Das literarische Quartett, die Wiederkehr? 

Gestern war es soweit, die mit Spannung erwartete Rückkehr des literarischen Quartetts flimmerte über den Bildschirm. Gastgeber Volker Weidermann stellte sein Stammteam Maxim Biller und Christine Westermann vor. Zudem gesellte sich die Autorin Juli Zeh hinzu. Besprochen wurden wie gehabt vier Bücher. Nur eines davon bekam weitgehend positive Kritik, jenes eines gewissen Knausgard, der in erster Linie sich selbst autobiographisch inszeniert.

 

Wie ist diese Neuauflage eines Kult-Formats einzustufen? Das Stammteam könnte unterschiedlicher nicht sein. Volker Weidermann ist versucht, die positiven Seiten der Bücher hervorzukehren. Das können manchmal auch nur zwei oder drei Seiten sein. Max Biller wiederum ist schonungslos in seiner Kritik, er spricht etwa Trojanow den Status des Autors ab, wobei nicht bekannt ist, ob er vor Macht und Ruhm irgendein anderes Werk von Trojanow gelesen hat. Christine Westermann ist so etwas wie der ruhende Pol, sie ist zu sehr damit beschäftigt, sprachliche Unsicherheiten (vielleicht der Übersetzung geschuldet?) hervorzukehren. Die beiden Männer geben ihr ansonsten zu wenig Gelegenheit, das Eine oder Andere zur Verteidigung eines Buches anzubringen. Nun, und Juli Zeh als Gast stellt das Buch von Trojanow vor und ist auch die Einzige, die diesem Werk etwas Positives abgewinnen kann. Weidermann verteidigt Trojanow immerhin Maxim Biller gegenüber, eine literarische Niete sei er keineswegs, sondern ein ausgezeichneter Autor, der halt mal etwas Schwächeres geschrieben habe.

 

Das Problem dieser Sendung ist schnell belegt. 45 Minuten sind viel zu kurz, um vier Bücher halbwegs adäquat zu besprechen und sich darüber auszutauschen. Die Zeit verging wie im Fluge, im Grunde ein gutes Zeichen! Doch Bücher sollten nicht im Schnelldurchlauf abgehandelt werden. Die Beschleunigung der heutigen Zeit schlägt sich also auch in der Neuauflage des literarischen Quartetts nieder, was ich sehr schade finde. Dadurch wird es verunmöglicht, das Lesen von Büchern als Kontrapunkt zur immer schneller werdenden Welt in den Fokus zu nehmen. Weidermann, Biller und Westermann machen ihre Sache keineswegs schlecht, allerdings sind sie dazu gezwungen, in aller gebotenen Kürze Stellungnahmen abzugeben und etwaige Streitgespräche zu führen. Natürlich werde ich dran bleiben, und auch die nächste Sendung verfolgen. Die Premiere geriet den Umständen entsprechend gut. Mehr Sendezeit sollte allerdings obligatorisch sein!