Fußball und Literatur, Teil 4

Wo ist die Literatur nur hingelangt? Elitär benimmt sie sich allzu oft, sitzt bequem in der ersten Reihe fußfrei und verfolgt die um ihr Leben ringenden Autorinnen und Autoren. Knebelverträge werden die Welt nicht retten, doch Autorenseelen können sie in Flammen setzen. Die Luft in den höchsten Sphären der Literatur ist ganz schön dünn. Manch einer ist dort schon an Sauerstoffmangel krepiert. Die höchste Liga erfordert den höchsten Einsatz, außer Protektion schaufelt den Weg zum Bestseller-Autor frei. Wie anders ist es da nicht in den scheinbaren Niederungen der Regionalliga der Literatur! Dort wird gekämpft, gekratzt und gebissen. Jedes Wort wird auf die Waagschale gelegt und stundenlange Diskussionen sind nicht auszuschließen. Regionalliga-Autoren schließen die Türen zum Leser nicht ab. Sie wissen nur zu gut, dass es ein hartes Stück Arbeit ist, nicht abzusteigen. Wer irgendwann in der zweiten Liga parkt, kriegt immerhin keinen Sonnenbrand in der Wüste der Einsamkeit. Denn ganz oben, also wer will das schon?

 

In der Regionalliga fühle ich mich wohl. Nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch in der Literatur. Der Weg nach oben kann steinig sein, auch wenn ich im Fall des Falles nichts dagegen habe. Es gibt verdammt viele ausgezeichnete Autorinnen und Autoren, die in der Regionalliga spielen. Möglicherweise wollen die auch gar nicht aufsteigen, weil sie die Relegationsspiele gegen schwache Zweitligisten eh bewusst verlieren. Ich liebe die Regionalliga und bleibe am Ball. Und ich freue mich darüber, selbst Teil der literarischen Regionalliga zu sein.