Plagiate

 

Immer schon hat es Plagiate gegeben. Ich will auch gar nicht mal auf ein bestimmtes eingehen, das wäre zu langweilig. Interessant ist nur, dass viele Menschen, die Plagiate fabrizieren, dies als selbstverständlich ansehen. Es handelt sich sozusagen um eine Art „Kavaliersdelikt“. Sich bei anderen Autoren, Musikern, Komponisten zu bedienen ist eine Form der Auseinandersetzung. Das Eigene geht in das Fremde über und umgekehrt. Schließlich ist jeder Künstler von anderen Künstlern beeinflusst. Wenn dann ganze Passagen in den eigenen Text einfließen, und ein Verlag nicht erkennt, dass es sich um ein Plagiat handelt, ist die perfekte Hühnersuppe verpackt. Überall in den Supermärkten wird diese Hühnersuppe angeboten. Noch weiß niemand, dass es sich nur um eine Packerlsuppe handelt, die mit zahlreichen Geschmacksverstärkern ausgestattet ist. Ohne diese Geschmacksverstärker wäre die Hühnersuppe überhaupt nicht essbar. Wenn dann das Plagiat erkannt wird, wäre es doch nur logisch, dass die falsche Hühnersuppe aus den Regalen verschwindet, oder?

 

Aber wie oft passiert das? Wie oft wird den Konsumenten eine Fälschung angeboten?

Schon Kierkegaard schrieb über die Tatsache, dass unzählige Plagiate im Umlauf sind. Nicht selten ist es ein Ding der Unmöglichkeit, diesen Fälschungen auf die Schliche zu kommen. Aber wäre es nicht Sache des Plagiators, jene Geschmacksverstärker anzugeben, die er genüsslich seinem Süppchen beimengt? Zwischen einer Inspiration und dem (fast) wortwörtlichen Abschreiben von ganzen Textpassagen ist ein enormer Unterschied. Nun gut, es gibt falsche Markenhosen, falschen Kaviar, warum nicht auch falsche Bücher? Das Problem ist nur, wenn die Plagiatoren mit ihrem dreisten Vorgehen viel Geld machen. Insbesondere ist das gegenüber den Bestohlenen eine Gemeinheit. Ich bin davon überzeugt, dass Plagiate heute überall auf der Welt Absatz finden. Das weltweite Netz stellt für viele Plagiatoren mit Sicherheit einen Selbstbedienungsladen dar. Warum nicht hier und dort grasen, und das Wiedergekäute in „neuem“ Zusammenhang wo auch immer veröffentlichen?

 

Ich finde es wunderbar, von anderen Autorinnen und Autoren inspiriert zu werden. Diese Autorinnen und Autoren ohne Nachfrage zu bestehlen, und deren Texte bzw. Textpassagen für meine auszugeben fiele mir aber nie in hunderttausend Jahren ein. Wenn ich schon der Auffassung wäre, dass das eine oder andere Zitat eines anderen Autors gut in mein eigenes Werk platziert werden könnte, dann wäre es für mich eine Verpflichtung, diesen Autor zu fragen, ob er diese Platzierung erlaubt. Insofern ich aber mehrere Seiten in „mein“ Werk implizieren wollte, so müsste ich diesen Autor als – mindestens – Co-Autor ansehen, und ihn finanziell beteiligen, sollte ich einen Verlag finden, der das Werk veröffentlicht. Schließlich sind Texte anderer Autorinnen und Autoren kein Selbstbedienungsladen, auch wenn sie öffentlich aufliegen.