehr gibt als Himmel und Hölle – und dass man die beiden nicht so leicht unterscheiden kann. Janif wird zu Boregarde, als seine Zweifel am größten sind und er ein Schattenwesen zu werden droht. Und wieder findet er auf der Gegenseite einen Verbündeten, der ihm einen erstaunlichen Weg weist …

Der Autor schenkt seiner Figur nichts und wirft immer wieder die Frage in die Runde: Was IST das Gute? Was IST das Böse? Gibt es diese Gegensätze überhaupt? Und wann wird eine 180-Grad-Wendung unausweichlich? Philosophisch, nachdenklich, aber auch voller Action, setzt der zweite Teil die Reihe SCHATTENZEIT fort.

 

                                                             Michaela Stadelmann

 

Liebesgrüße aus dem Jenseits  

 

Es gibt diese Geschichten, die mit einem Knalleffekt beginnen, Spannung suggerieren und dann passiert bis zum Ende hin wenig. Manchmal ist es aber auch umgekehrt. Eine Geschichte beginnt – scheinbar – harmlos. Ein Mann trinkt zu viel, verkauft im Außendienst Staubsauger, wird „zufällig“ zum Helden, blendet sich aus in die Nacht und dann folgt eine irrwitzige Achterbahnfahrt, bei der eine Spannung aufgebaut wird, die sich im imposanten Schlussteil entlädt. Irgendwie eine klassische Horror-Erzählung, aber wer sollte sich daran stören? Möglicherweise hat jeder Mensch Geister, die ihn verfolgen und es sind nicht immer gute. Doch die Vorstellung, einer dieser Geister habe schon in grauen Vorzeiten das Innenleben eines Menschen erschüttert und trete dann plötzlich als Untoter in die Schattenwelten ein, aus der es für die Hauptfigur kein Entkommen gibt… Und dann ist das alles auch noch mit einer einseitigen Liebesgeschichte verziert, die einer Tragödie entgegen schlittert.

 

In den U.S.A. soll sich das Ganze abspielen, doch das spielt keine Rolle. Wer keine einseitigen Horror-Geschichten lesen möchte, sondern auch intellektuelle und also geistreiche Nuancen liebt, der kommt dem Geist dieses Heftromans schon recht nahe.

Selber lesen erleichtert die ganze Sache allerdings ungemein.

 

                                                                     Al Truis-Mus

 

Carlisle Johnson ist ein Verlierer. Der Vertreter reist durch Amerika auf der Suche nach dem Glück und findet – das Grauen. Schon in der Schule war er der Prügelknabe der “Wolfsfratze”, die ihm in seinen einsamen Motel-Nächten begegnet. Auch deshalb sind Carlisles beste Freunde Jim & Jack. Just in dem Moment, als er sich mit den nächtlichen Halluzinationen einigermaßen arrangiert hat, taucht Wendy auf – Wendy, in die er einst verliebt war, die ihn jedoch nicht erhörte und dafür bitter büßen musste …

Eberhard Leucht hat bereits mit dem Roman “Der Kristallsee” gezeigt, dass verwunschene Geschichten nicht unbedingt blutrünstig daherkommen müssen. Das Grauen liegt im Detail, einem Bild, einer Begegnung oder einer Droge. Sein neuer Held Carlisle ist genauso einsam wie Simon Beer, aber im Gegensatz zu ihm machtlos. Wo Beer, der Fleisch gewordene Schriftsteller, noch Worte findet, ist Carlisle den Schatten seines Wahns hilflos ausgeliefert. Und am Ende … findet er das, was er sich gewünscht hat. Nur grauenvoller.

Dieser Roman ist der erste, der mit einem komplett schwarzen Cover erscheint. Titel & Autor werden mit weißem Lackstift aufgetragen – und macht jede Ausgabe zum Einzelstück.

 

                                                            Michaela Stadelmann

 

Chess crack 

 

Was für ein famoses Stück Literatur! Das ist jetzt keine Behauptung, sondern Realität, denn Bettina Unghulescu sorgt für atemlose Spannung, Lachsalven, Verzweiflung und fordert die detektivischen Fähigkeiten ihrer Leserinnen und Leser gnadenlos heraus. Ein Schachturnier soll die olympischen Sommerspiele 2012 in London veredeln. Zwei Meister ihres Fachs, Prostokowjew und Polansky, spielen im blauen Salon des Hotels Metropolitan das Spiel ihres Lebens. Doch bis es dazu kommt, verfängt sich der Plot in sich selbst, dass sich die Balken biegen. Der Leser ist ständig aufgefordert, des Rätsels Lösung auf die Spur zu kommen. Ist er am Ende gar selbst Teil der Handlung? Die Geschichte erklärt sich zwischenzeitlich selbst, eine Lektorin setzt den Rotstift an und die Meta-Ebene sorgt für einen Kracher, der den einzigen Mord eindrucksvoll in den Schatten stellt.

 

Oh, da ist eine Literaturnobelpreisträgerin in die Autorin gefahren! Anders lassen sich diese Sprachspiele nicht erklären, diese Kaskaden von Ebenenverschiebungen, vor denen selbst russische Puppen kapitulieren müssen. Die Erzählerin hinter der Erzählerin erklärt den Plot für misslungen, während die Geschichte nie aufhört, eine Geschichte zu sein. Da wird der Hund in der Pfanne verrückt, wenn die Eindimensionalität von Figuren wie am Schachbrettmuster verhandelt wird. Literatur ist sich manchmal für nichts zu schade, und dann auch bereit, sich selbst durch den Kakao zu ziehen. Chess crack ist kein Schachprogramm, doch die olympischen Sommerspiele in London 2012 sind hiermit vorsorglich und nachträglich gerettet, darauf kann sich auch der God on Demand was einbilden…

 

Und Achtung: Wie schon bei „Land unter“ wurde dieser Heftroman in Höchstgeschwindigkeit verfasst, Respekt vor der mit allen Wassern und Schachbrettmustern gewaschenen und gebügelten Autorin!

 

                                                                            Al Truis-Mus

 

London, Sommer 2012, Hotel Metropolitan. Der Geschäftsführer Estefan Rodriguez ist mit den Nerven am Ende. Die verfeindeten Schachmeister Vladimir Prostokowjew und Dmtri Polansky werden im Blauen Salon des berühmten Hotels “Metropolitan” aufeinander treffen. Scheich ibn Isa beehrt das Metropolitan ebenfalls mit seiner Anwesenheit und seinen Sicherheitsleuten Abdullah und Ismail. Das It!-Girl Marry Powells und ihr konfuser Chauffeur Rama bringen die Lobby zum Kochen. Und Sergej Iwanov, der ehemalige russische Eiskunstläufer, jagt dem Rockstar Heartfellow alias Tom Atkins kalte Schauer über den Rücken, denn sie haben einen unsauberen Deal geschlossen. All das wäre schon genug für einen platten Plot, doch RöKI, Suzie Wong und MyLuca funken akribisch dazwischen. Da kommt es endlich zum erlösenden Mord und der Oberste Lektor Karl-Horst Müller setzt gnadenlos seine mächtigste Waffe an – den Rotstift … Wie viele Ebenen treffen hier aufeinander? Geplant waren zwei, herausgekommen sind mindestens dreizehn. In knapp 17 Stunden zusammengezimmert, präsentiert das Kulturdezernat des Wunderwaldverlages den zweiten Band des Speed.Limbus. Blut, Schweiß & Tränen waren nicht genug, die Literaturbranche muss sich mit etlichen Seitenhieben abfinden, die Autorin Bettina Unghulescu nach dem Gewaltakt in die nächste Reha-Klinik. Doch die Helden May Beth und GoD (God on Demand) kämpfen gegen alle Ungereimtheiten, Autoren, schließlich gegeneinander und zum Schluss … Aber das erfahren Sie im nächsten Band.

 

                                                         Michaela Stadelmann

Land unter 

 

Ein Mädchen namens Johanna kommt nach einem Ferienlager in heimatliche Gefilde, doch am Parkplatz tauchen ihre Eltern nicht auf. Wie sie bald erfährt, sitzen Papa und Mama in Spanien fest, und schneller als die Polizei erlaubt taucht Louisa auf, die zwischenzeitlich auf das Strohkind Johanna aufpassen soll. Louisa stellt sich als resolute Person heraus, deren Geschichten aus der Vergangenheit Johanna in den Bann ziehen. Da vergisst das Mädchen kurzfristig sogar, dass ihr Heimatort unter Wasser steht, teilweise Evakuierungsmaßnahmen notwendig sind und überhaupt alles den Bach runterzugehen droht. Oma und einige Freunde von Johanna sorgen für Kurzweil in einer ansonsten tristen Zeit. Das Hin und Her zwischen den guten, alten Zeiten anno dazumal, als es noch die D-Mark gab und überhaupt Kinder noch Kinder sein durften, also lehnen wir uns mal weit aus dem Fenster und feiern die 1980´er Jahre, und der Gegenwart, wo Personalcomputer und Mobiltelefone nicht mehr wegzudenken sind, und deswegen sogar der Kontakt mit Schiffbrüchigen und auch Eltern im fernen Spanien nicht abreißt, bildet so etwas wie die Urspannung im Heftroman.

 

Die Gegenwart ist mal wieder weniger interessant als die ruhmreiche Vergangenheit. Die Geschichten von Louisa fordern ein, dass endlich mal eine Zeitmaschine erfunden werden soll, damit die 1980´er Jahre und besser noch zusätzlich die 1970´er Jahre fröhlich wieder entdeckt werden mögen. War früher wirklich alles besser, zumindest in Deutschland? Und wie war das noch mal mit der Wiedervereinigung und warum ist Louisa in den guten alten Zeiten einer dubiosen Sekte (gibt es nicht-dubiose Sekten?) beigetreten, und hierfür bei ihrer Familie in Ungnade gefallen? Der Leser wird diesen Fragen nicht ausweichen können, wenn er sich mit dieser Geschichte zu konfrontieren bereit ist.

 

                                                                        Al Truis-Mus

 

Johanna steht verloren auf dem Großparkplatz. Alle Kinder werden nach dem Urlaub im Ferienlager abgeholt – nur sie nicht. Denn ihre Eltern sitzen wegen eines Fluglotsenstreiks auf Ibiza fest. Da taucht plötzlich ihre unbekannte Cousine Louisa auf, um sich um Johanna zu kümmern, bis die Eltern die Insel verlassen können. Doch schlechtes Wetter macht ihre Rückkehr vorerst unmöglich. Nicht genug damit, sorgt starker Regen auch zu Hause für Hochwasser. Oma Gerda muss evakuiert werden. Da beginnt Louisa, Geschichten aus ihrer Kindheit zu erzählen – so phantastisch, dass Johanna sie kaum glauben kann …

Warum hat Johanna vorher noch nie etwas von Louisa gehört? Was hat es mit ihren Erzählungen auf sich? Können Oma Gerda und Louisa ihren Streit beilegen? Und kommen die Eltern zurück, bevor die ganze Stadt im Wasser versinkt?

 

                                                            Michaela Stadelmann

 

Phönixfeuer

 

Ein geliebter Mensch stirbt, und die Zeit der Trauer bricht an. Nicht so bei Reika, der seinen Bruder Arlo verloren hat. Er ist verärgert über den Tod seines Bruders, will ihn nicht wahrhaben. Und also macht er sich auf, die Grenze zum Tod zu überwinden, und hinter dieser Grenze die Hüterin des Totenreiches davon zu überzeugen, dass die Lebenszeit seines Bruders von vorne zu laufen beginnen möge. Lisa Papic hat sich eine Thematik ausgesucht, die tief in die geheimsten Schichten des Menschen hineintaucht. Der Tod lässt sich nicht schönfärben, er ist endgültig, ohne Tod hätte das Leben nicht diese magische Anziehungskraft. Dem Tod von der Schippe springen ist etwas anderes als ihn nicht wahr zu nehmen. Was wäre, wenn ein geliebter Mensch aus dem Totenreich zurück käme? Was würden wir Hinterbliebenen darum geben, einen Toten buchstäblich aus dem Grab zu erwecken? Das ist fast zu viel für eine Geschichte, die in einem Heftroman Platz finden soll. Und doch wird dem Leser vor Augen geführt, in welchem Dilemma er im Fall des Falles stecken könnte.

 

Freilich geht es auch um Spannung, um Dramatik, um Freundschaft, um Liebe, um Wahnsinn, um Sinnsuche und die Frage nach der Wahrheit. Aber hinter all dem lauert Reika, der ausgezogen ist, seinen Bruder aus den Klauen des Todes zu retten. Da wird die Frucht bis in den Kern hinein geschmeckt und doch wissen wir alle nicht, wie wir damit umgehen könnten, den Tod besiegt zu haben. Reika gewinnt und verliert, er ist dazu verdammt, nach dem Kern des Daseins zu suchen und vergisst dabei, dass der Tod ein Teil der Wahrheit ist, von dem sich die Lebenden aber keine konkrete Vorstellung machen können. Und wenn wir unsterblich wären? Dann ist Phönixfeuer eine Möglichkeit, mal wieder über diese Fragestellung nachzudenken.

 

                                                                       Al Truis-Mus

 

Arlo ist tot – zurück bleibt Reika, sein Bruder, der Letzte der Familie. Reika kann den Kummer nicht verwinden. Zufällig berichtet die Dorfälteste von einer Mutter, die ihren Sohn ins Leben zurückholte und selbst einen hohen Preis dafür bezahlte. Doch Reika beschließt, trotz aller Schrecken, die ihn erwarten, den Weg in die Totenlande anzutreten und Tuonela, den Fluss der Finsternis, zu überqueren. Er ahnt nicht, was er auf sich nimmt.

 

                                                                Michaela Stadelmann

 

 

Transit

 

Der zweite Zyklus beginnt mit einem Paukenschlag. Die Geschichten aus der literarischen Vorhölle sorgen weiter für Furore, und ein auserwähltes Lesepublikum kann sich an teuflischen Geschichten erfreuen, deren Qualität höchste literarische Ansprüche erfüllen. Ein wichtiger Bestandteil des zweiten Zyklus ist ein Projekt von Michael Mühlehner und Frederik Brake. „Schattenzeit“ stellt den Kampf zwischen Gut und Böse fast auf den Kopf. Schon der erste Teil spielt mit dem Gedanken, wo sich denn überhaupt die Guten und die Bösen „dieser Welt“ aufhalten und welche Masken sie tragen? Wesen aus einer anderen Welt haben sich in unserer Welt eingenistet und bekämpfen ein Wesen, das eine Übersteigerung von Frankensteins Monster darstellt. Der Sheddim nistet sich als Parasit in die Körper von Menschen ein, bis diese sich selbst völlig entfremdet zu Grunde gehen. Er ist ständig auf der Suche, seine Batterien aufzuladen und nur Race und Boregarde, die teuflischen Wesen aus der anderen Welt, können dem Sheddim Paroli bieten. Es ist kein alltäglicher Horror, der sich aus den Seiten schält. Vielmehr sind es fein gewebte Strukturen, die sich langsam einem fulminanten Endspiel annähern. Ist der Sheddim besiegbar? Und welche Rolle spielen die Wissenschafter, Satansjünger und Menschen wie du und ich? Der zweite Teil wird vielleicht mehr Licht in die „Schattenzeit“ transferieren…

 

                                                                    Al Truis-Mus

 

Mit Meeting Hugo Bain hat Michael Mühlehner bereits gezeigt, dass er sich im Actiongenre richtig zu Hause fühlt. In seiner Schublade hortete er schon seit Längerem einen Plot, der sich zwischen den Welten bewegt und ihn einmal mehr alle Register ziehen lässt. Auch Frederik Brake wollte ich wieder dabei haben. Unabhängig von Mühlehner beschäftigte auch er sich mit einer rasanten Geschichte, die mit Elementen des Horrorgenres arbeitet. Warum also nicht eine Serie gemeinsam konzipieren?

Das Kunststück, beide Konzepte miteinander zu verbinden, hat die Protagonisten Race und Boregarde hervorgebracht. Beide sind Weltengänger, kommen aus Universen, die technologisch der frühen Menschheitsgeschichte zuzuschreiben sind. Doch Zauber, Dämonen und eine gehörige Portion Horror katapultieren sie in unsere Welt. Und damit geht es erst so richtig los: Mit ihnen haben weitere Kreaturen die Grenzen zwischen den Welten überschritten und versuchen, die „Verräter“ Race und Boregarde auszulöschen. Ihre Gegner treiben sich auf Friedhöfen herum oder stammen direkt aus dem Elysium – aber nicht jeder Engel ist das, was er zu sein scheint. Und so geraten Race und Boregarde immer wieder in die Schusslinie. Der Leser findet eine gehörige Portion Action mit allem, was die Asservatenkammer hergibt und darf sich an der literarischen Entwicklung der Protagonisten erfreuen. Empathie muss nicht im Widerspruch zu knallharten Kampfszenen stehen, Zwischentöne gehören zu den Protagonisten wie ein Kardinal in den Vatikan (von dem man auch noch einiges hören wird).

Der erste Roman Transit von Michael Mühlehner beginnt auf Area 51 (Alienjäger aufgepasst!). Ein Mensch, verwirrt, dreckig, verstummt, ausgemergelt und allem Anschein nach Opfer diverser Folterzeremonien, bereitet den Wissenschaftlern Kopfzerbrechen. Gleichzeitig kommt es zu rituellen Morden in der Umgebung. Eine Satanssekte hat ebenso ihre Finger drin wie eine europäische Organisation im Herzen Italiens – und es ist nicht die Mafia …

 

                                                       Michaela Stadelmann

 

Resümee des ersten Zyklus:

Hoch lebe der Heftroman!

Michaela Stadelmann, ihres Zeichens grande dame des Wunderwaldverlags, hatte sich einiges vorgenommen. Der Heftroman sollte wieder zum Leben erweckt, möglicherweise sogar ein Gegenstück zu Perry Rhodan ins Leben gerufen werden. Die Vorgabe war also enorm, und die Chance des Scheiterns dementsprechend groß. Insgesamt 13 Heftromane summieren sich zum ersten Zyklus, der ganz der Literatur gewidmet ist. Einerseits gilt es aufzuzeigen, dass Heftromane literarische Qualität nicht ausschließen, andererseits sind die Eigenarten von Autoren, Verleger/innen und dem Literaturbetrieb überhaupt Gegenstand der literarischen Aufarbeitung. Frau Stadelmann kennt als Verlegerin die literarische Welt wie ihre Westentasche. Ihr Verlag hat es sich zum Ziel gesetzt, Qualitäten abseits der üblichen literarischen „Erfolgsspuren“ zu veröffentlichen. Nur dem Schrei jener Anführer zu folgen, die glauben, irgendwelchen Trends Genüge zu tun, ist ihr Ding nicht. Der Wunderwaldverlag macht es sich zur Aufgabe, die Autor/innen auf ihren Wegen zu begleiten und so verwundert es nicht, dass sie sich in den ersten Zyklus in gewissem Grade „eingemischt“ hat.

 

Die Heftromane sind liebevoll gestaltet, haben wundervolle Covers, enthalten zum Teil kuriose Anzeigen und ergeben zusammen genommen eine Geschichte, wenn die literarische Wette in den Blickpunkt gerät. Am Ende ist es sekundär, wer die Wette gewinnt, denn insgeheim sind die Autor/innen allesamt Gewinner. Und zwar sowohl jene, die als Figuren ihr Leben zu meistern versuchen als auch jene, welche diese Figuren erfunden haben. Ich fühle mich jedenfalls geehrt, einen Beitrag zum ersten Zyklus geleistet zu haben.

 

Es ist immer ein wenig unfair gegenüber den anderen Geschichten, drei hervorzuheben, die aus meiner subjektiven Sicht eindeutig hervorstechen. Hier also meine drei Podestplätze des ersten Zyklus:

 

Platz 3: Atlas van Raien, Anja Rosok

Platz 2: Die Gefährtin, Nadine Muriel

Platz 1: Paul deLux, Theresa Gerks

 

Will es der „Zufall“, dass diese drei Heftromane allesamt von Frauen geschrieben worden sind? Ich schreibe mal NEIN. In zwei von drei Fällen sind die Protagonisten Männer, und es gelingt den Autorinnen hervorragend, die männlichen Perspektiven darzustellen. Und diese Männer sind keineswegs nur Verlierer, auch wenn das auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Oh nein, sowohl Atlas van Raien als auch Paul deLux sind Antihelden höchster Güte, deren Eigenheiten dem Leser das Herz erwärmen können. Autoren, die irgendwann an ihren eigenen Ansprüchen fast zerbrochen wären, und von Frauen ins Leben zurückgeholt oder überhaupt am Leben gehalten wurden. Die Spannung dieser beiden Heftromane beruht darin, dass das totale Scheitern möglich ist, und die Leser/innen auf ein „Wunder“ hoffen. In beiden Fällen schlägt letztlich das Schicksal gnadenlos zu: einerseits wird die geliebte Frau ermordet, andererseits bei einem Unfall folgenschwer verletzt. Es handelt sich um eine Form von modernen Märchen, wo es kein happy end geben kann.

 

„Die Gefährtin“ ist sozusagen ein „Sonderfall“ des ersten Zyklus. Eine Geschichte einer Frau, deren Leben durch einen nächtlichen Spaziergang über den Friedhof eklatant beeinflusst wird. Dieser an Edgar Allan Poe gemahnende Roman überzeugt durch tragikomische Elemente, kuriose Überraschungen und ein Ende, das die Fäden exakt ineinander übergehen lässt.

 

Also, die Frauen geben den Ton an. Wobei Paul deLux von einer sehr jungen Dame verfasst worden ist. Auch wenn ich mich damit wiederhole: Gratulation an Theresa Gerks! Sie hat dem ersten Zyklus mit der tragikomischen Lebensgeschichte des kleinwüchsigen Paul DeLux ihren Stempel aufgedrückt.

 

Das Vorhaben von Frau Stadelmann, dem Heftroman den verdienten Stellenwert wieder zurückzugeben, ist vollends geglückt. Perry Rhodan ist das Eine, Lit.Limbus das Andere. Literarische Qualität ist endlich wieder ein wichtiges Element des Heftromans. Herzlichen Glückwunsch hierzu!

Und falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, noch keinen der Heftromane geordert haben, sei Ihnen die Beschaffung und Kost jedes einzelnen hiermit anempfohlen!

 

                                                                      Al Truis-Mus

 

Jour fixe

Endlich wird das Geheimnis gelüftet. The winner is… Oder ist am Ende der Fahnenstange doch nur Schall und Rauch? Sämtliche Protagonisten tauchen auf, werden in die Hölle und zurück geschickt. Lebende und Tote, vielleicht sogar Untote. Ganz kurz nur schwimmt Paul DeLux an die Oberfläche. Autoren und eine Verlegerin, die es faustdick hinter den Ohren hat, geben sich ein Stelldichein. Der Leser wird überrascht, weil nichts so wie erwartet ist. Und so ganz nebenbei: Gibt es Fernseher in der Hölle? Tja, muss wohl so sein, schließlich treibt einem so manches Programm zur Weißglut. Der Oberteufel lacht sich ins Fäustchen, und die ach so humorlosen Autoren kommen da nicht mehr mit. Sie betreten die Bühne als Figuren, sind jeglicher Lebensbejahung entzogen. Wenn Figuren sich selbst überlassen bleiben, wird der „Jour fixe“ zu einer Abrechnung, die sich gewaschen hat. Niemand wird verschont und die literarische Welt um ein Rätsel erweitert.

 

                                                                        Al Truis-Mus

 

Mephisto ist beleidigt. Man wirft ihm Unfähigkeit vor - ihm, dem Herrscher der Hölle! Das will er nicht auf sich sitzen lassen und verzieht sich in sein Heimkino, um einen kritischen Blick auf die Wettteilnehmer zu werfen. Auch Johann ist gespannt, was sich auf der Erde tut, während die Heilige Johanna ein letztes Mal die Karten mischt und das Leben der Autoren beeinflusst. Die haben derweil Rache im Sinn und bereiten eine alles entscheidende Pressekonferenz vor, die die Machenschaften des Brauninger'schen Imperiums ans Licht bringen soll. Werden sie es schaffen? Findet Leipold, der Geist, endlich Erlösung? Wird Paul DeLux wirklich der Bestsellerautor des Jahres? Wird Manz mit dem Mord an Frank Trash konfrontiert? Kann Sally Bell Viktor Horkens Erinnerung reaktivieren? Und was passiert mit Silvio Canetti alias Aaron Tamino, der so vielversprechend durchstartete und dann heftigst abstürzte? Findet sich gar ein Autor, der aus diesem hitverdächtigen Stoff ein Buch zimmert? Und was sagt der Höchste aller Literaten, der Schöpfer persönlich, zu dem Schlamassel? In dieser allerletzten Wettabrechnung werden wir es erfahren ...

                                                           A. Nonymouse

 

Der Kristallsee

Die literarische Wette könnte einen Sieger finden: Simon Beer. Ein Held wider Willen. Ein Buchstabentier, Liebestrunkener, Romantiker, wie er tatsächlich im Buche steht. Doch jenseits des Romans gibt es ein anderes Leben und Kostverächter will er keiner sein. Wirklichkeit und Fiktion vermischen sich miteinander. Der Kristallsee ist eine Chiffre für die wunderbaren Dinge, denen Autoren begegnen können, wenn sie in eine Geschichte eintauchen. Simon hat beste Chancen, die Wette zu gewinnen, aber da ist dieses… Wer die acht vorhergehenden Heftromane rund um die literarische Wette gelesen hat, der steht voll im Bann eines dem Ruhm näherkommenden Autors, und fragt sich, wer diesem Autor noch das Wasser reichen kann…

 

Simon ist eine Romanfigur, die sich selbst im Spiegel sieht und nur Bruchstücke von sich erkennt. Kein Wunder, dass es ihn mit seinen Romanfiguren nicht anders geht. Er findet sich nach einer längeren Durststrecke plötzlich im Spital wieder, was ihn mit Atlas van Raien und Piet, dem Wattwurm, verbindet. Langsam laufen die Fäden zusammen. Das Finale furioso steht kurz bevor, die Spannung steigt. Wer wird den Wettstreit der Autorinnen und Autoren gewinnen?

 

                                                                              Al Truis-Mus

 

Simon Beer hat andere Dinge im Kopf, als sich mit der Wette zu beschäftigen, die seine Kollegen beschäftigt. Ihn treibt Liebeskummer um und er beschließt, sich in seinem Heimatdorf zu erholen. Dort findet er Inspiration am Kristallsee, ohne zu ahnen, dass er genau hier in die Falle geht. Denn niemand anders als Lessandra, Abgesandte der Hölle und Ashuras Handlangerin, stiehlt sich in seine Träume und bestimmt plötzlich sein Leben. Sie will ihn zu Ruhm & Reichtum - und die Abhängigkeit der Höllenmächte führen und könnte damit sogar Erfolg haben, wenn da nicht plötzlich Antonia wäre ...

 

                                                                               A. Nonymouse

 

Atlas van Raien

Dieser neurotische Autor wächst einem schnell ans Herz. Er ist der Monk unter den Autoren, welche den Wettstreit gewinnen wollen. Seine Phobien sind so extrem ausgeprägt, dass er fast schon sein eigener Feind ist. Besondere Federn hat er vor Hühnern und mit Spinnen will er nix zu tun haben. Atlas van Raien ist ein nicht schreibender Autor. Er recherchiert lieber, hängt einfach so rum und wartet auf die große Eingebung. Seine Frau finanziert sein Luxusleben abseits der Leistungsgesellschaft. Atlas könnte tun, was er will, will er aber gar nicht. Und dann passiert ein Unfall und Atlas van Raien ist ans Krankenbett gefesselt. Dann erscheint der wahre Star dieser wahnwitzigen Geschichte auf der Bühne: Piet, der Wattwurm. Dieses Männchen hat Probleme mit Schreiben und der Sprache überhaupt. Aber er inspiriert Atlas zu einer Geschichte.

 

Der zweite Teil des Romans nähert Wirklichkeit und Fiktion einander an. Atlas van Raien ist für einen guten Text dazu bereit, sich selbst in die Pfanne zu hauen. Noch mehr schiebt er die Verantwortung jedoch auf Piet, der als Held wider Willen das große Los im Wettspiel ziehen soll. Die Sprache dieses Piet ist so witzig, dass es ein wahres Vergnügen ist, immer wieder weiter zu lesen, bis die Geschichte dann doch früher als erwartet zu Ende ist. Atlas van Raien ist bereit, seinen Neurosen den Kampf anzusagen. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, will seine Emma zurück und hat Angst davor, nach seinem Aufenthalt im Krankenhaus wieder auf dem Boden der brutalen Realität zu landen. Also erfindet er Piet neu und lässt den Wattwurm seine Natur ausleben.

 

Atlas van Raien und Paul DeLux matchen sich um die Krone des Siegers, zumindest hätte ich da nichts dagegen. Bald werden wir mehr wissen.

 

                                                                   Al Truis-Mus

 

Er bestellt einen Kaffee und trinkt ihn nicht. Er verweigert die Zeitungslektüre, weil ein Wasserfleck die erste Seite verunziert. Atlas van Raien ist so neurotisch, dass es selbst Sigmund Freud gegraust hätte. Nicht einmal Oscar, ein Mit-Wetter, kann ihm einen Beitrag entlocken, denn Atlas ist scheinbar resistent gegen Ruhm und Reichtum. Dass dahinter das Verbot seiner Frau steht, jemals wieder ein Buch zu schreiben, dass er nichts anderes mehr tut als zu recherchieren, Kaffee zu trinken und in Cafés herumzuhängen, ahnt niemand. Doch dann erleidet Atlas ob seiner Phobien einen folgenschweren Unfall. Im Krankenhaus begegnet er Piet Hanssen, dem Legastheniker und beschließt, ihn mit einem fulminanten Fantasy-Epos zu "heilen". Emma, seine Frau, verlässt ihn frustriert, und Atlas, völlig verwahrlost und sich selbst und seinen Ängsten überlassen, betritt mit seinem letzten Roman das gefährlichste Terrain, das er sich vorstellen kann ...

 

                                                            A. Nonymouse

 

Mr. Blue

 

Was einige Zeit den Anschein macht, sich zu einer Liebesgeschichte zu entwickeln, wird zum Horrortrip für den Leser. Mr. Blue ist eine Figur, die wie ein Eisblock durch die Welt geht. Wer dahinter steckt, wer dieses Wesen erschaffen hat, und ob Dr. Frankenstein auch eine Frau sein kann sind Fragen, die allesamt beantwortet werden. Arthur McCormick, der Journalist mit Dichterseele, wird mit Gen-Doping konfrontiert, und bleibt Isabelle Dumont auf den Fersen. Wo aber bleiben die Autoren und wo bleibt die Wette? Arthur vermittelt nicht den Eindruck, Chancen auf den Pott zu haben, doch was sagt das schon. Er bleibt sich selbst treu, und lässt Mr. Blue keine Chance. Wenn Sympathiepunkte vergeben werden könnten, würden aber weder Mr. Blue noch Arthur McCormick das Rennen machen. Gibt es einen unsichtbaren Dritten oder wird die Welt gerettet? Mr. Blue lässt keinen Zweifel darüber, dass er sich selbst als Teil eines genialen Systems begreift. Und über allem steht der Teufel und lacht sich eins.

 

                                                                   Al Truis-Mus

 

Oh, oh, oh ... Mephisto. Was hast du bloß angerichtet? möchte man ob der Eskapaden, die sich Harry M. Liedtke für den Höllenfürsten ausgedacht hat, ausrufen. Diesen (Ver-)Zweiflern kann ich das Heft seines Namensbruders Harald Landgraf wärmstens empfehlen, denn der (Land-)Graf begibt sich in die Niederungen der Genmanipulation und gleichzeitig in die Anfänge der Heftromane: ein ermittelnder Journalist, eine schöne Frau und eine ganz dreckige Geschichte.

Arthur McCormick, Journalist mit Leib und Seele, epischen Ausfällen und besonders schlecht auf Verleger zu sprechen, trifft Dr. Isabelle Dumont zufällig in einem Café. Zwar hat er gerade mit der Messe-Wette abgeschlossen - wozu? seine Frage - doch ihre Story weckt seinen Jagdinstinkt. Isabelle ist angeblich einer "ganz heißen Story" auf der Spur und lädt ihn in ihr privates Labor ein. Tatsächlich hat sie ein Mittel entwickelt, das mit nur wenigen Minuten Workout die Muskeln unglaublich anschwellen lässt. Fast zeitgleich wird ihr Kollege Dr. Jasper Kaiser ermordet, mit dem sie dieses Mittel entwickelt hat. Isabelle, die großzügig an sich selbst experimentiert, scheint mit wachsendem Muskelumfang ihren Realitätssinn zu verlieren, plötzlich taucht James Black auf und dann ist da noch Dr. Sascha Texas im Leipziger Institut, wo ähnliche Experimente laufen. Ob das vielleicht die Hammerstory für den Supervertrag ist? McCormick entdeckt nicht nur die Welt der Genetik, sondern auch die offen stehende Kellertür in Isabelles Haus. Und dort trifft er - Mr. Blue ...

                                                       

                                                             A. Nonymouse

Valongatu

Eine geplante Serie endet nach der Pilotfolge. Das passiert hie und da im Filmbereich, im vorliegenden Fall auch in literarischer Hinsicht. Die dargestellten Figuren werden langsam eingeführt, entwickeln sich charakterlich nur marginal. Das hängt einfach damit zusammen, dass eine längere Geschichte nicht von Anfang an die Charaktermerkmale der handelnden Figuren bis ins letzte Detail offenbaren muss. Eine Orientierung an Perry Rhodan ist erkennbar. Nicht an diese langlebige Figur aus einem anderen, großartigen Universum, sondern auf die Handlungsebenen hin bezogen. Was aber fast gänzlich fehlt ist der Humor, und feinsinnige Ironie. Dadurch wirkt dieser Hefroman zeitweilig platt, entführt den Leser weg vom eigentlichen Geschehen. Das Ende hat dann wieder was. Kuriose Figuren treten auf den Plan, und dem Leser wird die weitere Zukunft der Geschichte schmackhaft gemacht. Vielleicht doch schade, dass aus der Serie nichts wurde.

 

                                                       Al Truis-Mus

 

Das Haus Zimaroo wird von Bolando I. vernichtend geschlagen. Mitten im Kampfgetümmel befindet sich die Tengiji Aseera. Ein Querschläger trifft ihre Spacejet, tötet ihren Gefährten Taven und zwingt sie zur Landung auf dem nächsten Planeten. Sunem, so der Name der Dschungelwelt, beherbergt auf den ersten Blick nur einen verlassenen Stützpunkt des Widerstandes, in dem sie auf den Soldat Petrov trifft. Ihn hat scheinbar das gleiche Schicksal wie sie ereilt. Nachdem sie sich Zugriff auf die Daten der Station verschafft haben und einen Erkundungsflug wagen, entdecken sie die Flotte des Herrschers des Hauses Zimaroo. Aseera, durch und durch Priesterin ihres kriegerischen Volkes, sieht das Ziel ihrer Rache in greifbarer Nähe und fasst gegen Petrovs Widerstand einen wahnwitzigen Plan, bevor sie sich zu den Widerstandsgruppen auf Sculpa Trax absetzen will. Doch plötzlich stellt sich ihnen die Macht des Planeten entgegen ...

 

                                                         A. Nonymouse

Die Gefährtin

Von der ersten Zeile an glaube ich, Edgar Allen Poe zu lesen. Dieser spezifische Sprachduktus erinnert an längst vergangene Zeiten. Ein Friedhof im Zentrum des Geschehens. Eine junge Frau kehrt verwandelt zurück. Doch die Verwandlung ist nie greifbar, tritt in Träumen auf der Stelle, bis irgendwann die Erlösung folgen mag. Der Hintergrund für den Wahnwitz, in dem die Protagonistin gefangen ist, wird schnell deutlich. Die „Gefährtin“ jedoch bleibt schemenhaft, steckt voller Rätsel. Wie ein Leben aus der Bahn geschossen werden kann, dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, davon erzählt diese Geschichte.

 

Der kleine Roman ist perfekt durchkomponiert. Puzzlestein für Puzzlestein wird gelegt, und am Ende bleiben keine Fragen offen. Irgendwie schade. Ein wenig Irritation hätte den Leser beflügelt, seine Fantasie auf die Reise zu schicken. Dennoch wird „Die Gefährtin“ dem aufmerksamen Leser noch lange in Erinnerung bleiben. Sie sehnt sich danach, immer und immer wieder entdeckt zu werden. Eine Geschichte zum immer wieder lesen. Edgar Allen Poe hätte wohl seine Freude daran.

 

                                                                               Al Truis-Mus

 

 

Aus lauter Langeweile wettet Geneviève mit ihren Freunden darum, ob sie sich traut, nachts über den Friedhof zu gehen. Als Beweis ihres Mutes soll sie etwas mitbringen und greift nach bangen Minuten in der Finsternis nach etwas, das sie auf einem Grab ertastet. Von nun an träumt sie Nacht für Nacht den selben Traum von ihr, die ihr keine Ruhe mehr lässt. In ihrer Verzweiflung ist Geneviève weder zu einer Bindung noch zu einem Studiumabschluss fähig und flieht für Jahre ins Ausland - ihren Traum immer dabei. Erst, als sie zur Familie ihrer Freundin eingeladen wird und auf deren Onkel Radewolf trifft, scheint eine Lösung ihres Alptraums in Sicht ...

 

                                                                          A. Nonymouse

 

 

Auf Messe(r)s Schneide / (Ein-)Schnitte

Okay, ich geb's zu. Man könnte dieses Heft als Abrechnung sehen. Wohlgesonnene Zeitgenossen könnten aber durchaus eine sehr nahe an der Wahrheit angesiedelte Geschichte dahinter vermuten. Und tatsächlich ist vieles, was Thomas Bosl und Bettina Unghulescu im ersten Teil Auf Messe(r)s Schneide berichten, tatsächlich so geschehen. Dabei musste sich Thomas Bosl, ganz frischer Jungautor, gar nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Er lässt Aaron Tamino mit den Gegebenheiten der Verlagswelt zusammen stoßen - Absagen, Selbstüberschätzung, komische Reaktionen der Umwelt und - schließlich die Chance, als er schon gar nicht mehr daran glaubt. Bis es soweit ist, stolpert die (Klein-)Verlegerin Sabine Stiebach-Haucke von einer absurden Situation in die nächste, nur weil sie Bücher und keine Waschmaschinen verkauft. Kurz bevor sie aufgeben will, erreicht sie ein schicksalshafter Anruf.

Aaron Tamino hat es geschafft. Als Silvio Canetti könnte er die Messe rocken, zusammen mit seiner Verlegerin Sabine Stiebach-Haucke. Gäbe es da nicht die Protagonisten der Vorläufer-Hefte. Der Leser trifft den psychotischen Jason Manz wieder, der nur noch mit Schießeisen herumläuft, Frank Trash, der plötzlich von aller Welt verstoßen scheint. Viktor Horken findet sein Heil in Sally Bell, die sich sofort mit Scarlatti, dem zweitmächtigsten Mann des Burning-House-Imperiums, anlegt. Und seine Chefin, Johanna von Brauninger, sitzt und schaut und - lächelt. Dazu kommen vier Autoren, die sich zum ersten Mal live und in Farbe treffen, nachdem sie monatelang in ihrem Forum auf ihren Verleger geschimpft haben. Doch stammen wirklich alle Figuren aus unserem Universum? Oder hat die Hölle mal wieder eine teuflische Karte ausgespielt und einen Dämon auf die Menschen angesetzt? Und noch wichtiger. Wer in diesem Spiel ist Mensch, wer Dämon? Die Antwort allein kennt Fritz Leipold. Glaubt er zumindest. Und so kommt es zum vorerst entscheidenden Showdown, an dessen Ende wieder alles offen ist ...

 

                                                    A. Nonymouse

 

Nun geht es ans Eingemachte. Autoren und Verleger hauen sich nicht auf ein Packl, sondern sind zum Kampf bereit. Ein gewisser Aaron Tamino, seinesgleichen Autor aus Berufung und zudem nebenbei mit Studien nebst Nebenbeschäftigung beschäftigt, will klar Schiff machen. Er tritt an Verlage heran, schickt Exposes, Leseproben und telefoniert sogar mit gestressten Kleinverlegern. Und da kommt sogar eine Rückkoppelung, die sich gewaschen hat. Sein Manuskript soll nix wert sein, nur irgendein Geschmiere, das nicht weiter auffällt. Oh ja, Kaaaaaaaampf! Aaron treibt sich in einem literarischen Forum herum und wird von einer gewillten Lektorin mit Blumen bedacht. Seine Texte seien hochinteressant, sie wolle mehr Lesematerial! Ist jetzt der Durchbruch vorprogrammiert, wo womöglich ein ganzes Manuskript kostenlos und erstklassig lektoriert werden wird? Aber nein, das wäre zu langweilig. Außerdem spielt eine Kleinverlegerin eine wichtige Rolle, die genug hat vom ewigen Anrennen gegen Gummiwände, hinter denen die Megaverlage lauern. Und dann wird ihr auch noch ein unverschämtes Angebot gemacht, oder hat es doch seine Reize?

 

Das Kunststück des Doppelheftes besteht darin, dass Bettina Unghulescu dort weitermacht, wo Thomas Bosl aufgehört hat. Der Kampf geht also weiter! Herzstück ist das Interview zwischen Aaron und einem Feuilleton-Moderator. Da fliegen die Fetzen, weil nicht gefaselt, sondern die Wahrheit hinausgeschrien wird. Besser als jeder sprechende Lügendetektor, dieses Wortgefecht im Glaskasten! Und diesmal werden die Leser des Zyklus mit wohlbekannten Autoren konfrontiert, die den Wettstreit um den Platz an der Sonne vor Ort bei der Frankfurter Buchmesse zu gewinnen gedenken. Und wie sie sich ins Zeug legen! Leipold, Frank Trash, Paul de Lux, und ist da nicht irgendwo auch Johanna mit im Spiel? Bei der Gelegenheit: Paul deLux von Theresa Gerks hat für Furore gesorgt. Die junge Autorin hat mit dem kleinwüchsigen Autor, der dem Leser schnell ans Herz wächst, offenbar den Anti-Helden geschaffen, auf den die literarische Welt scharf war. Herzliche Gratulation, Theresa!

 

                                                                                   Al Truis-Mus

 

Zeitkabinett

Viktor Horken war mal ein erfolgreicher Trash-Autor. Doch irgendwann ist ihm die Puste für zielgruppengerechte Literatur verloren gegangen. Er wurde ein wenig zynisch, das Leben entglitt ihm. Doch da bekommt er einen Anruf und erfährt, dass er als Alleinerbe des Vermögens eines ihm nahezu unbekannten Onkels gilt. Der Mann ist aus nicht näher bekannten Gründen gestorben. Horken tritt das Erbe an. Es handelt sich nicht um Geld, Kies, Knaster. Nein, er ist von einem Tag auf den anderen Hausbesitzer.

 

Und was für ein Haus! Eigentlich hat er vor, dort endlich wieder von der Muse geküsst zu werden, was ihm der Anwalt, welcher ihn vom Erbe unterrichtete, als logische Konsequenz beschrieb. Doch Pustekuchen! Das Haus ist unheimlich. Es spielen sich merkwürdige Dinge ab. Die Zeit verliert ihre Konstante, falls sie überhaupt je eine hatte, hat oder haben wird. Viktor Horken braucht einige Tage, bis er die geheimnisvollen Geschehnisse im Haus decodieren kann. Das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Die Zeit wird auf den Kopf gestellt und es soll Menschen geben, die in Zeitblasen gefangen sind. Habe ich nun zuviel geschrieben?

 

Diese Geschichte ist ein weiteres Highlight der wunderbaren Lit.Limbus-Heftromanserie. Trash muss nicht für den Abfalleimer sein. Wer etwas dieses Heftchen liest, der wird es hernach an einem besonderen Ort aufbewahren wollen. Und was spricht mehr für eine Serie von Geschichten als die einzigartige literarische Qualität? Es musst nicht immer Kaviar, sprich hochgeistige Literatur sein. Manchmal tut es gut, fesselnd unterhalten zu werden, Spaß beim Lesen zu haben. Und auf die Fortsetzung des literarischen Wettstreits gespannt zu sein. Viktor Horken hat insgeheim sicher nach wie vor den Willen, den genialen Roman zu schreiben, damit er auch an den richtigen Verleger und die 500 Euronen gelangt. Ob es ihm gelingen wird? Die Antwort auf diese Frage erfolgt glücklicherweise erst fünf weitere Hefte des ersten Zyklus vorwärts gedacht. Und das ist gut so, wer will sich schließlich mit halben Sachen zufrieden geben, spricht mit fünf und nicht mit zehn trashigen Geschichten voller teuflischer und himmlischer Überraschungen? Eben!

 

                                                                                  Al Truis-Mus

 

Viktor Horkens Leben könnte so schön sein. Wenn er sein altes Leben noch hätte, das aus Wein, Weib und Gesang bestand und sich auf seinem Ruhm als Trash-Bestseller-Autor begründete. Aber sein letzter Roman hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht - und weg war er aus dem Literaturolymp. Da klingelt das Telefon und der Anwalt seines verstorbenen Onkels meldet sich. Ob er Interesse hätte, die Villa seines Onkels zu erben? Der Haken: Die Villa würden nicht mal die streundenden Hunde freiwillig betreten, da sie früher dem seltsamen Zeitgenossen Lazarus Kupfer gehört hat, der wie wie Viktors Onkel auf mysteriöse Weise eines Tages spurlos verschwand. Viktor wittert die Come-Back-Chance: seltsames Haus, ungeklärte Umstände des Todes seines Onkels - das ist die Story schlechthin fürs nächste Buch! Doch kaum ist er eingezogen, begegnet er lauter merkwürdigen Gestalten, Wasser rauscht durch die Wände des Hauses und dann ist da noch Sally Bell, das Sternchen einer Girl Band, das in einer Zeitblase gefangen ist und bevorzugt auf Frühstücksbrötchen landet ...

 

                                                      A. Nonymouse

 


Joe Browns Begräbnis

Einmal etwas ganz Anderes. Beweis dafür, dass der Lit.Limbus ausnahmslos originelle Autorinnen und Autoren vereint. Nun also Bettina Unghulescu. Sie lässt den Teufel außen vor, und inszeniert ein höllisches Spiel mit Rollenverteilungen. Der erste Teil der Geschichte setzt sich mit Armut und deren Auswirkungen auseinander. Johanna ist keine Leseratte, aber Bücherliebhaberin. Vorzugsweise blättert sie in solchen mit Tierfotos. Ihre Mutter lebt in ihrer eigenen Welt, und Johanna will da nicht im Weg stehen. Sie besucht gerne Bibliotheken, wärmt sich dort gut auf, wenn ihr die Kälte zu schaffen macht. Wie kann diesem Wahnsinn Einhalt geboten werden, dieser Armut, die innere Isolation hervorruft?

 

Aber dann ändert sich plötzlich alles. Johanna wird von einem Tag auf den anderen Milliardenerbin. Ihre Vergangenheit kann sie nicht vor sich verbergen. Der Reichtum geht ihr wohl schnell auf den Senkel. Irgendwie langweilig. Der zweite Teil der Geschichte beschäftigt sich aber nur bedingt mit diesem „Reichtum“. Vielmehr sind die Narren los. Rollenspiele sind offenbar das große Hobby von Johanna, ohne dass sie besonderen Gefallen daran finden würde. Ist es ein reiner Zeitvertreib? Johanna wird mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert, hat ihre Rolle in der Gesellschaft noch nicht gefunden. Und was soll eine Rolle überhaupt sein? Ist eine Rolle nicht nur dann konstruktiv, wenn sie bewusst gespielt wird? Der Narr ist ganz in seinem Element, lässt kein Vergnügen aus. Johanna steht nicht im Regen, jedoch im Bücherdschungel. Was sind Bücher überhaupt? Wozu taugen sie? Sind sie nicht mehr als verarbeitetes Holz, das mit irgendwelchen geheimnisvollen Zeichen vollgekritzelt ist?

 

Bettina Unghulescu spielt mit Rollenklischees, ehe es ernst wird. Der Leser kann ratlos zurück bleiben oder sich auf die Fortsetzung der Lit.Limbus – Reihe freuen. Letzteres ist angebracht, denn Geschichten können gute Freunde sein. So wie auch jene von „Joe Browns Begräbnis“.

 

                                                                       Al Truis-Mus

 

Arme Leute schnell entsorgt:

Joe Browns Begräbnis

 

 

Ich habe lange überlegt, ob man das überhaupt schreiben darf. Menschen wegschmeißen, das tut man nicht! Selbst der Staat ist unser täg­li­ches Vorbild, wie wichtig die Stimme des Volkes ist, dass man für so wichtige Sachen wie Bahn­höfe demonstrieren muss, damit es den Ärmsten der Armen, den Kindern und Jugend­li­chen, gut geht. Schließlich sollen sie so viel und so wich­ti­ge Bildung zu sich nehmen können wie möglich.

Extrem wichtig!

Aus diesem Grund ist auch Johanna Meier, die wattierte Heldin des Romanes, mit nichts an­de­rem beschäftigt als mit Büchern. Sie wohnt auf dem platten Land, wo die Länge des Orts­na­mens über die Größe des Dorfes Auskunft gibt. Je län­ger, desto kleiner. Hier gibt es keinen Bahnhof, höchs­tens Bushaltestellen, aber zu­min­dest eine Dorf­bibliothek (mit Wartehäuschen vor der Tür). Hier findet sie das, was ihre allein­er­zie­hende Mutter ihr schon lange nicht mehr geben kann, nämlich Futter in allen Formen und Farben.

OH GOTT! SOZIALKRITIK!

Gemach, gemach, liebe Freunde. Ihr vergesst den Teufel im Detail. Satt machen Bücher nur, wenn unterschiedliche Titel konsumiert werden. Das gilt auch fürs Essen, ausgewogen muss es sein. Denn Johanna ist nicht nur sehr hungrig, sondern hochgradig verstört – Hunger macht auch in unserer Industrienation dumm. Und so lauscht sie dem allmählich verstummenden Knurren ihres Magens, während sie im Lesesaal der Dorf­bibo eine Burg aus „Brehms Tierleben“, zwölfbändig, errichtet. Kritisch wird es, als die Mut­ter Johan­nas Erbschaft in Form eines Tierlexikons – elfbändiger Goldschnitt von 1912 – zur Pfandleihe trägt. Man ahnt es schon, die Bücher kommen nie wieder zurück. Regelmäßig vom Se­nio­rinnenkreis in der Bibliothek ausgetragene „Armenspeisungen“, bestehend aus Plätzchen, aber nie Schinkenbroten, tun ihr Übriges, den Wall der Bedürftigkeit höher zu ziehen. Und dann steht der Gerichtsvollzieher am 23. Dezember einmal mehr vor der Tür und bringt zwei seltsame Herren mit. – Was hat das mit dem Thema zu tun? Ging es nicht um Au­to­ren, die sich an einer diabolischen Wette beteiligen?

Gegenfrage: Muss man immer geradewegs aufs Ziel zuhalten? Die anfängliche Außensei­terin ist mehr als relevant für diesen Zyklus, dem sie den entscheidenden Impuls gibt. Man wird das Gefühl trotzdem nicht los, dass das soziale Netz, das eigentlich für Wohlstand und Wissen sorgen soll, etwas falsch macht. Jo­hanna und ihre Mutter werden nach einer Mieterhöhung von Amtswegen in einen anderen Stadtteil „entsorgt“. Wissen steht in Hülle und Fülle zur Verfü­gung, aber wann rettet jemand das Kind aus dem Tierlexikonturm? Und dann gibt es noch den verschro­benen Leiter einer Rollenspielgruppe, der Johanna mit brachialen Mitteln in ei­ne Rolle drängt, die ihre Persönlichkeit zu ersticken droht …

Fast schon genüsslich greift die Autorin Bettina Unghulescu alle Klischees auf, die sie erwischen kann und ser­viert zu jedem Kenn-ich-schon eine unerwartete Wendung. Trotzdem dauert es bis zum be­fremdlichen Ende, bis die Protagonistin mit einer kruden Idee aufwartet. Aus der dösigen Hartz-IV-Jugendlichen wird mit einem Schlag ein denkendes, wenn auch nicht fühlendes Wesen. Da hat eindeutig der Teufel seine Finger im Spiel.

Fazit: Das Vorspiel in der Hölle hat einen Anker in unserer Dimension, und der erhebt sich wie der Leviathan oder der Phoenix oder eben alles Übel aus dem Urschlamm der Gesellschaft. Wir sind alle jemandes Spielzeug, erfährt der geneigte Leser, und wir können uns nicht dagegen wehren. Wer heute König ist, kann morgen Schweinehirt sein, genauso wie der Hofnarr plötzlich das Zepter zu schwingen in der Lage ist. Ob jemand diese Entwicklung bis zur Halbzeit auf der Leipziger Buchmesse aufhalten kann? – Wir werden sehen.

 

                                                                 A. Nonymouse

 

www.litlimbus.de

www.wunderwaldverlag.de

www.wunderwaldgeschichten.de

 

Paul DeLux

Der Wettstreit um sagenhafte 500 € geht weiter. Wer einen Buchvertrag höchsten Kalibers an Land zieht, wird in Leipzig gekrönt. Paul DeLux, gerne „der Kleine“ genannt, hätte gute Chancen, wenn ihm nicht das Schicksal so böse gesinnt wäre. Oder ist er vielleicht gerade deswegen ein Günstling der Verlagswelt, weil ihn seine Betroffenheit so schwer trifft, dass er als Getroffener seine Halbmemoiren veröffentlichen und dafür umjubelt werden könnte?

 

Dieser Paul ist von Anfang an präsent. Er torkelt durch sein Leben, säuft, grämt sich, säuft wieder und agiert manchmal als Steuerberater für seinen Bruder, der ihn finanziell unterstützt. Paul DeLux hat einen Schmöker geschrieben, den er als Weltuntergangsthriller bezeichnet.  Wer will das schon lesen in einer Zeit, wo ohnehin alles den Bach runtergeht? Doch Paul trifft Audrey, die Putzfrau, pardon, Reinigungsfachkraft. Durch ihre Präsenz wird sein Leben veredelt und er findet sich in einer vom Fernsehen live übertragenen Speed-Dating-Show für Kleinwüchsige wieder. Ach ja, Paul ist ungefähr 135 Zentimeter groß, also kein Liliputaner, sondern ein Kleinwüchsiger. Er hat darob keine Minderwertigkeitskomplexe, sondern nur Ärger. Als Kleinwüchsiger fühlt er sich nicht ernst genommen. Seine Berufung ist sein Dasein als Autor. Er will aber nicht aus seiner Kleinwüchsigkeit Kapital schlagen, sondern aus seiner Qualität als Schreiber.

 

Was sich zwischen Audrey und Paul anbahnt könnte mehr sein als keine Beziehung auf Augenhöhe. Vielleicht ist es sogar Liebe, auch wenn das Wort nicht fällt. Paul DeLux ist natürlich sein Künstlername. Audrey sorgt dafür, dass er diesen Künstlernamen verewigt. Er suhlt sich nicht mehr in Selbstmitleid, säuft weniger, seit er Audrey begegnet ist. Sie gibt ihm Tipps, auf welche Weise er seinem Roman mehr Zugkraft geben könnte. Paul und Audrey sind wie füreinander geschaffen. Er, der Kleinwüchsige, hat Großes vor.

 

Endlich mal ist ein Aspirant auf den 500 € - Schatz nicht wie aus einem anderen Universum entnommen. Er beweist Bodenhaftung, ist Einer wie Du und ich. Kleinwüchsigkeit ist ebenso wenig ein Makel wie Armut, Pflegebedürftigkeit oder Gehörlosigkeit. Paul DeLux ist eine Chiffre für alle Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Auch wenn er mehr säuft, als er vertragen kann, ist er kein hoffnungsloser Fall. Er hat Herz, Seele und Geist.

 

Theresa Gerks, die zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Geschichte erst 17 Jahre alt ist, beeindruckt als Autorin mit Feingefühl. Paul ist eine Figur, die buchstäblich zum Leben erwacht. Mit ihm würde ich auch gerne mal ein Bier trinken gehen. Kompliment an die junge Autorin, die großes Talent beweist. Paul DeLux, der Kleine, wird mir in Erinnerung bleiben!

 

                                                                          Al Truis-Mus

 

Kurz, knubbelig, knorrig:

Paul Delux. Der Kleine in der Hölle

 

Meine Güte, jetzt saufen sich schon die Kurzen ins Koma! Können die eigentlich nur bechern? Wobei es ja kein Geheimnis ist, dass gerade in der schöngeistigen Szene gerne mal ein Gläschen oder zwei gehoben werden. Also ohne Alk kein Output? Fakt ist, dass ein benebelter Geist hin und wieder viel kreativer ist als ein klarer. Hemmschwelle weg und so, kennt man ja. Fakt ist aber auch, dass zu viel Alkohol schwermütig macht, was in manchen Fällen trotzdem zu genialen Texten geführt hat, die sogar mit dem Literaturnobelpreis belohnt wurden (wenn auch nicht im Hörrätsel, das die werte Frau Verlegerin mit Juliane Ahlemeiers Stimme im November durchgezogen hat). Was jetzt aber kein Argument sein sollte, zur Flasche zu greifen.

 

Viel wichtiger ist, wer sich hinter dem Kleinen verbirgt, diesem Paul Große-Lux, der als kleinwüchsiger Autor auf kurzen Beinen durchs Leben torkelt. Stilecht lernt der Leser ihn in einem Discounter kennen, zu nachtschlafender Zeit kurz nach Weihnachten. Alles ist groß, weiß und zum Kotzen. Paul spielt die Opferrolle hingebungsvoll mit allen Facetten: Mich braucht keiner, mich will keiner, die Frauen sind sowieso alle größer als ich … Gebongt! Bevor er völlig ins Klischee abrutscht, greift die Autorin Theresa Gerks ein, deren Name man sich unbedingt merken sollte. Denn die ist nicht nur selbst eine „Kleine“ in der Literatur – gerade mal 17 Jahre alt – sondern schwingt die Feder seit drei Jahren so gekonnt, dass bereits der erste Platz beim Steinfurter Amateur-Filmwettbewerb für ihr Drehbuch heraussprang („Topmodel-Wahnsinn in Burgsteinfurt“). Aber … kann man so jung überhaupt schon schreiben? Also, ich als der ewige Nörgler war ja am Anfang skeptisch, denn zum Schreiben braucht man ein gewisses Maß an Stilsicherheit, Lebenserfahrung und Reife, sonst wird das nichts. Aber sie hat mich angenehm enttäuscht. Es besteht also noch Hoffnung, die Jugend hat wieder mehr im Kopf als den nächsten iPad! Diese bald hoffentlich viel bekanntere Autorin also zieht mit ihrem kleinen Paul los und lässt ihn erst mit dem Alkohol, dann der nächtlichen Saukälte und schließlich mit Audrey zusammen prallen – im Rathaus. Audrey ist eine waschechte Putzfrau und bringt Paul mit ihrer Direktheit erst mal aus dem Gleichgewicht („Wie ist es, wenn man Liliputaner ist?“). Sie sieht die Dinge, wie sie sind und spricht sie aus, nicht immer zu Pauls Pläsier. Aber bei ihm macht es plötzlich „klick“. Und weil Audrey nicht nur eine Freundin, sondern auch so etwas wie eine gute Fee ist, lotst sie Paul zu einem Speed Dating für Kleinwüchsige, das just in diesen Tagen im Rathaus stattfindet und von der Presse breitband-medial begleitet wird. Die Gelegenheit, bekannt zu werden! Paul willigt nach heftigem Widerstand ein („Damit alle vor der Kiste sitzen und glotzen können!“), doch dieses Dating verläuft etwas anders, als Paul es sich gewünscht hat, denn … Halt, nein, mehr darf ich nicht verraten, sonst schlägt mich meine Verlegerin.

 

Ja, ich gebe zu, allmählich kriege ich selbst Schüttelfrost von so viel Lobhudelei, aber es liegt nicht an übermäßigem Antidepressivagenuss! Nein, der Text bringt drei wichtige Faktoren zusammen: a) ein ungewöhnliches Setting, bereichertmit einer abstrusen Figur, b)Ereignisse, die wir vielleicht selbst schon durch haben und uns so nur in unseren finstersten

Träumen vorzustellen wagen und c) ein über zahlreiche Umwege erreichtes, mehr als überraschendes Ende, das eigentlich ein Anfang ist. Alles komponiert von einem Absolute Beginner der Literaturszene.

 

Also, wenn Sie sich einen Gefallen tun wollen, holen Sie sich den kleinen Paul nach Hause, gehen Sie mit ihm ein oder zwei Schoppen trinken und brüten Sie mit ihm und Audrey über seinem „Weltuntergangsscript“. Das wird Ihre Weihnachtsfeiertage ordentlich durchschütteln.

 

                                                         A. Nonymouse

 

www.litlimbus.de

www.wunderwaldverlag.de

www.wunderwaldgeschichten.de

 

Leipolds Vertrag

Das es so etwas überhaupt geben kann. Jason Manz, abgehalfterter Schreiberling von Horror-Romanen erlebt seinen persönlichen Horror in Gestalt von Leipold. Wer noch nie davon gehört hat, dass Ghostwriter gerne Blut lecken, der kann es jetzt schwarz auf weiß lesen. Die Dialogschlacht zwischen Manz und Leipold steuert einem Schattenreich entgegen, das nicht  mal vor einem Beichtstuhl Halt macht. Aber Hoppla, nur nicht zuviel verraten. Denn da gibt es einen Club der toten Dichter (geklaut, oder wie?), und wieder mal sorgt Randomhouse für Unruhe.

 

Jason Manz ist völlig außen vor, eine verkrachte Existenz, die sich nicht mal in den Spiegel schauen mag. Der Pakt mit dem Teufel in Form eines untoten Ghostwriters erweckt ihn wieder zum Leben. Er beginnt zu kämpfen, schreibt ein irrwitziges Manuskript, zumindest ein paar Skizzen. Und er möchte sich unbedingt die 500 Euro-Prämie für einen lukrativen Verlagsvertrag krallen. Leipold meets Hugo Bain, und ist da schon ein Sieger in Sicht?

 

Lesen Sie, was es mit dem versoffenen, verschrobenen und selbstverständlich auch verblendeten Jason Manz auf sich hat, der in eine Geschichte hineingezogen wird, die er sich nie selbst hätte ausdenken können. Das ist keiner dieser unendlich langweiligen Romane, an denen sich die Leserinnen und Leser längst schon gewöhnt haben. Immer der gleiche Bockmist! Ein Bestseller ist ein Bestseller ist ein Bestseller. Wer braucht Unterscheidungsmerkmale? Verzeihung, ich will mich damit nicht zufrieden geben, ich, Jason Manz begehre gegen die Verelendung der überall sichtbaren Literatur auf! Könnte dies die Botschaft der Geschichte sein oder handelt es sich doch nur um billigen Abklatsch üblicher qualitativ minderwertiger Bestsellerware?

 

Entscheiden Sie, schlagen Sie dem Schicksal von Jason Manz ein Schnippchen oder wollen Sie doch lieber auf der Seite des guten, bösen Teufels sein, der in Gestalt eines Ghostwriters sein Unwesen treibt?

 

Lit.Limbus sorgt für Furore. Die literarische Vorhölle ist auf der Suche nach dem Oberteufel. Und die Reise hat noch lange kein Ende…

 

                                                                Al Truis-Mus

 

 

Lit. Limbus – alles Säufer ?!

 

Was hier schon an Promille durch den Drucker gegangen ist. Druckfahnen im Alkoholatem wehten. Komatöse Traumbilder den Toner erstarren ließen. Literatur – sponsored by Russlands größtem Wodka-Produzenten? Hey, es gibt ja viel Zeug auf der Welt, aber Frederic

Brake lässt den absoluten Gammeltypen Jason Manz vor unseren Augen entstehen, dass sich mir beim Lesen die Riechhärchen krümmen. Kann ein Autor so tief sinken? So viel saufen? So ahnungslos sein? Okay, ich gebe zu, ich finde die Idee, einen Ghostwriter zu engagieren, hin und wieder sehr verlockend. Wenn die Platte im Kopf mal wieder blank ist. Wenn der nächste Monat droht und die Miete noch nicht überwiesen ist. Oder … wenn der phatteste Absturz des Lebens einen in die grottigsten Tiefen des Daseins gestürzt hat. Personal Doomsday. Wie bei Jason Manz. Der war berühmt, jetzt ist er nur noch berüchtigt. Frau weg, Haus weg, Geld weg. Sein Verleger will nichts mehr von ihm wissen, feuchter Händedruck und raus mit dir. Nur zum Spaß eine Wette mit den Ex-Kollegen abschließen, aber der Himmel lauscht und die Hölle schickt ihren Boten. Wie bei Frank Trash in Band 1:

keine Wette ohne Teufel. Statt faustischer Phiolen lehrt Manz seitdem Flasche um Flasche.

Tag für Tag. Er muss, er muss, er MUSS wieder berühmt werden. Raus aus dieser Ekelbude,

zurück in die Traumvilla an der Côte d'Azur. Mit Hilfe einer Handynummer. Wenn bei Ihnen ein Vertreter an der Tür klingelt, lassen Sie ihn rein? -Nein? Jason Manz schon. Der ist nicht nur im Dauer-Alkohol-Koma, sondern völlig neben der Kappe. Leipold heißt sein Helfer. Verspricht ihm einen neuen Verlagsvertrag. Und wie es sich gehört, hat die Sache noch einen Haken, denn Jasons Tochter wird in die Sache hineingezogen.

Frederic Brake ist ein Frischling auf dem Autorenmarkt. Aber er ist einer der Glücksfälle, die

loslegen und sofort einen Treffer landen. Es gibt sie noch, die echten Talente, die man in Anthologien entdecken kann. Und im Lit.Limbus, wo sie alle schmoren und auf den Vertrag ihres Lebens warten. Oder sich ein Würstchen über den Schwefelquellen braten und sagen: schön war's, nette Grillparty. Schreiben wir doch mal was. Das war auch die Basis der Konzeption.

 

Endlich mal was ohne die Vorgaben des Buchhandels schreiben, loslegen, weil's Spaß macht

und ab dafür. Das ist der Lit.Limbus, die Heftromanserie. Neue Talente entdeckt man nicht bei den Bestsellerverlagen, sondern in den kleinen Publikationen. Und damit es auch dabei bleibt, ist schon die zweite Staffel in Vorbereitung.

 

SAGA. Ganz und gar nicht sagenhaft, sondern auf historischen Ereignissen basierend. Historienromane in Heftformat – warum nicht? Bevor ich mir 500 Seiten aus dem Hirn schleudere oder mich zu Tode recherchiere, arbeite ich lieber in kleinen Schritten und literarisch sauber.

Hat der Leser mehr von. Von mir aus auch romantisch, aber für unbekannte Autoren. Und

wer einmal gute Arbeit abgeliefert hat, kriegt vielleicht die Chance auf den nächsten Auftrag.

Wie der Ghostwriter in „Leipolds Vertrag“ … ?

Welcher Autor die 500 Euronen in der ersten Staffel abgreift, erfährt der geneigte Leser bis

zum Sommer 2011. Bis dahin vorbeisurfen, reinklicken und mitschreiben. Und wer vorher

schon belohnt werden will, schaut sich das Gewinnspiel an. Juliane Ahlemeier, Profisprecherin, hat den Prolog aus „Meeting Hugo Bain“ sagenhaft aufbereitet. Dabei haben wir einen Fehler versteckt, und wer ihn findet, gewinnt ein Lit.Limbus-Abo für die ersten 13 Hefte. Wenn das mal nicht mit dem Teufel zugeht ...

 

 

                                                             A. Nonymouse

 

www.litlimbus.de 

www.wunderwaldverlag.de

www.wunderwaldgeschichten.de

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

 

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

Der Lit.Limbus ist ja schön und gut. Aber nicht jeder will bei Konzeptserien mitschreiben. Auch nicht die Verlegerin, die sich damit einen Haufen Arbeit macht. Wo bleibt da der freie Geist? Die Inspiration? Die Muse? Sie soll küssen! Und das tat sie im Verborgenen bei Jürgen Heimlich. Ja ja, schon gut. Ich weiß, ich bin sonst bissiger. Aber wo es nix zu beanstanden gibt, kann man auch nicht zuschnappen. Obwohl natürlich die Frage zu beantworten wäre, ob die Welt eine weitere Adaption der Dickens'schen Weihnachtsgeschichte braucht? - Jawoll!

Immerhin rollt in knapp zwei Monaten wieder das Fest der Feste ab, damit einhergehend der Konsum, die Gier, der Hass, die Einsamkeit und der vielfache Freitod. Also her mit der düsteren, geisterhaften, bedrohlichen Adaption der ach so fröhlichen Zeit. Unterschlagung, Kaltherzigkeit, Eitelkeit, Anankasmus, Wollust. Man kann Gerhard Lau alles davon anlasten und die Liste beliebig fortsetzen. Er ist ein so richtig mieser Typ, der seine Spuren auf seinen Mitarbeitern und seiner Ex-Frau hinterlässt und in seiner Familie ausgespielt hat. Die Welt ohne Geld – für Lau ein Gräuel. Deshalb hat er auch keine Gewissensbisse bei seinen täglich zahlreichen Fehltritten. Aber wie bei Dickens wartet die Strafe hinter der nächsten Hausecke. Und die Geschichte nimmt auch nicht das bekannte Ende. Lau war kein guter Mensch, also hat er auch kein entsprechendes Ende verdient.

Hat sich da jemand abreagiert? Oder wollte es der Autor so richtig krachen lassen? - Gegenfrage: Warum nicht? Heftroman heißt: ein bisschen anrüchig, ein bisschen trashig, ein bisschen neben der Norm. Schöngeistige Gedankenflüge kann man sich bei Schopenhauer & Co. holen. Hier geht es um Katharsis, Läuterung, psychologische Abreaktion. Lau scheint mir ein bisschen verrückt zu sein, aber nicht ganz so abstrus wie mancher Zeitgenosse. Ein Spiegel. Eine Kunstfigur, die all das in sich vereint, was uns so sauer aufstößt, um dann gerichtet zu werden. Aber keine Sorge, es folgt kein Schlachtfest des Hasses, das wäre dann doch zuviel des Guten. Trotz der Wucht der Emotionen kommt die Rache handwerklich ganz leise daher. Man fühlt sich als Leser selbst ein bisschen schuldig. Schließlich haben wir alle etwas auf dem Kerbholz.

Die Weihnachtsgeister des Gerhard Lau – übrigens das zweite Heft des Lit.Limbus – ist eine Sonderpublikation im ersten Lit.Limbus-Zyklus. Dort wiederum geht es um eine Wette unter Autoren: 500 Euro für den, der bis zur nächsten Leipziger Buchmesse einen lukrativen Autorenvertrag vorweisen kann. Aber wie wir spätestens seit Goethe wissen: keine Wette ohne Teufel. Das Elysium mischt kräftig mit und sorgt für pulpig-trashige Überraschungen. Damit sich auch andere Autoren versuchen können, startet mit der Frankfurter Buchmesse 2010 die Ausschreibung für die zweite Lit.Limbus-Staffel SAGA. Historienromane in Heftform für alle unbekannten Autoren. Aber Achtung, dieser Wettbewerb ist hart! Und die Lektorin gnadenlos ...

Welcher Autor die 500 Euronen in der ersten Staffel gewinnt und wie der nächste Sonderausgabe des Lit.Limbus heißt, erfährt der geneigte Leser unten. Vorbeisurfen, reinklicken und mitschreiben.

A. Nonymouse

Meeting Hugo Bain

 

Allein schon die Idee ist genial: Zehn Autoren legen sich mit dem Teufel an, um einen lukrativen Vertrag zu ergattern. Wer diesen Wettstreit für sich entscheiden kann, wird mit 500 Euronen belohnt. Nur 500 Euronen, werden Sie sich fragen? Das ist ja gar nichts für einen Autor, der zum Bleistift bei Random house anheuert und als Belohnung eine Serie irgendwelcher Genreromane schreiben darf, die dann auf den Markt geworfen werden.

Frank Trash, der vom Blitzschlag in andere Dimensionen geschleuderte Autor, wird vom Teufel höchstpersönlich darauf hingewiesen, dass sich eine Veröffentlichung bei Random house mit dem edlen Wettstreit unter Autoren nicht verträgt. Nun ja, und es geht schließlich nicht nur um die 500 Euro, sondern hauptsächlich darum, dass es Ehrensache ist, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen.

 

Frank Trash hat mit dem Schreiben von Groschenromanen jede Menge Geld verdient. Doch zweifach vom Blitz getroffen vernebelte sich sein Bewusstsein und er wird in ein Abenteuer hineingetrieben, das ihn am Ende mit seiner erfundenen Figur, einem passionierten Mörder, in einen Showdown allererster Güte konfrontiert. Ist es Traum, ist es Wirklichkeit, ist es Leipzig, ist es Paris, ist es in einem Flugzeug, ist es in einem TGV? Frank kennt sich nicht aus und dann spricht auch noch dieser blöde Geist aus ihm, den er am liebsten zum Teufel… Ach nein, das lieber doch nicht.

 

Hier wird Trash auf höchstem Niveau verzapft. Durch ineinander verschränkte Handlungsmuster wird es manchmal ein wenig kompliziert, doch im Zweifelsfall wissen hartnäckige Geisterstimmen Rat. Ja, ja, der Name Trash ist Programm und der Autor, Herr Mühlehner, erzählt in einem kleinen Essay am Ende von den Eigenheiten und Weitläufigkeiten der Trash-Kultur. Heftromanen haftet heutzutage das Etikett „billig und Schund“ an, obzwar es viele schlechte Trash-Romane sogar auf Bestseller-Listen schaffen. Wer das Geld hat, hat das Sagen und bestimmt die „Qualitätskriterien“ von Literatur. Kann das tatsächlich wahr sein? Oh ja, da steckt viel zwischen den Zeilen, und diese Geschichte von Frank Trash, der Hugo Bain wohl als einziger Mensch auf der Welt furchtlos begegnet, weil er eigentlich wissen müsste, wie seine erfundene Figur so tickt oder ticken könnte, das ist schon mehr als bloß irgend so ein Heftroman.

 

Ein Heftroman ist ein Roman ist ein Roman. Nicht alles, was günstig zu haben ist, muss schlecht sein. Und gerade Romane von Autoren, die sich vom Teufel höchstpersönlich einen Vertrag mit Random house in der Luft zerreißen lassen, ohne dies zu bedauern, können erstaunliche Qualitätsmerkmale aufweisen. Ein mehr als gelungener Einstand der Litlimbus-Reihe!

 

                                                                Al Truis-Mus

 

Meeting Hugo Bain. Lit.Limbus - pulp it!

 

Vor 500 Jahren erfand Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Seitdem wurde gedruckt, was immer einem Menschenhirn entsprang. Sollte man da nicht eher etwas für ein friedliches Zusammenleben aller Völker tun, statt sich jetzt schon wieder eine Autorenserie aus den Fingern zu saugen? Erstens: Herausgeber ist ein Kleinverlag, die One-Woman-Show Wunderwaldverlag. (Zweitens: Was soll das für eine Serie sein, bei dem Verlagsnamen?!) Drittens: AU-TO-REN-Serie. Hobbygeschreibsel mit Null Grammatik, jungschen literarischen Kenntnissen und unausgegorenen Ideen. Schon klar.

Schmerzlich geht die Welt zugrunde an leeren Inhalten und emotionslosen Gefühlen. In Ordnung, muss sich die Verlegerin gedacht haben, dann machen wir doch genau so eine Serie. Und packen gleich noch eine Wette drauf. Will ja sowieso jeder höher-schneller-weiter. Also. Treffen sich zehn Autoren auf der Leipziger Buchmesse. Es geht um 500 Euronen. Wer bis zur nächsten LBM einen lukrativen Verlagsvertrag vorweisen kann, kriegt die Kohle. Soweit die Story.

Das ist Michael Mühlehners Auftritt. Er hat schon „ein bisschen was“ veröffentlicht und steigt in „Meeting Hugo Bain“ in die Vollen. Sein Protagonist, Frank Trash, hat schon alles, was er will – Ruhm, Reichtum, Referenzen. Wird aber vom Blitz getroffen und fortan von Konstantin Garamant heimgesucht, seines Amtes körperloser Dybbuk auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Das trasht schon ganz schön, oder? Mühlehner setzt noch einen drauf und erweckt Franks Protagonisten Hugo Bain zum Leben. Der ist nämlich der Held in Franks Pulp-Serie. Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären: Wo ist der Clou?

Er versteckt sich in der Konzeption. Hier wird mal frisch von der Leber weg geschrieben, ohne Erfolgsdruck, ohne Händlergebabbel, ohne Preisgeschacher. Wenn man es als Kleinverlag dem Buchhandel sowieso nur schwer Recht machen kann, dann macht man doch am besten, wozu man Lust hat.

Und plötzlich funktioniert's. Ich kenne den ersten Roman schon und verhülle beschämt mein Gesicht. Von wegen grammatikloses Syntaxgestammel. Mühlehner haut dem Leser einen griffigen Satz nach dem anderen um die Ohren, treibt die Story konsequent auf den Höhepunkt bzw. von USA nach Deutschland zum Showdown in – na? Wer hat mitgelesen? Aber es ist ja eine Serie. Deshalb ist der erste Showdown nur ein Teil des finalen Wir-lösen-jetzt-auf. Frank Trash hat sowieso schon ein kleines Identitätsproblem mit seinem Hausdybbuk, da schaltet sich auch noch ein Mitarbeiter des Leibhaftigen ein und – wieder ist alles offen.

Wie bitte? Das ist Ihnen zu abstrus? Hören Sie mal, Lit.Limbus pulpt, dass Ihnen die Marmelade aufm Sonntagsbrötchen stockt. Hugo Bain ist eine astreine, romantikfreie, kalibertreue Sache. Für Autoren. Nicht für Rechtschreibfehler-Quartermains. Weils Spaß macht. Auf einem Niveau, das Ihnen die Tränen vor Freude in die Augen treibt, wenn man weiß, wie spitzfindig die Verlegerin beim Lektorat sein kann.

Übrigens: Jason Manz von Frederic Brake ist der Held des zweiten Zyklus-Romans. Würde ich mir jetzt schon sichern mittels Vorbestellung.

A. Nonymouse