Lesung inklusive Zecke

 

 

Ich habe bis vorgestern gedacht, nie im Leben von einer Zecke überfallen zu werden, die sich irgendwo an meinem Körper festbeißt. Doch plötzlich war es soweit. Nach einer Lesung von mir mit anschließendem Konzert eines tollen Musikers landete ich zu früher oder später Stunde daheim, und bemerkte auf meinem rechten Oberschenkel eine Stelle, die ich möglicherweise als von einer Zecke besiedelt einstufte. Am nächsten Tag dann bestätigte meine Freundin, dass es sich um eine Zecke handle, und ich geriet ein wenig in Panik. Aber nur wenige Minuten später war ich den bluttrunkenen kurzzeitigen Bewohner meines Körpers los, und spülte ihn in eine Serviette eingewickelt am Klo in die ewigen Jagdgründe hinunter.

 

Die Zecke muss ich mir auf dem Gelände des Sportclub-Platzes eingefangen haben. Meine Lesung fand auf der Friedhofstribüne statt, und wurde von etwa einem Dutzend Menschen verfolgt. Der Grund, warum ich eine Lesung aus meinem ersten Krimi „Die schüchterne Zeugin“ unbedingt am Sportclub-Platz bewerkstelligen wollte, liegt darin, dass eine Szene auf diesem Areal beheimatet ist. Als langjähriger Fan des WSC und nunmehriger Sympathisant des WSK war es mir ein Anliegen, in diesem Kontext die Geschichte vorzustellen. Die intimere Atmosphäre ermöglichte es mir schließlich, mit nahezu jedem Zuhörer persönlich sprechen, und Gedanken zum Schreiben und zu Literatur austauschen zu können.

 

Der Abend ging schließlich langsam zu Ende und wie beschrieben spitzte sich kurz vor dem Schlafengehen das Drama mit der Zecke zu. Alles in allem ein einmaliges Szenario, wie es sich für einen blutrünstigen Krimi gebührt.

 

 

 

© Agnieszka Sularz