Licht und Schatten

 

Ich glaube, dass ich nie so viele Lesungen des Bachmann-Wettbewerbs (die neue Bezeichnung lasse ich mal außen vor) eines Jahrganges gehört habe wie in den letzten Tagen.

Zudem war ich sehr von Christiane Neudecker angetan, deren Geschichte davon handelt, dass sich ein Mann in seinen eigenen Schatten verwandelt. Diese meisterhafte Komposition, welche als tiefgründig und unterhaltsam beschrieben werden kann, schaffte es zwar in die „Short list“, wurde jedoch mit keinem Preis bedacht.

 

Gedanken sind frei, und so gibt es – neben der Qualität des Textes – einen weiteren Aspekt, der mich erstaunt hat. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich die Idee zu einem Jugendbuch hatte, welches eine ähnliche Thematik ausgestalten sollte. Die ersten zwei oder drei Kapitel waren bereits geschrieben, als mir eine andere Idee ein Schnippchen schlug, und hernach die Geschichte vom Schatten irgendwo in einem Ordner abgelegt ist, und vielleicht bis zum St. Nimmerleins-Tag auf eine Fortsetzung hofft.

 

Am dritten Lesetag folgte dann noch der Auftritt einer jungen Religionslehrerin aus Wien namens Caterina Satanik. Ihr Text versprüht Wiener Charme, dem einige der Juroren nicht widerstehen konnten. Das austriakische an dieser Geschichte kann nur als ungewöhnlich bezeichnet werden. Ausdrücke wie Leiberl oder Häferl sind in Deutschland oder der Schweiz wohl nicht so geläufig. Eine Jurorin sprach sogar von einem „Haferl“. Jetzt konnte ich eruieren, dass Frau Satanik durchaus die Gunst des Publikums hatte, und bei der diesbezüglichen Abstimmung den zweiten Platz belegte, besiegt nur von einem Herrn, der in einem Outfit auftrat, das dazu angetan war, ihm zuzurufen, dass er es gegen ein Fetzenleiberl und kurze Hosen tauschen solle! Aber hätte Herr Krampitz diesen Hinweis umsetzen wollen?

 

Über den Sieger des Bachmann-Preises und die weiteren Preisträger will ich gar nicht mehr groß schreiben. Irgendwie setzten sich letztlich die „Favoriten“ durch, sprich jene Autoren, deren Prosa gut in die Bachmann-Wettbewerb-Historie hineinpasst. Qualitativ fand ich die Texte der beiden Damen besser, aber sie werden sicher auch ihren Weg machen.

 

Bleibt nur noch darauf hinzuweisen, dass ich nächstes Jahr endlich bemüht sein sollte, selbst eine Geschichte zu verfassen, die gut in das Konzept des Wettbewerbs passt, was noch gar nichts heißt. Denn auf einen Wettbewerb hinzuschreiben bringt nichts. Ich werde versuchen, ein Sujet zu finden, das einen Farbkleckser in die Literatur-Landschaft in Klagenfurt setzt, und sicher – sollte ich eingeladen werden - keine einzige Seite eines Textes verspeisen, den ich selbst verfasst habe.