"Tatort"-Jubiläum!

Der „Tatort“ feiert also offiziell am 13. November 2016 sein Jubiläum. Tatsächlich ist ja die 1000. Folge schon vor einiger Zeit gelaufen. Nachdem die „Außer der Reihe“-„Tatort“e des ORF nicht mitgezählt werden, gilt „Taxi nach Leipzig“ als 1000. Episode. Kurioserweise mit dem Ermittlergespann Lindholm und Borowski. Ich erwarte mir von diesem Jubiläumsfall nicht viel. Zum Einen, weil es übertrieben ist, Maria Furtwängler als Schauspielerin zu bezeichnen. Zum Anderen, weil der „Tatort“ seit einigen Jahren deutlich an Potenzial verloren hat.

 

Die richtig guten Folgen sind heutzutage eine Seltenheit. Hie und da gibt es Ausnahmen. Wenn ich nun meine persönliche „Top 10“ der „Tatort“-Geschichte präsentiere, so sind aber gleich zwei aus dem Jahre 2013 enthalten. Jetzt aber nicht mehr viel Vorgerede, hier kommen sie auch schon, meine „Top 10“:

 

Platz 10: „Schwarzer Advent“ (Batic, 2007)

Christian Berkel, heute als „Kriminalist“ bekannt, spielt einen Familienvater, der wiederum seinem Vater, der nach langer Zeit wieder nach Deutschland kommt, eine heile Familie vorspielen will, und dafür über Leichen geht, bis sich die Situation zum Zerrreißen spannt. Ein ungewöhnlicher Vorweihnachts-Krimi, der schauspielerisch hervorragend umgesetzt ist.

 

Platz 9: „Liebe – Sex – Tod“ (Batic, 1997)

Und noch einmal Batic! Genial, wie der viel zu früh verstorbene Oliver Hasenfratz eine Doppel-Rolle verkörpert! Es geht in diesem Krimi viel um Einsamkeit und den „besonderen Kick“. Oliver Hasenfratz agiert wohl in der (Doppel)rolle seines Lebens!

 

Platz 8: „Unvergessen“ (Eisner, 2013)

Dieser Krimi rund um ein Massaker, das im 2. Weltkrieg passiert ist, beruht auf wahren Begebenheiten. Am Peršmanhof wurden 11 Zivilisten getötet. Eisner und Fellner sind den Tätern auf der Spur. Abgesehen von kleinen Schwächen ein aufrüttelnder Fall, der an die Nieren geht.

 

Platz 7: „Abschaum“ (Lürsen, 2004)

Für einige Zeit handelte es sich hier wohl um den „Tatort“ mit den meisten Leichen. Hier kann einem auch wirklich das Blut gefrieren! Ausgehend vom Tod eines 12-jährigen Mädchens begeben sich Lürsen und Stedefreund in einen Sumpf, der unglaublich tief ist und sich schließlich als Sekte übelsten Zuschnitts herausstellt. Selten habe ich einen Täter am Ende so sehr verstanden wie in diesem Fall.

 

Platz 6: „Morde ohne Leichen“ (Fichtl, 1997)

Eine kafkaeske Geschichte um einen Auftragskiller, der mit einem Bestattungsunternehmen zusammen arbeitet. Glänzend, wie Udo Samel den Killer inszeniert. Und eine Geschichte, die in ihrer Tragikomik besticht. Auch „Tatort“e aus Österreich haben immer wieder Substanz gehabt, und haben es manchmal sogar heute noch (siehe Platz 8).

 

Platz 5: „Der Fall Schimanski“ (Schimanski, 1991)

Was für ein Abgang von Schimmi! Wenn ich so an die letzten Folgen anderer Ermittler denke, sticht das grande finale von Schimanski sehr, sehr deutlich hervor. Klar, später gab es noch über einige Jahre die Figur außerhalb des „Tatort“ zu bewundern, doch der letzte „Tatort“-Auftritt von Schimanski spielt alle Stückeln! Komisch, spannend, einmalig! Götz George in seiner Glanzrolle, die ihn zum wohl populärsten Ermittler der „Tatort“-Geschichte gemacht hat.

 

Platz 4: „Gegen den Kopf“ (Stark, 2013)

Gäbe es nicht zwei kleine Schwächen, dann hätte ich diesen „Tatort“ auf Platz 1 gehievt! Doch alles in allem ist es ein Bravourstück der „Tatort“-Geschichte. Die Geschichte rund um einen Mann, dem seine Zivilcourage das Leben kostet, kann niemanden kalt lassen.

 

Wenige Jahre vorher hatte Dominik Brunner sein Leben verloren, nachdem er vier Schüler vor zwei radikalen Jugendlichen geschützt hatte. Dieser Vorfall war in Solln, nahe München passiert. Diese wahre Begebenheit ist die Grundlage des Films. Das ganze Ensemble spielt herausragend, inklusive der beiden Täter. Worin die kleinen Schwächen gelegen haben mögen, darüber können Krimi-Freunde rätseln.

 

Platz 3: „Das Glockenbachgeheimnis“ (Batic, 1999)

Und Batic zum Dritten! Dieser Film ist mehr als ein Krimi. Es werden Geschichten und Mysterien rund um das Glockenbachviertel erzählt. Batic und Leitmayr haben, nachdem ein Mord passiert ist, die Aufgabe, tiefer in die Geheimnisse des Viertels einzutauchen. Schließlich wird eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart geschlagen, ein Film, der auch durch wunderbare Bildkompositionen besticht!

 

Platz 2: „Oskar“ (Dellwo, 2002)

Der erste gemeinsame Falle für Dellwo und Sänger ist furchtbar. Ein totes Baby wird in einer Müllsortieranlage gefunden. Den Täter aufzuspüren wird eine sehr knifflige Angelegenheit. Doch dieser Film ist mehr Drama denn Krimi. Es ist unendlich traurig, welche Erkenntnisse gezogen werden. Dadurch, dass sich Dellwo und Sänger kennen lernen, gibt es für den Zuschauer immer wieder Atempausen, was die furchtbare Komponente der Geschichte betrifft.

 

Platz 1: „Eine unscheinbare Frau“ (Lürsen, 2001)

Für mich seit Jahren unantastbar mein Lieblings-„Tatort“! Der Fall zeigt eine Frau, die scheinbar „unscheinbar“ ist. Doch als sie sexuell bedrängt wird, sich wehrt und den Täter tötet, beginnt sich eine Geschichte zu entwickeln, die auf einen einmaligen showdown hinausläuft. Wie es möglich sein kann, dass aus Opfern Täter werden, wird in diesem Fall eindrucksvoll dargestellt. Hervorzuheben ist Bettina Kupfer, die die Hauptrolle verkörpert. Lürsen und Stedefreund „bekriegen“ sich ein wenig, das ändert aber nichts an dem Sog, den dieser Krimi erzeugt. Hammer!

 

So, das ist also meine „Top 10“. Es sind keine Filme aus den 1970´er und 1980´er Jahren enthalten. Das bedeutet nicht, dass es da nicht großartige „Tatort“e gegeben hätte. Ich denke da allein schon an Stoever, Kressin, Finke und Haferkamp! Doch meine „Top 10“ ist wie für jeden anderen, der eine Rangliste erstellt, sehr subjektiv. Vielleicht gibt es ja den Einen oder Anderen, der auf diese Liste stösst und sich damit sogar anfreunden kann. Es ist zu hoffen, dass sich der „Tatort“ erholt, und nicht irgendwann sang- und klanglos verschwindet, weil es nichts mehr zu sagen gibt, und nur mehr Einheitsbrei geboten wird. Noch gibt es hie und da Ausnahmen, doch diese werden immer seltener...