Literatur und Politik

 

Ich bin ein Kandidat für die Grünen  zur Vorwahl anlässlich der Gemeinderatswahlen 2010 in Wien. Verträgt sich das mit meiner Berufung zum Autor? Literatur und Politik, besteht da irgendeine Verbindung?

 

Vaclav Havel ist das vielleicht bekannteste Beispiel für einen Autor, der es sogar in höchste Gefilde eines politischen Amtes gebracht hat. Seine Leistungen als Politiker können mit jenen als Autor nicht verglichen werden. Sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge haben andere Konsequenzen.

 

Nun gut, ich bin ein bisschen abgeschweift. Aus vielen meiner Texte gehen auch politische Ansichten hervor. Wer Gesellschaftskritik übt, wird meist mit den politischen Strukturen nicht zufrieden sein. Freilich ist es heutzutage die Wirtschaft, welche die Politik fest in der Hand hat. Wirtschaft ist zu einem Schlagwort geworden, das das Szenario nicht nur in Österreich beherrscht. Wirtschaft heißt in erster Linie über Menschen bestimmen. Die Wirtschaft lenkt eine Gesellschaft in welche Richtung auch immer. Ist die Wirtschaftslage in Schieflage wie heutzutage, sind die Menschen allerorts davon betroffen. Die meisten negativ und ein paar im Elfenbeinturm positiv.

 

Ich kandidiere nicht, weil die Wirtschaft im Argen liegt, denn die müsste gar nicht im Argen liegen. Ich kandidiere, weil ich das System, das viele Menschen – auch in Österreich – in Armut und Verzweiflung treibt, nicht akzeptieren kann. Das ist automatisch auch eine politische Stellungnahme, ob ich will oder nicht.

 

Ein Buch kann die Welt nicht verändern, aber es kann den Menschen neue Perspektiven anbieten, die es lesen. Eine Aussage eines Politikers kann die Welt nicht verändern, aber sie kann den Menschen neue Perspektiven anbieten, die sie vernehmen. Freilich kann mit Büchern und politischen Aussagen auch manipuliert werden. Dies passiert täglich. Ein Autor kann versuchen, den Mainstream zu bedienen, um sich damit einen vermeintlichen Namen zu machen. Auf einen Politiker kann selbiges zutreffen. Menschen zu erzählen, was sie gerne hören wollen, obwohl sie selbst sich nie getrauen würden, es zu formulieren… Ist das Politik? Ja, das ist Politik. Und es kann auch Literatur sein.

 

Ich kandidiere, weil ich an die andere Seite der Politik ebenso wie an die andere Seite der Literatur glaube. Nämlich an die Seite der Medaille, welche sich der Menschen annimmt, ohne emotional manipulieren zu wollen. Menschen sollen Freude am Leben haben, und echte Freiheit ist keine Freiheit von, sondern eine Freiheit für etwas. Ich nehme mir die Freiheit, für die Grünen zu kandidieren. Und ich bin schon gespannt auf die 63. Landesversammlung der Grünen, wo sich entscheiden wird, ob ich mit meinen Ideen die Vorwählerschaft überzeugen kann.