Aus der schönen, neuen Arbeitswelt

Günter Wallraff hat sich dazu auserkoren gefühlt, wieder undercover Missstände aufzudecken. Was in der Vergangenheit schon traurig genug war, ist heutzutage manchmal unerträglich. Das künstlich aufgeblähte Wirtschaftswachstum fordert eine Unzahl von Opfern. Die wenigen Profiteure des Neoliberalismus maximieren ihren persönlichen Gewinn, während Abermillionen Arbeitnehmer unter oft erbärmlichen Arbeitsbedingungen inklusive Hungerlöhnen ihr Leben fristen.

 

Wenn Wallraff von der schönen, neuen Welt schreibt, meint er im Grunde die Arbeitswelt. Prekäre Jobs sind längst an der Tagesordnung, Menschen quälen sich in Jobs, für die sie teils überqualifiziert sind, andere stecken sich Gelder ein, die ihnen nicht zustehen. Das ist eine Realität, der scheinbar nichts entgegen gesetzt werden kann. Wallraff versucht aber das Unmögliche, und der eine oder andere Erfolg ist ihm im Kleinen immerhin gelungen.

 

An dieser Stelle muss nicht ein einzelnes Unternehmen genannt werden, das seine Mitarbeiter drangsaliert, ausbeutet und austauscht, wenn es „angebracht“ ist. Denn von „schwarzen Schafen“ zu sprechen wäre untertrieben. Die heutige Arbeitsgesellschaft ist weitgehend entmenschlicht, der Mensch wird zu Humankapital, einer Fußnote, einem Funktionsträger, einer austauschbaren „Maschine“ herabgestuft. Die Erfahrungen von Günter Wallraff bezeugen eindrucksvoll, wie es in der schönen, neuen (Arbeits)welt zugeht. Der Wunsch nach einem neuen System wird in vielen Ländern auf der Welt laut. Menschen protestieren, machen ihrem Unmut Luft. Die Ungleichheit nimmt täglich zu, doch das nehmen jene, die auf der Butterseite des Lebens gelandet sind, nicht zur Kenntnis. Eine bloße Systemregulierung, wie sie immer wieder „umgesetzt“ wird, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Das System des Raubtierkapitalismus, die Macht des Finanzkapitals, müsste gestürzt werden, um eine neue Welt zu generieren, eine Welt, auf der Menschen vor Ausbeutung, Hunger und Tod aus Erschöpfung oder Verzweiflung bewahrt werden.

 

Günter Wallraff hat sich in die Niederungen der Arbeitswelten in der „modernen Gesellschaft“ begeben, und einen Bericht hinterlassen, der eine Menge Aufklärungsarbeit leistet. Jetzt müssten nur mal endlich die Entscheidungsträger aufwachen und aufhören, nur sich selbst in den Himmel zu loben und dabei auf den Nächsten zu vergessen, der irgendwo im Dreck liegt. Das wäre ein erster Schritt in Richtung einer tatsächlich schöneren Welt.