Blue Jeans - der Phettberg-Comic

Seit 8. November 2008 gestioniert Hermes Phettberg via Twitter und darüber hinaus. Dies kann auch auf seiner Website www.phettberg.at nachgelesen werden. Der Mitte der 1990´er Jahre mit seiner „Nette Leit Show“ wie ein Komet im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgetauchte seiner eigenen Beschreibung nach Elende eroberte die Herzen der Menschen im Sturm. Er war von der ersten Sekunde an authentisch und dies machte die Sendung zu der vielleicht innovativsten Produktion dieser Zeit. Nach insgesamt nur 24 Ausgaben der Show, von denen 19 im ORF gezeigt wurden, endete das gelungene Experiment einer Selbstbespiegelung vor Fernseh-Publikum inklusive der zahlenden Gäste vor Ort.

 

Sieben Jahre später folgte noch der „Beichtphatter Phettberg“, auch diese vom Privatsender ATV gezeigte Show endete nach zwei Jahren. Zwischendurch aber lief Hermes Phettberg in der „Arche Phettberg“ zu Höchstform auf. Anfang 2001 hatte ich die Freude, bei einem Talk dieser nur im Internet ausgestrahlten 168-stündigen Live-Performance mit Hermes und weiteren Gäste eine gute Stunde oder mehr zu diskutieren. Es ging auch um sehr ernste Themen. So war etwa die Gründerin der Stiftung Kindertraum dabei.

 

Ich weiß noch, dass es wohl 2007 eine Retrospektive Phettberg im Metro-Kino gab, und der ursprünglich angekündigte Hauptprotagonist nicht kommen konnte, weil er einen Schlaganfall zu verarbeiten hatte. Nunmehr ist es ruhig um ihn geworden. Von mehreren Schlaganfällen und einem Herzinfarkt gehandikapt lebt er in seiner Wohnung in Gumpendorf und ist auf Unterstützung angewiesen, um sein Leben meistern zu können. Doch seinen Humor und sein Interesse an jungen Männern in Blue Jeans hat er nicht verloren. Hier kommt Walter Fröhlich ins Spiel, ein Comic-Zeichner, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Hermes Phettberg zusammen zu arbeiten. Walter Fröhlich konzentriert sich hierbei weitgehend auf jenen Zeitraum, als der von Sobo Swobodnik  verantwortete Dokumentarfilm Der Papst ist kein Jeansboy im Spittelberg Kino im heißen Sommer des Jahres 2013 über mehrere Wochen gezeigt wurde. Hermes Phettberg wird durch diesen Film auf sehr dezente Weise portraitiert.

 

Auch der Comic zeichnet sich dadurch aus, dass sich der Zeichner zurück nimmt und die Hauptfigur Hermes Phettberg auf liebevolle Weise in den Fokus setzt. Die Gestionsprotokolle von Hermes Phettberg sind mitsamt der berühmten bleibenden Tippfehler wieder gegeben. Dadurch entfaltet der Comic eine Geschichte, die über den erwähnten Zeitraum hinausgeht. Der Betrachter erhält Einblick in das Leben von Hermes Phettberg, seine Gedanken, Träume, Hoffnungen und Zweifel. Und der Mann ist dankbar, dankbar für jede Unterstützung und Hilfeleistung, dankbar für jedes wohlmeinende Wort. Er ist auch nicht entsetzt oder wütend, als er in einer hilflosen Situation stundenlang um Hilfe ersucht. Phettbergs größter Wunsch ist es, dass sich einer seiner erbarmt. Ein Wunsch, der sich bislang nicht erfüllt hat. Aber er ist nunmehr buchstäblich so etwas wie ein Anti-Held geworden, sowohl im Comic als auch im Leben.

 

Walter Fröhlich hat den Comic keinem Verlag angeboten, sondern mittels Crowdfunding die nötigen finanziellen Mittel erzielen können. Somit gibt es nur eine bestimmte Anzahl an Büchern, die erworben werden konnten. Möglicherweise gibt es noch die Möglichkeit, das Eine oder Andere Exemplar zu ergattern. Tatsache ist allemal, dass es sich um eine kleine, aber sehr feine Auflage handelt, und die Betrachter ihr Exemplar als Besonderheit einstufen können. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.