Jean Ziegler

 

Ein Autor, der Farbe bekennt. Ein Autor, der mehr ist als „nur“ Autor. Ein Autor, der bereit ist, in Dialog mit den Mächtigsten der Welt zu treten, und von seiner Meinung nicht abzurücken. Das ist Jean Ziegler. Erstmals wurde ich auf ihn aufmerksam, als er in „We feed the world“, einem ausgezeichneten Film über die ökonomischen Verkettungen von globalen Dimensionen, auftritt. Er erzählt insbesondere von den fragwürdigen Methoden von Nestle, einem Konzern, der zu einem der gefräßigsten Multis der Welt gehört, und offenbar gerne die Nummer eins sein möchte. Nestle beutet bewusst Menschen aus und scheut auch vor Kindersklaverei nicht zurück.

 

In seinem Vortrag im Audimax prangerte Jean Ziegler an, dass etwa 500 Großkonzerne 52 % des Weltbruttosozialprodukts kontrollieren. Das ist nur einer von zahlreichen Aspekten, die jedem Menschen, der sich etwas näher damit beschäftigt, dazu bringen müsste, mindestens einen persönlichen Boykott diverser Multis zu initiieren. Auf der einen Seite sind die wenigen Gewinner des Neoliberalismus, auf der anderen Seite die vielen Verlierer. Der Neoliberalismus erzeugt Tag für Tag eine Unzahl neuer Opfer, und ein Ende ist nicht abzusehen.

 

Was das Publikum im Audimax zum (positiven) Toben brachte: Jeder Universitätsprofessor müsste sich über nicht angepasste Studenten freuen. Und mehr noch: Das bestehende System des Westens, das gefräßig und für die nächsten Generationen auf aller Welt unverantwortlich ist, kann nur zum Umsturz gebracht werden, wenn endlich zahlreiche Menschen die Anpassung nicht mehr hinnehmen und rebellieren. Das System wird von den Angepassten unterstützt und am Leben erhalten. Jean Ziegler meinte in diesem Zusammenhang auch, dass es die vielleicht wichtigste Aufgabe der Intellektuellen sei, diesbezüglich voranzuschreiten und Aufklärungsarbeit zu betreiben. Er tut dies jedenfalls mit Bravour, wofür ihm nur ein ganz großes Kompliment gemacht werden kann. Die (westliche) Welt braucht viele Menschen wie ihn. Und es ist zu hoffen, dass durch viele Anstöße irgendwann die Mehrheit der Menschen der westlichen Hemisphäre bereit ist, auf die Barrikaden zu gehen, und damit die Regierungen zum Umdenken zu bewegen. Noch ist es nicht zu spät dafür, und selbst die scheinbare Utopie der Ausmerzung des Hungers auf dieser Welt kann durch eine Revolution im Sinne von Jean Ziegler in Erfüllung gehen.

 

Jean Ziegler ist ein Autor, der bereit ist, gegen Windmühlen zu kämpfen, und damit einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Autor der Jetzt-Zeit.