Schattenspringer 2 

Wer das Debut von Daniela Schreiter betrachtet und gelesen hat, der kommt

gar nicht umhin, auch den zweiten Teil auf die Bücher-Liste zu setzen. Und dieser Comic hat es in sich!

 

Der Wunsch nach Zweisamkeit ist ein wesentlicher Aspekt in der autobiographischen Aufarbeitung von Daniela Schreiter. Das Allein-Sein zu durchbrechen erwies sich nach einigen Versuchen als durchaus angenehm. Die erste tiefer gehende Beziehung funktionierte im gemeinsamen Haushalt durchaus gut, bis beiden Beteiligten klar wurde, dass die Liebe nicht mehr im Spiel war. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass sowohl Daniela als auch ihr Partner Autisten sind.

 

Und da sind wir auch schon beim zweiten gewichtigen Punkt: Die Entdeckung des Autismus. Für mich als Leser zweifellos der spannendste und interessanteste Faktor, den Daniela Schreiter offenbart. Sie fühlte sich über viele, viele Jahre ihres Lebens anders, konnte dieses Anders-Sein jedoch nicht erklären. Bezeichnenderweise stellte keiner der Ärzte die Diagnose Autismus, sondern sie recherchierte selbst im Internet und vermutete, dass sie Autistin, konkret Asperger-Autistin, sein könnte. Diese Vermutung wurde dann von fachmännischer Seite bestätigt. Für Daniela Schreiter war die Diagnose eine Befreiung. Sie wusste endlich, wieso sie anders war, und dass sie damit nicht allein ist. Dennoch dauerte es eine Weile, bis sie dies so weit in ihre Persönlichkeit integrierte, und sich als Autistin voll und ganz akzeptierte. Seitdem hat ihr Leben eine Steilkurve nach oben beschritten. Es geht ihr gut, und das kommt auch beim zweiten Band ihrer Autobiographie heraus.

 

Die tragikomischen Seiten ihrer Persönlichkeit werden wie schon im ersten Teil offenbar. Doch die reifer werdende Jugendliche und junge Frau gerät mehr in den Fokus. So setzt sie sich mit ihrem sexuellen Erwachen und der Liebe auseinander. Und wir Leser und Liebhaber von Comics können auf einen dritten Band gespannt sein, schließlich ist noch lange nicht alles gesagt, wie die Autorin und Zeichnerin selbst zugibt. Also, möge es diesen dritten Band geben und uns dadurch die Künstlerin noch ein wenig vertrauter werden.

 

Daniela Schreiter leistet mit ihren Comics einen wertvollen Beitrag, um die Welt von Autisten greifbarer zu machen, und etwaige Vorurteile ad absurdum zu führen. Sie hatte immer große Probleme damit, so zu tun, als wäre sie „normal“. Nun kann sie sein, wie sie ist. Und was ist schon „normal“, sind wir nicht alle auf die ein oder andere Weise „ver-rückt“?