Fußball und Literatur

 

Manche Autoren behaupten, sie verstünden sehr viel von Fußball. Einigen nehme ich das sogar ab. Allen voran Javier Marias. Er schrieb ausgezeichnete Fußballstücke unter dem geheimnisvollen Titel „Alle unsere frühen Schlachten“. Er ist seit seiner Kindheit mit Real Madrid verbunden. Den Fußball-Roman guthin hat Nick Hornby verfasst. „Fever pitch“ ist so etwas wie eine Autobiographie des vollblütigen Arsenal-Fans, der auch gerne zu Auswärtsspielen reist.  

 

Wer Fußball nur von der Ferne betrachtet oder meinetwegen im TV und dann glaubt, er habe von Fußball Ahnung, liegt vollkommen falsch. Ohne das regelmäßige Eintauchen in die Atmosphäre eines Fußballplatzes oder Stadions bleibt es bei der anfangs beschriebenen Behauptung. Die Erinnerung an miterlebte großartige Spiele bleibt bis zum Lebensende oder möglicherweise darüber hinaus bewahrt.

 

Das Interesse an Fußball oder das Dasein als Fan ist das Eine, das aktive Spielen das Andere. Vor zwei Jahren wurde in Wien auf dem Sportclubplatz die Literaten-Europameisterschaft ausgetragen. Hierbei holte sich Ungarn verdientermaßen den Titel.

 

2010 und also erst kürzlich holte sich – wie nicht anders zu erwarten – Deutschland im Elfmeterschießen den Titel vor der Türkei. Schon in der Vorgruppe waren Italien und Ungarn nur am Torverhältnis an der deutschen Mannschaft gescheitert und konnten sich demgemäß nicht für das Finale qualifizieren. Die Literaten-Europameisterschaften zeigen eindrucksvoll, dass auch Autoren das Fußballspiel im Blut haben. Den österreichischen Autoren fehlt es ein wenig an Selbstvertrauen, das haben sie mit den Fußballprofis, die für Österreich auflaufen, gemeinsam.

 

Ich habe mir hie und da Gedanken gemacht, zumindest wegen einer möglichen Einberufung in den Kader der Literatennationalmannschaft Österreichs nachzufragen. Grundsätzlich bin ich sicher (trotz fehlendem Training) nicht schlechter als einige im Kader befindliche Spieler, die eher einen Stehkick praktizieren. Mit den besseren Spielern kann ich aber definitiv nicht mithalten. Sollte es jemals ein B-Team geben, wäre ich sofort einsatzbereit.

 

Zudem bin ich absolut dafür, dass auch Autorinnen Nationalteams bilden und größere Meisterschaften austragen.

 

Angesichts der Fußballweltmeisterschaft gebe ich einen gewagten Tipp ab, der mich zumindest als Fußballkenner qualifizieren mag: Auch ich gebe Spanien die besten Chancen. Das Team ist derzeit definitiv besser aufgestellt als Brasilien. Wünschen würde ich mir, dass ein afrikanisches Team sehr weit kommt.

 

Ich bin übrigens auch schon seit meiner Kindheit eng mit dem Fußball verbunden. Buch habe ich noch keines über diesen Themenkomplex geschrieben, aber das kommt sicher noch. Mein Verein ist der Wiener Sportc(k)lub.