John Grisham mal ganz anders

In der Vorweihnachtszeit begebe ich mich gerne auf die Suche nach Büchern, die mit Weihnachten zu tun haben. Es sollen keine dickbäuchigen Wälzer sein, welche Gefahr in sich bergen, bis Weihnachten überhaupt nicht fertig gelesen zu werden. Nein, einfach Bücher, deren Wert darin besteht, Weihnachten vielleicht etwas anders darzustellen. Seit Ende 2008 lese ich durch einen exzellenten Englisch-Trainer dazu motiviert relativ regelmäßig Bücher in englischer Originalfassung. Und was fand ich da in der Buchhandlung meiner Wahl? Es ist leicht zu erraten, wo John Grisham und das Cover des Buches Gegenstand dieses Eintrages sind: Skipping Christmas!

 

John Grisham ist für seine Thriller bekannt, die allesamt verfilmt wurden. Er vermag es meisterlich, Spannung aufzubauen. Doch Skipping Christmas ist eine ganz andere Geschichte. Es sprüht darin nur so von Tragikomik, einzigartigen Geschehnissen, aberwitzigen Charakteren. Der Thrillerautor mutiert zum Weihnachtsmann, weil in den Vereinigten Staaten bekanntlicherweise das Christkind zwar auch in der Krippe liegt, als Geschenkebringer jedoch Santa Claus den Vorzug geben muss. Das spielt aber in der Weihnachtsgeschichte von Grisham keine Rolle. Es geht um den Kaufrausch, um die kommerzielle Ausschlachtung des Weihnachtsfestes. Das Ehepaar Krank beschließt, der alljährlichen Weihnachtshektik zu entgehen, und stattdessen Urlaub in der Karibik zu machen. Das Töchterchen ist nicht im Lande, und warum sollte nicht mal anstatt hektischer Tage eine friedvolle Zeit in sonnigeren Gefilden die Weihnachtszeit versüßen?

 

Was Grisham inszeniert, ist der helle Wahnsinn. Denn die Kranks werden von den Nachbarn terrorisiert, weil sie sich dem ungeschriebenen Gesetz widersetzen. Sie geraten von einer unmöglichen Situation in die nächste, ihr Vorsatz, dem Weihnachtstrubel ein Schnippchen zu schlagen erzielt genau die gegenteilige Wirkung. So turbulent nämlich ging es wohl noch nie in der Vorweihnachtszeit für das Ehepaar zu. Und doch setzen sie sich durch und sind kurz davor, in die Karibik zu entfliehen, als sich dann doch das Töchterchen zum Weihnachtsfest ankündigt und auch noch den Freund mitbringen wird. Damit ist für weitere Turbulenzen gesorgt, denn die Kranks wollen innerhalb weniger Tage das nachholen, was sie in den Wochen davor aus persönlichem Entschluss heraus vermeiden wollten. Geschenke, ein Weihnachtsbaum, köstliche Speisen müssen besorgt werden. Nicht zu vergessen der Festschmuck! Kurzum werden die Kranks diese letzten Tage vor Weihnachten wohl nie vergessen und die Leser auch nicht, denn nie zuvor habe ich eine Weihnachtsgeschichte gelesen, die von Anfang bis Schluss von so feinem Humor und skurrilen Situationen durchsetzt war. Absolut empfehlenswert, und unbedingt die englische Originalfassung lesen, da ist für wunderbare Lesestunden gesorgt!