Bücher als Wertanlage

Gemeinhin werden Bücher als Handelsware bezeichnet. Wie jede andere Ware auch haben sie ihren Preis und es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Für Menschen, die eine enge Beziehung zu Büchern pflegen ist die Herabstufung des Buches zur Handelsware oder überhaupt zum „Konsumgut“ nur schwer nachzuvollziehen. Ich zähle auch zu diesen Menschen, doch der zivilisierte Mensch wird schon früh zum Konsumenten erzogen, und so gilt es auch, sich Bücher einzuverleiben. Der Preis eines Buches erscheint oft willkürlich oder merkwürdig. So manches kostet keine fünf Euro und erfüllt hohe qualitative Ansprüche, für manches andere muss der Käufer 30 Euro hinlegen, und ist dann von literarischer Anspruchslosigkeit entsetzt.

 

Preise für Bücher müssen festgesetzt werden. Das beginnt bei einem Cent und endet in astronomischen Höhen. Aber nein, in manchen Fällen werden Bücher verschenkt, die jedoch auch mal einen Preis hatten oder immer noch haben. Wie auch immer: Wenn einen Schritt weiter gegangen wird, können Bibliotheken als Wertanlage gesehen werden. Unter 500 oder 20.000 Büchern werden schon welche dabei sein, die einen guten Preis erzielen. Doch welcher Bücherfreund trennt sich gerne von Büchern? Gerade jene, die ihm am meisten wert sind, wird er – zu welchem Preis auch immer – nicht abgeben wollen. Subjektiv als wertlos empfundene Bücher wiederum taugen höchstens als Geschenke für Menschen, die nur bedingt als Freunde zu bezeichnen sind. Oder sie werden wo auch immer verschachert.

 

Bücher als Wertanlage sind also ein zweischneidiges Schwert für Bücherfreunde. Nur wer Bücher ausschließlich als Ware betrachtet, kann damit Geschäfte machen. In Zeiten, wo Großverlage eine Unmenge literarisch ungenügende „Ware“ produziert, verkommen – leider - Bücher immer mehr zu Dutzendware. Umso erfreulicher ist es, wenn es noch Verlage gibt, die diesem Trend nicht folgen und Büchern die Bedeutung zurückgeben, welche diese in Zeiten von überbordendem Konsumismus weitgehend verloren haben. Doch nochmals zurück zum Preis: Wie kann es sein, dass großartige Bücher einerseits teilweise nahezu verschenkt werden, und andererseits Preise erzielen, dass dem potenziellen Leser Hören und Sehen (und Lesen) vergehen? Das hängt wohl mit dem Durchschnittszyklus eines Buches zu tun. Gerade erst am Markt etabliert es sich oder nicht, erzielt dann gute oder schlechte Verkäufe, um früher oder später den „Markt gesättigt zu haben“. Und wenn dann ein ehemals gut verkauftes Buch für einen Cent verramscht wird, kann es damit zu tun haben, dass es keinen „Wert“ mehr besitzt, weil es ohnehin zu viele Exemplare davon gibt. Erweist sich ein Buch als antiquarische Seltenheit kann es hohe Preise erzielen, selbst wenn es ehemals möglicherweise gar nicht so hohe Verkaufszahlen erzielen konnte. Irgendwie verrückt, aber so ist es nun mal.

 

Für mich sind Bücher eine Wertanlage. Jedoch nicht in dem Sinne, dass ich auf sie zurückgreifen kann, wenn es gilt, mir einen Traum zu erfüllen, der viel Geldeinsatz erfordert, sondern dahingehend, dass sie mich als Mensch mehr oder weniger geprägt haben. Bücher können den Menschen nicht verändern, aber prägen, davon bin ich überzeugt. Und die Sichtweise auf die Welt kann im besten Fall weitläufiger werden, da spielt es keine Rolle, ob diese Bücher gar nichts, einen Cent oder 199 Euro gekostet haben.