Heldensterben

 

Es ist, wie sich selbst lesen. So erging es mir bei der Lektüre dieses Buches. Habe ich in dieser Form zuvor noch nie erlebt. Christine Grän widmet sich jenen Themen, denen ich schon seit Jahren zugewandt bin. Zentralfriedhof, Tod und diverse Ausformungen von Liebe und Fehleinschätzungen. Das ist aber noch nicht alles. Auch vom Stil  her fühle ich mich an mein Schreiben erinnert. Vielleicht ist alles noch eine Spur makabrer, zugespitzter.

 

Wie ist es, einer Art „Spiegelbild“ zu begegnen? Merkwürdig irgendwie. Denn bei jedem Satz dachte ich mir: Das könnte von mir sein. Inklusive einer Grabrednerin, die ehemals in der Porno-Branche agierte. Auch der einzige Schwachpunkt des Romans macht ein Manko aus, dem ich gerne erliege. Der Schluss kommt zu schnell, ohne Vorwarnung daher. Ich hätte gerne mehr gelesen, doch die Helden und Heldinnen sind nun außerhalb der Buchrücken tätig.

 

Eine kuriose Erfahrung, mit dem eigenen Schreiben konfrontiert zu werden. Denn da gibt es keine neuen Welten, in die ich eintauchen muss. Alles ist wohlbekannt, vertraut. Ich fühlte mich wohl und gleichzeitig unwohl. Wohl, weil ich Spuren nachging, die ich wie meine Westentasche kenne. Unwohl, weil ich mit mir selbst ringen musste. Mein Wunschziel als Leser von Romanen ist es, neues Terrain zu betreten. Nun gut, ich wusste freilich vorab, dass ich dieses Terrain schon kenne, und habe mir die Lektüre sozusagen ausgewählt. Dennoch habe ich mir die eine oder andere Überraschung erwartet. Doch daraus wurde nichts.

 

Die kleinen Querschüsse gegen die politischen Verhältnisse in Österreich hätte ich mir erspart. Der Einzug der Politik bringt eine Realität in die Geschichte, von der ich gerne verschont worden wäre. Die Zeitungen sind voll von absurden Geschichten. Der ewige Tanz um den Postenschacher, die lächerlichen Figuren, die Abziehbilder, das Abfeiern längst verlorener Ideale sind nur in Verbindung zu den Protagonisten interessant. Aber meinem eigenen Schreiben gegenüber bin ich ja noch kritischer.

 

Ich habe die Lektüre genossen, bin aber gleichzeitig froh darüber, dass ich wieder bei mir selbst angelangt bin. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schreiben ist nie einfach. Und wenn dann eine Autorin eine ähnliche Zuwendung zu abgründigen Themen vollzieht wie ich entsteht eine eigene Dramatik, der ich nun wieder entzogen bin.