Roger Willemsen und "Wetten...dass?"

Vor langer, langer Zeit kam ich mal mit Roger Willemsen ins Gespräch. Er stellte eines seiner erstaunlichen Werke vor, ohne auch nur einen Satz vorzulesen. Nach Willemsens Erzählungen gab es die Möglichkeit, zu speisen und zu trinken. Ich nahm die Möglichkeit beim Schopf, und sprach den Autor an. Das Gespräch dauerte nicht länger als vielleicht fünf oder sieben Minuten, weil schnell andere begeisterte Leser Schlange standen, einige nur, um ein Autogramm zu erbeten. Angesichts von „Willemsens Woche“, einem Talk-Format, das ich einst mit Vergnügen gesehen hatte und sich in jeder Nuance von üblichen Talk-Formaten unterschied, befragte ich Roger Willemsen nach seinem Eindruck „Wetten…dass?“ betreffend. Er attestierte Thomas Gottschalk sehr gute Qualitäten als Moderator, befand aber auch, dass dessen Show im Laufe der Jahre nicht mehr viel mit der Grundidee zu tun habe. Zu viel Musik, zu viel Entertainment. Die Wetten stünden fast schon im Hintergrund. In früheren Zeiten habe er die Sendung durchaus geschätzt. Diese früheren Zeiten mochten die 1980er, möglicherweise auch noch die 1990´er – Jahre gewesen sein. Denn die schnell vorüber gezogenen Nullerjahre boten auch in punkto „Wetten…dass?“ weitgehend Magerkost.

 

Als Seher der ersten Stunde, der ich dieser Show allein schon aus „sentimentalen Gründen“ die Treue hielt, ergibt sich nunmehr die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. Denn ein mäßiges Sendungskonzept UND ein mäßiger Moderator sind selbst für einen sentimentalen Menschen wie mich zuviel des Schlechten. Irgendwann ist der Ofen aus, und so folge ich also Roger Willemsen mit einigen Jahren Verspätung nach, was die Nichtbeachtung dieser einst großartigen Show betrifft. Schade, aber alles hat seine Zeit, und nach dem Abgang von Thomas Gottschalk ist diese Zeit offensichtlich abgelaufen. Denn ob Gottschalk es sich nochmals antut, und in ein, zwei Jahren wieder auf die große Bühne zurückkehrt, ist zu bezweifeln.

 

Roger Willemsen sehe ich immer wieder gerne. Der Dampfplauderer vermag es, mit ungewöhnlichen Perspektiven jedes ihm abgeverlangtes Interview zu veredeln. Einige Minuten Gespräch mit ihm haben mich davon überzeugt, dass der Eindruck, den er vermittelt, absolut stimmig ist. Er ist authentisch, äußerst empathisch und ein Autor, der immer etwas Neues zu erzählen hat. Drei Aspekte, die ihn sehr sympathisch machen.