Der Autor als Schauspieler oder

mein Auftritt auf der "Cantus-Bühne"

 

Ja, es ist soweit, ich betrete die "Bretter, die die Welt bedeuten" und finde mich gar nicht so schlecht. Klar, es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten, aber als Schauspieler habe ich zumindest eine Begabung für kafkaeske Experimente. ;-)

 

Danke an dieser Stelle an Peter Bosch, der meinen Auftritt gefilmt hat. Und danke an den Cantus-Verlag, der das Material geschnitten und neu interpretiert hat.

 

Und hier ist er also, mein erster Auftritt als Schauspieler:

 

Herbert und ich oder

ein Pate findet einen Autor

Anlässlich des 2. Autorenfestes des Tiempo Autorenstammtisches erfolgte eine Versteigerung von Autorenpatenschaften. Die Idee dahinter hatte die Autorin und Moderatorin der Veranstaltung, Claudia Toman. Jedes Tierchen in Schönbrunn hat irgendeinen Paten, der es – in welcher Form auch immer – unterstützt. Meist finanziell, oft durch Besuche des Tierchens, wenn auch das Gehege selbst nur in den seltensten Fällen betreten werden kann. Das ist der Vorteil eines Autors: Er kann durchaus besucht werden, ohne dass gröbere Gefahren erwartet werden könnten. Zumindest ist davon grundsätzlich auszugehen.

 

Die Patenschaft gilt für ein Jahr, endet also demgemäß am 30. November 2012. Wie der Pate seine Pflichten wahrnimmt bleibt ihm überlassen. Er kann Werbung für den Autor machen, ihn zu einem Kaffeekränzchen einladen oder den Autor durch ungewöhnliche Geschichten inspirieren. Auf der anderen Seite hat der Autor Narrenfreiheit, inwiefern er seinen Paten in seine Pläne einweiht, zu Veranstaltungen einlädt, exklusive Geschenke angedeihen lässt oder überhaupt namentlich und an geeigneter Stelle erwähnt. Im Grunde besteht für ein ganzes Jahr eine besondere Beziehung zwischen Pate und Autor. Eine Verlängerung der Patenschaft ist keineswegs ausgeschlossen, ja sogar wünschenswert.

 

Nunmehr folgt der erste Streich, indem ich meinen Paten vorstelle. Sein Name ist Herbert Fuchs. Ich kenne ihn seit etwa zwei Jahren. Er ist regelmäßiger Besucher des Autorenstammtisches, und ich behaupte ganz frech, dass in dieser kurzen Zeit eine Art von Freundschaft zwischen ihm und mir entstanden ist. Wann immer wir uns sehen, kommen wir miteinander ins Gespräch, manchmal gibt es sogar Anflüge von Disputation. Herbert hat mir vor einem guten Jahr eine ganz persönliche Mail geschickt, die ich seither in Ehren halte. Eine seiner Eigenarten als Autor ist es nämlich, dass er Briefe und Mails mit literarischem Anspruch verschickt. Es hängt ganz vom Empfänger ab, welchen Wert er den persönlichen Texten beimisst. Ich war allemal erfreut. Herbert gibt sich viel Mühe und seine Texte sind fein geschliffen und nicht grob gehackt. Der „Zufall“, den ich – und das möchte ich besonders betonen – nicht als „Zufall“ durchgehen lassen will, brachte es also mit sich, dass ich im Gegenzug Herbert als meinen Paten mit einer persönlich gestalteten Postkarte beschenken durfte. Auf dieser Postkarte prangt ein einzigartiger Text, der nur für den Paten gedacht ist. Freilich ist es nicht gestattet, diesen Text in aller Öffentlichkeit preiszugeben.

 

Herbert hat mich als Patenautor ersteigert. Als Lohn dafür bekam er ein Buchpaket. Wir werden unsere neue Beziehung im Rahmen unserer Möglichkeiten entwickeln und daraus das Bestmögliche machen. Die Tatsache, dass ich gerne den Zentralfriedhof besuche (und im Rahmen meiner Lesung darauf hingewiesen habe, dass diese Örtlichkeit mein Lieblingsplatz in Wien ist), mag die meisten potenziellen Mitbieter verschreckt haben. Herbert aber hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und den Jackpot geknackt. Nun hat er den Salat, äh, mich als zu protegierenden Autor im Lebensgepäck. Möge uns ein spannendes Jahr bevorstehen!

 

 

Herbert und ich oder der Pate bereitet dem Autor ein großartiges Überraschungsgeschenk

 

All jenen, die Spaß an der ungewöhnlichen Patenaktion gefunden haben, die im Falle von Herbert und mir in den haargenau richtigen "Geschäftspartnern" resultierte, sei dieses Video anempfohlen, das Peter Bosch anlässlich einer genialen Überraschungsaktion von Herbert, die er mir - also seinem Patenkind - geliefert hat, filmte.

 

 

Der Wahnsinn geht weiter oder ein in Kooperation zwischen Pate und Patenkind komponierter Text sorgt als Heftroman für Furore!

 

Die Österreicher! Manchmal hat man schon das Gefühl, dass sie die Literatur (noch) ernster nehmen als wir. Und dass sie deshalb in mancher Hinsicht (noch) kreativer sind, um das WORT zum Glänzen zu bringen. Und Jürgen Heimlich ist in der Hinsicht besonders für seine ausgefallenen Ideen bekannt!

Am 1.12.2011 fand in den Räumlichkeiten einer Buchhandlung im zweiten Wiener Gemeindebezirk eine von einer Autorin initiierte Versteigerung von Autorenpatenschaften statt. Autorinnen und Autoren gestalteten eine Postkarte mit dichterischer Brillanz, und das geschätzte Publikum erhielt die Möglichkeit, zusätzlich zu dieser einmaligen Postkarte ein Buchpaket und dann auch noch einen der anwesenden Autorinnen oder Autoren zu ersteigern. Das lasse man sich bitte erst mal auf der Zunge zergehen! Tatsächlich wurde also der Autor Jürgen (ganz un-)Heimlich ersteigert und erarbeitete mit seinem Paten einen Text, der so knuffig war, dass ich ihn unbedingt herausgeben wollte. Die beiden sparen weder an skurillen Erlebnissen, die sich mit Liebe und Heimlichs Lieblingsthema, dem Tod, befassen, noch an einem derb-wienerischen Abgesang an Paten und Mündel. Heimlich, wie wir ihn mögen: handfest!

© Michaela Stadelmann

 


Die Krönung: Pate und Patenkind treten in den Räumlichkeiten des Cafe Kreuzberg anlässlich eines launigen Autorenfestes im Rahmen einer Lesung gemeinsam auf! 

 

 

Am 17. Dezember 2012 fand das 3. Autorenfest des Autorenstammtisches statt. Im Zuge dessen folgte der Auftritt meines Paten gemeinsam mit mir. Wir sorgten in einer Art Doppelconference für Furore. Herbert las dann seine geniale Widmung vor, die seinesgleichen sucht. Hernach erzählte ich dem Publikum die fast wahre Geschichte vom Marzipanschwammerl.

 

Mit diesem Auftritt ist die Autorenpatenschaft als beendet anzusehen. Herbert hat sich auf keine Verlängerung eingelassen, wie er mir während unseres Auftrittes versicherte. Aber wer kann auch von einem Menschen verlangen, einem Autor länger als ein Jahr den Paten zu machen?

 

Nochmals herzlichen Dank an Herbert Fuchs für die geniale Zusammenarbeit, mit der wir in die Literaturgeschichte eingehen werden. Vielleicht hat es so etwas schon mal gegeben, doch das Ergebnis dieser Patenschaft ist zweifellos einmalig!

 


 

 

Meine erste Berührung mit einem literarischen Kreis erfolgte Anfang der 1990´er Jahre.

Ich geriet in Kontakt mit der Lesedition, und beteiligte mich zunächst an einem literarischen Wettbewerb.

 

Anschließend erfolgte nach mehreren Monaten eine Dokumentation des „Leserpreises“, wobei ich mit keinem Text vertreten bin. Kurios ist allerdings die Tatsache zu bewerten, dass auf dem Cover meine Erfahrung mit den literarischen Texten dokumentiert ist. Und dies in handschriftlicher Form! Seinerzeit gab es noch kein Internet, und ich schrieb auch keinen Brief auf einer Schreibmaschine. Somit ist dies das einzige Werk mit literarischem Hintergrund, aus dem meine Handschrift hervorgeht.

 

Später traf ich mich mehrmals anlässlich „literarischer Runden“. Einmal war auch ein Freund zugegen, und an die damaligen Geschehnisse erinnere ich mich besonders gut. Zum Einen, weil meine erste „öffentliche Lesung“ erfolgte, und ich eine Geschichte zum Vortrag brachte, die auf einem Friedhof spielte. Zum Anderen, weil wir „Literaten“ danach über die Texte sprachen, und ein älterer Mann die Frage in den Raum warf, wieso ein so junger Mann wie ich (damals war ich knapp 20 Jahre alt) ausgerechnet über Friedhöfe und die Endlichkeit des Lebens schreibt. Meine Antwort war, dass diese Auseinandersetzung mit dem Alter nichts zu tun habe, sondern einem Interesse entspränge. Tja, und die Themen Liebe und Tod sind nun mal, wie ich jetzt weiß, die Wichtigsten in der Weltliteratur…

 

Aus dieser Geschichte und deren Folgen ist auch eine Skizze übrig geblieben, die meine zeichnerischen Qualitäten offenbart. Ich hatte damals eben erst Franz Kafkas literarische Werke kennen gelernt, und betrachte die Skizze als versuchte Annäherung an dessen zeichnerischen Stil.  

 

Keine Lesung ohne Publikum

 

 

Ich bereitete mich gewissenhaft auf eine Lesung vor, die für den 25. Oktober 2006 angesetzt war. Ja, ich konnte kaum den Tag erwarten, an dem ich endlich aus meinem Roman „Das diabolische Experiment“ vorlesen würde…

 

… und dann kam der Tag, kam der Abend dieses Tages, wurde es 20 Uhr und ich saß mit der Initiatorin im Veranstaltungslokal und hoffte darauf, dass sich doch noch ein paar Zuhörer hierher verirren mochten. Ja, ich gehörte nun also zu den Autoren, welche die Erfahrung machen dürfen, eine angekündigte Lesung nicht abhalten zu müssen, weil schlicht und einfach das Publikum fehlte.

 

Im Nachhinein mag es hauptsächlich daran gelegen haben, dass eine Lesung am Vorabend  eines Feiertages kein Publikumsmagnet sein kann. Zumindest dann nicht, wenn der Autor keinen enormen Bekanntheitsgrad hat. Wobei auch Autoren mit einem hohen Bekanntheitsgrad schon vor nahezu leeren Rängen gelesen haben sollen (allerdings haben – zumindest manche von ihnen – gelesen!) Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Lesung von Klaus Wagenbach (dem wunderbaren Kafka-Biographen!), dessen Lesung vor vielleicht zehn ZuhörerInnen stattfand, und dies deswegen, weil etwa eine halbe Stunde vor der Veranstaltung ein schweres Gewitter über Wien gezogen war.

 

Auch Kulturinteressierte lassen sich also offenbar von Banalitäten abhalten, einer Veranstaltung beizuwohnen. Kann der „falsche Tag“ eine Banalität sein? Ich behaupte mal energisch: Ja!