Emmi Rothner und Leo Leike

 

Jetzt, wo ich diesen fantastischen E-Mail-Roman fertig gelesen habe, freue ich mich umso mehr, dass Daniel Glattauer mein Text unter dem Motto „E-Mail-Flirt“ (freilich mit den Protagonisten Emmi Rothner und Leo Leike!) so sehr zugesagt hat, und er mir einen Preis zuerkannte!

 

Tatsächlich ist „Alle sieben Wellen“ eine wunderbare Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“. Das wohl einzige (und winzige) Manko mag sein, dass der Autor den Weg zum Ende hin mehr und mehr beschleunigte, und der Leser schließlich ein wenig verwundert ausrufen mag: War es das schon, oder kommt da noch was, oder wird doch noch ein dritter Roman folgen? ( könnte O-Ton Emmi Rothner sein) – oder aber Habe ich das jetzt richtig verstanden? Ist das Ende so vorgesehen? Und brennt jetzt auf Top 15 oder anderswo weniger Licht, weil Strom gespart wird? (könnte O-Ton Leo Leike sein).

 

Nun ja, eine zweite Fortsetzung hätte durchaus Reiz. Und es muss ja nicht immer die E-Mail-Form sein (möglicherweise aber doch).

 

Ich glaube, diese beiden fiktiven Figuren, die sich ausschließlich per E-Mail in Szene setzen bzw. ein Bild im Anderen ergeben, sind im Laufe der Zeit zu meinen Freunden geworden. Zwei völlig verschiedene Menschen, deren Eigenarten so herrlich schrullig sind, dass ich buchstäblich hingerissen sein muss…

 

Das Eigenartige an E-Mails ist ja, dass die Sender (zumindest sehr viele davon) meinen mögen, aufgrund der Möglichkeit, eine Nachricht an einen Empfänger ohne Zeitverzögerung übersenden zu können, müsse die Antwort sehr schnell ausfallen. Selbstverständlich ist das ein Trugschluss. Kein Empfänger ist dazu gezwungen, innerhalb von zwei oder vier Minuten eine an ihn gerichtete E-Mail zu beantworten, außer es besteht eine besondere Beziehung, wie sie zwischen Emmi und Leo gegeben ist. Da ist es ganz sicher so, dass die neuen Mails des Mail-Partners mit Herzklopfen und Bangen erwartet werden. Daniel Glattauer hat eine Geschichte geschrieben, die Menschen überall auf dem Planeten in ähnlicher Form erleben können. Worte sind nicht immer nur Schall und Rauch, Worte können sehr viel bewegen, und Menschen sogar dazu veranlassen, ihr Leben zu überdenken und in letzter Konsequenz eine radikale Änderung der Lebensgewohnheiten anzustreben.

 

Ich werde „Alle sieben Wellen“ an einen besonderen Platz in meinem Bücherregal stellen. Nicht nur, dass der Roman zu meinen Lieblingsbüchern zählt, ist er gleichzeitig eine wertvolle Erinnerung daran, wie angetan der Autor höchstselbst von dem Text war, den ich in Anlehnung an die E-Mail-Korrespondenz von Emmi und Leo verfasst habe.