Nachlese zur Premiere von "Zentralfriedhof, der Film" 

Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen. Das Kino war gerappelt voll, und es wurden sogar gut 20 zusätzliche Sessel aufgestellt, damit noch mehr Gäste Platz nehmen konnten. Bei allen fünf gezeigten Kurzfilmen handelte es sich um Premieren-Aufführungen. Bevor die Filme am Stück gezeigt wurden, begaben sich Regisseure, Produzenten und Schauspieler/innen auf die Bühne und wurden kurz vorgestellt. Das Rampenlicht schien das Publikum auszublenden. Eine ganz eigene Atmosphäre, auf einer Bühne zu stehen.

 

Nach dem ersten, eher kryptischen Film, gelangte auch schon der Film zur Aufführung, den Peter Bosch und ich Anfang 2012 fertig gestellt hatten. Auf der großen Leinwand übte er noch mehr Faszination aus als auf einen Fernsehbildschirm beschränkt. Zudem ist die Bildqualität erstaunlich. Der Zentralfriedhof zeigt sich in seinen schönsten Farben. Während der Aufführung war es fast mucksmäuschenstill im Kino. Nur als der besondere Gast, der Hamster, im Abspann seine verdiente Würdigung erfuhr, wurde ein wenig gelacht. Der Applaus war ob der Thematik, die gegen Ende hin sehr dramatisch ist, verhalten.

 

Die Filme drei und vier an diesem Kurzfilmabend dauerten insgesamt nur knapp 15 Minuten. Zunächst ein Film in englischer Sprache, der sich mit der Entwicklung des Menschen zu einem selbstreflexiven Wesen auseinander setzt. Und dann eine Doku über einen Schmied, dessen Lebensweisheiten ich nur bedingt teilen kann. Imposant allemal die Bilder, welche ihn bei der Arbeit zeigen.

 

Ein sehr schöner Schlusspunkt ist ein Film über einen jungen Wissenschafter, der ein Stipendium dazu nutzt, zurückgezogen über die Unendlichkeit zu sinnieren und dies schriftlich festzuhalten. Hier gibt es einen Schnittpunkt mit meinem Film: Die Entschleunigung! Der Mensch sollte nicht Sklave der überhöhten Geschwindigkeit sein, die ihn von allen Seiten zu betören sucht. Langsamer werden, sich Zeit nehmen, die Dinge in Ruhe betrachten, an scheinbaren Kleinigkeiten Freude finden. Im Falle des jungen Wissenschafters gerät seine Welt völlig aus den Fugen, und er will mit der „modernen“ Welt gar nichts mehr zu tun haben. Der Zentralfriedhof wiederum wird als Ort gezeigt, an dem die Zeit still steht. Dort kann verweilt werden, ohne auf die Uhr zu schauen. Vielleicht kann der Eine oder die Andere Zuschauer/in der mathematischen Hintergründigkeit des Films auf die Spur kommen.

 

Alles in allem ein wunderbarer Filmabend in beeindruckender Kulisse. Hernach klangen die Premieren ohne großes Brimborium ab. Was zurück bleibt sind besondere Momente, die nachhaltig bleiben werden. Und der Gedanke daran, dass ein weiterer Film unbedingt fertig gestellt werden muss. Ein Film, der für Furore sorgen mag.