Urlaubslektüre

Ach, du meine Güte, was für ein Wort: Urlaubslektüre. Darunter wird üblicherweise leichte, gut verdauliche Literatur verstanden, die so nebenbei im Urlaub verschlungen werden kann. Aber muss es tatsächlich immer leichte Kost sein? Und ist es überhaupt so, dass mit dem Begriff Urlaubslektüre heutzutage automatisch noch leichte Verdaulichkeit assoziiert wird? Ich behaupte mal frech: NEIN! Urlaubslektüre ist Lektüre, die im Urlaub genossen wird. Hierbei spielt es keine Rolle, wie leicht oder schwer die Romane sein mögen, für die sich der Urlauber entscheidet. Es müssen nicht mal Romane, können ebenso Sachbücher über Fliegenfischen oder Reiseführer zum Mond sein. Ich fühle mich dazu berufen, den Begriff Urlaubslektüre aus der Schmuddelecke zu holen. Aus und vorbei mit eindimensionalen Vorstellungen! Oh, ich habe einst im Urlaub „Schuld und Sühne“ gelesen, sogar am Strand. Auch auf dem Weg zum Urlaubsort, also vorzugsweise im Zug, entziehe ich mich nicht der Literatur. Warum sollte ich schließlich bei Zugfahrten nur aus dem Fenster schauen? Also, Mankell lesen oder – wieder mal – Dostojeweski.

 

Jeder soll im Urlaub das lesen, was er lesen will. Wer in der Alltagsschleife gefangen der leichteren Kost zugänglich ist, wird dies kaum in Urlaubszeiten abändern. Eher ist es vorstellbar, dass Menschen mit hohen Ansprüchen im Urlaub ein wenig zurückstecken, und sich mit – sagen wir mal – Jack London begnügen. Nichts gegen Jack London, aber wer könnte behaupten, dass andererseits Hemingway unverständlich geschrieben hat… Wiederum andererseits: Ist Dostojewski unverständlich, und überhaupt: Soll es ein Zeichen von höherrangiger Literatur sein, wenn sie erst decodiert werden muss? Also, jeder Leser soll entscheiden, welcher Lektüre er sich in seinem Urlaub widmen will. In diesem Sinne: Der Urlaub kann beginnen, wann auch immer!

Wobei: Ist nicht das Lesen von welcher Literatur auch immer ohnehin immer Urlaub, und der Leser aufgrund dessen in einer privilegierten Situation? Darüber will ich jetzt nicht großartig nachdenken, denn der nächste Lesestoff und also Urlaubsstoff kommt bestimmt…