Die Weihnachtsgeister

      des Herrn Lau

 


 Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.                                         

Der Lit.Limbus ist ja schön und gut. Aber nicht jeder will bei Konzeptserien mitschreiben. Auch nicht die Verlegerin, die sich damit einen Haufen Arbeit macht. Wo bleibt da der freie Geist? Die Inspiration? Die Muse? Sie soll küssen! Und das tat sie im Verborgenen bei Jürgen Heimlich. Ja ja, schon gut. Ich weiß, ich bin sonst bissiger. Aber wo es nix zu beanstanden gibt, kann man auch nicht zuschnappen. Obwohl natürlich die Frage zu beantworten wäre, ob die Welt eine weitere Adaption der Dickens'schen Weihnachtsgeschichte braucht? - Jawoll!

Immerhin rollt in knapp zwei Monaten wieder das Fest der Feste ab, damit einhergehend der Konsum, die Gier, der Hass, die Einsamkeit und der vielfache Freitod. Also her mit der düsteren, geisterhaften, bedrohlichen Adaption der ach so fröhlichen Zeit. Unterschlagung, Kaltherzigkeit, Eitelkeit, Anankasmus, Wollust. Man kann Gerhard Lau alles davon anlasten und die Liste beliebig fortsetzen. Er ist ein so richtig mieser Typ, der seine Spuren auf seinen Mitarbeitern und seiner Ex-Frau hinterlässt und in seiner Familie ausgespielt hat. Die Welt ohne Geld – für Lau ein Gräuel. Deshalb hat er auch keine Gewissensbisse bei seinen täglich zahlreichen Fehltritten. Aber wie bei Dickens wartet die Strafe hinter der nächsten Hausecke. Und die Geschichte nimmt auch nicht das bekannte Ende. Lau war kein guter Mensch, also hat er auch kein entsprechendes Ende verdient.

Hat sich da jemand abreagiert? Oder wollte es der Autor so richtig krachen lassen? - Gegenfrage: Warum nicht? Heftroman heißt: ein bisschen anrüchig, ein bisschen trashig, ein bisschen neben der Norm. Schöngeistige Gedankenflüge kann man sich bei Schopenhauer & Co. holen. Hier geht es um Katharsis, Läuterung, psychologische Abreaktion. Lau scheint mir ein bisschen verrückt zu sein, aber nicht ganz so abstrus wie mancher Zeitgenosse. Ein Spiegel. Eine Kunstfigur, die all das in sich vereint, was uns so sauer aufstößt, um dann gerichtet zu werden. Aber keine Sorge, es folgt kein Schlachtfest des Hasses, das wäre dann doch zuviel des Guten. Trotz der Wucht der Emotionen kommt die Rache handwerklich ganz leise daher. Man fühlt sich als Leser selbst ein bisschen schuldig. Schließlich haben wir alle etwas auf dem Kerbholz.

Die Weihnachtsgeister des Gerhard Lau – übrigens das zweite Heft des Lit.Limbus – ist eine Sonderpublikation im ersten Lit.Limbus-Zyklus.

A. Nonymouse

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Heftroman

Wunderwaldverlag, 2010, EUR 3,50

ISSN 2190-9776

 

Erhältlich bei:

Friedhofsidylle

Schicksale verstricken sich ineinander. Der Hingerichtete begegnet dem Mordopfer, der Suizidgefährdete der Todkranken, der Sektenführer dem Sinnsuchenden, der Autor seiner Figur, der Liebeskranke der Verzweifelten. 

Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.