Zum 40. Todestag von Jochen Rindt

Eines der ersten Bücher, die ich als Kind in meinem Elternhaus entdeckt habe, war jenes mittlerweile legendäre über Jochen Rindt. Ich habe darin wahrscheinlich sogar schon geblättert, ehe ich lesen konnte. Eine Unmenge von Fotos konnte ich staunend betrachten. Später habe ich mich dann genauer mit dem Buch auseinander gesetzt, immer wieder Passagen gelesen, Fotos angeschaut. Ich „kannte“ Jochen Rindt, obzwar ich einige Monate nach seinem Tod geboren worden bin. Der Mythos blieb mir nicht verborgen, und wenn ich die besten Formel 1 – Fahrer der Geschichte benennen soll, schreibe ich mit Fug und Recht:

Ayrton Senna, Fangio, Alain Prost, Niki Lauda und Jochen Rindt.

 

Jochen Rindt gewann gerade mal sechs Rennen in der Formel 1, immerhin 29 in der Formel 2. Die Bezeichnung „James Dean der Formel 1“ hat schon auch was für sich. Immer wieder wurde und wird davon erzählt, dass er wegen seiner Angst vor einem Feuerunfall nie vorschriftsmäßig angeschnallt war, weil er glaubte, im Fall des Falles dadurch schneller aus dem brennenden Wagen entkommen zu können. Genau das war eine Voraussetzung für seinen tödlichen Unfall. Ich habe mich mit keinem anderen Formel 1 Fahrer intensiver auseinander gesetzt. Und da spielt das Buch zweifellos eine entscheidende Rolle. Ich war fasziniert von einem Menschen, der posthum Weltmeister wurde. Jochen mit Lorbeerkranz ist ein Foto, das mich oft beschäftigt hat. Er hat die Lorbeeren geerntet und die Nachwelt hat einen Mythos um ihn gebaut. Was wäre, wenn er nicht so früh gestorben wäre?

 

Vor 40 Jahren verunglückte Jochen Rindt mit seinem Lotus im Training des Großen Preises von Italien in Monza tödlich. Er wollte maximal bis zum Alter von 30 Jahren Rennen fahren, hätte also nach seinem Weltmeistertitel vielleicht noch eine Saison angehängt.

Jochen Rindt als Doppelweltmeister und späterer Unternehmer, langjähriger Co-Kommentator von Heinz Prüller, Veranstalter von spektakulären Events, Autobiographieschreiber, Rennstallbesitzer, Konkurrent von Red Bull, Förderer österreichischer Rennfahrer-Talente, Filmschauspieler, erfolgreich mit eigenen Stunt-Shows, Sponsor, Verweigerer von Schickimicki, Individualist, einer, der sich kein Blatt vor den Mund nimmt.

 

Es gehört in das Reich der Spekulation, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn sich kein Mythos bilden hätte können. Er hätte seinen Weg gemacht, was auch immer dieser Weg mit sich gebracht hätte. Das Buch über ihn ist mir weitaus stärker in Erinnerung als irgendwelche Weltmeistertitel eines anderen „echten Deutschen“. Ich sollte es mal wieder zur Hand nehmen, darin blättern, Passagen lesen, staunen.