Zum Tod von Henning Mankell 

Soeben habe ich davon erfahren, dass Henning Mankell gestorben ist. Dies macht mich sehr betroffen. Er war und ist einer meiner Lieblingsautoren. Das ist in meinem Falle durchaus überraschend, weil ich um Bestseller-Autoren für gewöhnlich einen großen Bogen mache. Es ist nur wenige Tage her, dass ich sein letztes Buch „Treibsand“ gelesen und rezensiert habe. Darin erzählt Mankell einige Details aus seinem Leben, die ihn als Mensch unter Menschen kennzeichnen. Er hat in seinem Leben – wie wohl wir alle – schwerwiegende Fehler begangen. Und er musste einmal einen dermaßen grauenhaften Unfall mitansehen, dass ihn diese Erfahrung tief geprägt hat.

 

Henning Mankell war ein Autor, der polarisiert hat. Er vertrat auch unpopuläre Meinungen, und es ist keineswegs so, dass ich ihn als „Bruder im Geiste“ bezeichnen könnte. Dennoch haben mich nicht nur seine (Kriminal)romane, sondern ebenso er selbst interessiert. Wer ist der Mensch hinter diesen literarischen Auswüchsen? Das habe ich mich oft gefragt. Ich will an dieser Stelle keine Spekulationen anstellen oder ihn über Gebühr loben. Tatsache ist, dass seine Figur Wallander für mich nach wie vor präsent ist, ungeachtet der guten bis mittelmäßigen Verfilmungen der Romane.

 

Meine Reise mit Henning Mankell war ziemlich lang. Sie begann Mitte der 1990´er Jahre mit „Mittsommermord“. Zum Glück hat mich dieser Roman begeistert, und so konnte ich gar nicht anders als sämtliche Wallander-Krimis und einige weitere Romane dieses Autors lesen. „Der Chronist der Winde“, die einfühlsame Geschichte eines Straßenkindes, ist  für mich sein stärkstes Werk. Mankell war ein Mensch, der ständig in Versuchung war, sich literarisch auszudrücken. Er hat in letzter Zeit an einem Roman geschrieben, den er vielleicht sogar beenden konnte. Ein glühender Autor lässt sich auch von einer schweren Krebs-Erkrankung nicht bremsen.

 

Henning Mankell hat einen wichtigen Stellenwert in meinem Leben als Leser. Er bescherte mir viele, viele spannende, interessante, nachdenklich machende Lesestunden. Nicht alles, was er schrieb, hat mich in Begeisterungsstürme versetzt. Aber er hat etwas geschafft, was auf nur wenige Autor/innen, mit denen ich konfrontiert worden bin, gelungen ist: Ich war neugierig auf weitere Bücher. Damit gehört er einem illustren Kreis an, den er nie verlassen wird.

 

Er ruhe in Frieden.