Fußball und Literatur, Teil 3

Ich werde keine Nachbetrachtung der Fußballweltmeisterschaft 2010 betreiben. Es war eine sehr gut organisierte, aber von der Qualität der Spiele her gesehen eher enttäuschende Veranstaltung. Mehr ist dazu fast nicht zu sagen. Es ist nur zu hoffen, dass die großen Stadien sinnvoll genutzt werden können, und wenigstens ein kleiner positiver Effekt auf die arme Bevölkerungsschicht sichtbar geworden ist, was wohl jedoch fast ausgeschlossen werden kann. Verdient an der ganzen Sache hat wieder mal nur die FIFA. Einige honorige Herren haben über Gebühr abgecasht, doch das ist eine Geschichte, die in Abgründe führt, von denen hier nicht die Rede sein soll. Ich will mich der Literatur widmen.

 

Und zwar der Literatur und dem Fußball. Ich weiß nicht, ob ich die Chance bekommen werde, mich in einem Testspiel für die Literatennationalmannschaft zu bewähren. Doch mein nächster gewagter Schritt geht in Richtung Augustin Cup, wo ich das Team der Friedhofstribüne unterstützen möchte. Meine gut 20-jährige Kickabstinenz tut der guten Sache keinen Abbruch. Irgendwie verspüre ich schon länger den Antrieb, ein bisserl zu kicken. Verausgaben möchte ich mich dabei keineswegs, aber die Reaktivierung ballesterischer Ansätze lässt mich in Erinnerungen tauchen.

 

An einigen Ereignissen aus frühester Jugend führt kein Weg vorbei, die sind in meinem Gedächtnis felsenfest gespeichert. Ich erzielte das vielleicht schnellste Tor in der Geschichte meiner damaligen Schule, als ich bei einem Hallenfußballturnier nach geschätzten drei Sekunden den Ball im gegnerischen Goal oben links versenkte. Grenzenloser Jubel der Mannschaftskollegen, eh klar. Und niemand verstand, warum ich dann in der zweiten Halbzeit nicht zum Einsatz kam. Das war wohl die „Idee“ des Kapitäns, der mir später oder früher (das weiß ich nicht mehr genau) einen Einsatz in einem Finale versagte, weil ich im Halbfinale beim Stand von 8:2 für die unsrigen nicht mehr den nötigen Kampfgeist aufbrachte. Nun ja, demütigen wollte ich den Gegner nicht. Dafür kam es im Finale zu einer Demütigung der unsrigen, woran ich unbeteiligt war. Das Team kam 0:9 unter die Räder, und ich war Zaungast. Irgendwie gönnte ich dem Gegner den Kantersieg.

 

Mein schönstes Tor erzielte ich bei einem klasseninternen Spielchen auf einem gar nicht so schlecht gepflegten Fußballplätzchen. Ich überspielte mindestens drei Gegenspieler und überhob dann den Goalie nahezu perfekt. Einige Zeit später kam es zum ersten und einzigen Mal dazu, dass ich ungewollt für die „Auslage“ spielte. Ich legte zwei Tore mustergültig auf, war maßgeblich an einem 5:4 Überraschungssieg beteiligt. Das Angebot eines Fußballvereins, mich in deren Reihen aufzunehmen, lehnte ich jedoch ab. Schon damals war ich eher ein Einzelkämpfer. Doch langsam, wie mein plötzliches Engagement für ballesterische Einsätze zeigen mag, erwacht der Teamgeist in mir. Damit wird Literatur und Fußball zumindest kurzfristig zu einer Einheit. Und das taugt mir schon.