Lektor und Autor

Auf Ö1 gab es eine wunderbare Sendung zu hören, die Lektoren und Autoren zusammen führte. In Kapitel unterteilt entstand ein Sammelsurium an ungewöhnlichen und spannenden Erfahrungsberichten. Es sei Manfred Prem für den Hinweis auf die Sendung gedankt.

 

Zunächst einmal ist das Verhältnis zwischen Autor und Lektor nicht mehr das, was es einmal war. In den 1950´er Jahren sollen noch – mehr oder weniger – die Fetzen geflogen sein. Und es bestand ein oft konstruktives Verhältnis zwischen den beiden Berufsgruppen. Heutzutage gibt es entweder ein schlampiges Lektorat oder der Lektor schreibt den eigentlichen Roman. So ließen sich einige Kapitel zusammenfassen. Tatsächlich gibt es einige Hintergrundberichte zu Romanen, die Rückschlüsse darauf zulassen, wie intensiv die Lektoren eingegriffen haben. So ist es nicht selten nur die Idee, die fasziniert. Die Geschichte wird dann so vehement umgeschrieben, dass die Umsetzung der Idee als halbwegs gelungen angesehen werden kann.

 

Viele Lektoren sind überfordert. Sie bekommen hunderte Manuskripte auf den Tisch geknallt, und mehr als ein bisschen quer lesen ist nicht möglich. Günstige Studienabgänger sind in der Mehrzahl, Lektoren mit Erfahrung nur in jenen Verlagen präsent, die sich ausgezeichnete Lektoren auch leisten können. Und dann gibt es sogar „Freizeitlektoren“, deren Aufgabe es ist, so nebenbei den einen oder anderen Autor zu lektorieren. Es ist durchaus ein Glücksspiel, auf einen guten Lektor zu treffen. Ich hatte dieses Glück – und dies freut mich sehr – schon mehrmals.

 

Ich will keine Namen von Lektoren und Autoren nennen. Eine Ausnahme muss jedoch gestattet sein, weil es am Ende das amüsanteste Kapitel der Sendung war. Der Autor Werner Kofler hat nämlich gesagt, dass er keinen Lektor braucht. Seine Werke sind von vornherein fehlerfrei, da brauche keiner reinpfuschen. Er hat auch schon die Zusammenarbeit mit einem Verlag abgelehnt, wenn der Lektor meinte, die eine oder andere Zeile anders formulieren zu müssen. Diesbezüglich ist der Autor konsequent.

 

Also, ich bin froh, dass es Lektoren gibt. Auf der anderen Seite habe ich mehrere meiner Manuskripte sozusagen selbst „lektoriert“. Hierbei sind mir sehr viele Fehler aufgefallen. Ob ich es je so hinkriegen kann wie Werner Kofler steht in den Sternen.

 

Jetzt ist es doch noch notwendig, einen zweiten Autor zu nennen, weil es nicht nur zum Thema passt, sondern die Fertigkeit von Franz Schuh ähnlich erstaunlich ist wie jene von Werner Kofler. Franz Schuh war ein Weilchen Lektor, insbesondere von Sachbüchern. Und er erzählte, dass er fehlerhafte Texte automatisch richtig liest. Er „überliest“ also sozusagen die Fehler, und da müssen ihm wohl einige Fehler entgangen sein. Vielleicht geht es Werner Kofler beim Lesen seiner Texte ganz ähnlich, und er glaubt nur, fehlerfreie Manuskripte abzuliefern. Man kann ja nie wissen.