Glattauer-Schreibwettbewerb

 

 

Gestern war ich bei der Lesung von Daniel Glattauer, der auf ungewöhnliche Weise aus  „Alle sieben Wellen“ vortrug. Den Systemmanager und die männliche Rolle – also Leo Leike – sprach er selbst, die Stimme von Emmi übertrug er jedoch per I-Pod. Es war ungewöhnlich, einem Autor beim Bedienen eines I-Pod zuzusehen, und damit alternierend seinem Lesen von E-Mail-Korrespondenz zu lauschen. Ungewöhnlich und gleichermaßen erquicklich.

 

Die Lesung hatte geschätzte 150 Frauen und 10 Männer auf den Plan gerufen. Rund um mich herum saßen, standen und lungerten Frauen jeden Alters und ein Mann mit Hinterhauptglatze ergänzte mein Sichtfeld. Die Zeit verging wie im Flug, und als kleinen Bonus bekannte sich Daniel Glattauer dazu, eine Vorliebe für seine Kolumnen zu haben, und dies brachte den Saal für geschätzte 17 Minuten zum Kochen.

 

Er beantwortete die Fragen der Interviewerin mit Bravour, und erzählte auch ein wenig von seinem Dasein als Autor, und was es überhaupt bedeute, Autor zu sein. Kein Mensch könne von sich einfach sagen: „So, und jetzt bin ich Autor!“ Vom Dasein als Autor mögen nur die wenigsten ihren Lebensunterhalt bestreiten. Also sei der Autor gezwungen, auch etwas Anderes zu machen. In seinem Fall sei erst der Journalismus und dann das Autorenhandwerk gewesen. Und nunmehr habe er dank des überraschenden Erfolges von „Gut gegen Nordwind“ die Möglichkeit, ein Autoren-Dasein auszuprobieren. Eine Rückkehr in den Journalismus ist natürlich nie ausgeschlossen…

 

Der Grund, warum ich überhaupt auf diese Lesung aufmerksam wurde, ist die Zuerkennung des zweiten Preises des Glattauer-Schreibwettbewerbes an mich. Gestern wurde ich per

E-Mail davon verständigt, dass ich den zweiten Preis gewonnen habe. Und als ich dann die Webseite des Autors Daniel Glattauer besuchte, wurde ich darauf aufmerksam, dass er zufälligerweise am selben Tag eine Lesung in Wien hatte, an dem ich eben über den zweiten Preis des Glattauer-Wettbewerbes informiert worden war.

 

Das Besondere an diesem Wettbewerb war, dass Daniel Glattauer die eingelangten Texte selbst gelesen hat. Die Aufgabe bestand darin, einen kleinen E-Mail-Dialog zwischen Leo Leike und Emmi in Hinblick auf die E-Mail-Flirt-Dynamik zu verfassen. Und nun also hatte Herr Glattauer offenbar Gefallen an meinem Dialog gefunden, und ich darf mich darauf freuen, bald den Preis in Empfang nehmen zu können. Der erste Preis wäre übrigens eine Reise nach Wien inklusive Besuch einer Lesung des Autors Daniel Glattauer gewesen. Ich gab schon vorab bekannt, auf diesen ersten Preis – im Fall des Falles – verzichten zu wollen.

Somit könnte es sogar sein, dass meine Geschichte durchaus auch Potenzial für einen ersten Preis gehabt hätte, doch insgeheim habe ich in diesen ersten Preis gestern anlässlich der Lesung hineingeschnuppert. Und wie oft kommt es schließlich vor, dass ein Autor gleich zwei Preise eines Schreibwettbewerbs abstauben mag?

 

Es wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben, ob ich für den ersten Preis vorgesehen hätte sein können. Vielleicht habe ich ja einer Nicht-Wienerin oder einem Nicht-Wiener zu einer netten Reise in meine Heimatstadt verholfen. Dann kämen zu meinen „zwei“ Preisen noch ein weiterer hinzu, den ich indirekt „gespendet“ habe. Ich philosophiere nur mal so vor mich hin wie Leo Leike und Emmi. Die beiden haben mir herrliche Lesestunden beschert, und ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die ich nicht nur lesen, sondern auch hören werde. Natürlich sind es nicht die beiden, sondern ihr Schöpfer, Herr Glattauer. Und wie sagte er so schön: Er habe es genossen, Emmi zu schreiben, und sei erst mit einem Glas Rotwein für Leo Leike warm geworden, oder so ähnlich.

 

Es ist schon etwas Besonderes, wenn ein Autor von einem anderen Autor prämiert wird. Diesen zweiten Preis werde ich so schnell nicht vergessen, wenn überhaupt.