Obendrüber da schneit es 

Ich habe in der Weihnachtszeit seit vielen Jahren das Ritual, Bücher mit weihnachtlichem Inhalt zu lesen. Diesmal war Obendrüber da schneit es dran. Nachdem ich die Verfilmung zwei Mal mit Vergnügen gesehen hatte, ließ sich die Neugier auf das Buch nicht mehr aufhalten. Der Film ist großartig. Das liegt freilich auch am fantastischen Schauspieler-Ensemble. Allen voran Wotan Wilke Möhring, Diana Amft, Gisela Schneeberger, August Zirner und Bibiane Zeller. Die Geschichte rund um Mieter eines Hauses, die durch einen Unfall, der sich mitten vor dem Haus abspielt, den Weihnachtsabend zusammen verbringen, rührt ans Herz.

 

Nun also das Buch, geschrieben von Astrid Ruppert. Tja, es liegt der seltene Fall vor, dass ich die Verfilmung deutlich höher einstufe als das Buch. Normalerweise ist dies umgekehrt. Woran liegt´s? Wahrscheinlich daran, dass die Hauptfiguren etwas anders angeordnet sind. Der Pastor verunfallt zwar auch in der literarischen Vorlage, doch er wirkt eher wie ein Nebendarsteller. Das Buch erzählt jeweils aus der Sicht der Protagonisten. Auch die alte Dame, im Film hervorragend von Bibiane Zeller verkörpert, bekommt zu wenig Raum zugestanden. Ich will dem Buch aber nicht Unrecht tun! Nicht jeder Bestseller muss von vornherein eine schlechte literarische Qualität aufweisen. Astrid Ruppert kann gut schreiben und sie verbindet die Schicksale der Mieter sehr geschickt. Der berühmte Funke springt aber nur manchmal über. Insbesondere bei jenen Szenen, wo es um den Tod und die Sehnsucht danach geht. Oder auch Vater und Tochter am Grab von Frau und Mutter sich in ihrer Trauer endlich wieder einander nähern. Ansonsten hat der Roman einige Längen, weil allzu viel hineingepackt werden sollte.

 

Einer der Höhepunkte des Films ist, wenn die alleinerziehende Mutter eines Töchterchens (Diana Amft) in der Kirche den Song „Fix you“ von Coldplay interpretiert. Dies lässt den Tränen freien Lauf, die Dame erfüllt dem Pastor damit einen Wunsch, den er selbst nicht auszusprechen wagte. Ja, die Menschen können einander an Weihnachten in ganz neuer Pracht begegnen. Wer bereit ist, sich an sich selbst anzunähern, der wird auch die Herzen von Menschen erwärmen, die sonst möglicherweise vor ihrem eigenen Spiegelbild Angst haben.

 

„Fix you“ gehört seit Erstausstrahlung des Films zu meinen Lieblingssongs. Damit hat Weihnachten schon mal eine wunderbare Begleitmelodie.



 https://www.youtube.com/watch?v=k4V3Mo61fJM