Dorothee Sölle

 

Ich hatte die Freude, im Jahre 2000 einen Vortrag von Frau Sölle das Thema „Mystik und Widerstand“ betreffend mitzuerleben. Die Theologin und Literaturwissenschafterin war voller Elan, und ihr Eintreten für die Friedensbewegung und zahlreiche ökumenische Organisationen immer beispielhaft. Sie war eine Frau, die Disputationen liebte, und die Bibel entmythologisieren wollte.

 

Die Entwicklung des Feminismus war ihr ein großes Anliegen. Ebenso eine politische Theologie. Aus ihrer Sicht stand Gottes Wirken in der Welt in Abhängigkeit zu den Handlungen der Menschen. Es verhielt sich damals so, dass ich nicht mit allen Punkten einverstanden war, die Dorothee Sölle zum Vortrag brachte. Dennoch war ich weitgehend fasziniert von ihren Ideen und ihrer spirituellen Energie.

 

Nach dem Vortrag habe ich einige Worte mit ihr wechseln dürfen. Ich sprach sie unter anderem auf Eugen Drewermann an, da ich Ähnlichkeiten zwischen ihren und seinen Anschauungen zu erkennen glaubte. Sie war aber eher zurückhaltend, und ich konnte aus ihrer Reaktion entnehmen, dass sie Drewermann nicht als Theologen ansah, mit dessen Wirken und wissenschaftlicher Arbeit sie sich voll und ganz identifizieren mochte. Einige Jahre später hat Drewermann nicht mehr jene Bedeutung, die er einst für mich hatte. Sein plötzlicher „Glaube“ an die Sterblichkeit der Seele ist diametral zu seinen einstigen Büchern zu sehen, wo er sich auch mit der Unsterblichkeit der Seelen von Tieren auseinander setzte.

 

Frau Sölle blieb ein Leben lang ihren Grundprinzipien treu, was nicht heißt, dass es schlecht wäre, wenn dies ein Mensch nicht tut. Es kommt nur darauf an, welche Prinzipien er für sein Leben aufgestellt hat. Dorothee Sölle hat zahlreiche hochinteressante Bücher geschrieben. Jene über Jesus von Nazareth sowie Mystik und Widerstand gehören zu ihren bedeutendsten.

Sie verstarb am 27. April 2003 und wäre heute 80 Jahre alt geworden.