Der Autor Jürgen Heimlich –
und wie er die Welt sieht
Die schüchterne Zeugin
Wie mag die Lebenswelt eines Täters aussehen, und kann er nicht ebenso als Opfer betrachtet werden? Und wie spielt es sich im Kopf eines Chefinspektors ab, der bald selbst zum Teil des Falles wird, den er eigentlich aufklären sollte?
Chefinspektor Kneiffer bekommt es mit einer kleinen Mordserie zu tun, die als mysteriös einzustufen ist. Er hat seine Macken und Schrullen, und ist alles andere als ein „perfekter“ Kriminalist. Als Einzelgänger fällt es ihm nicht immer leicht, auf seine Teammitglieder zu hören, und sich Rat einzuholen.
Die Geschichte ist schräg wie die Hauptprotagonisten. Das lässt sich leicht daraus ableiten, dass Wien der Schauplatz der Geschehnisse ist. Die Eigenheiten von Wienerinnen und Wienern sind von außen hin nicht immer leicht durchschaubar. Aber nicht wenige Wienerinnen und Wiener tragen ihre Herzen am rechten Fleck, und Eduard Kneiffer ist einer dieser Hauptstädter. Er saugt sich an einem Fall fest, den er am Ende… Nun gut, zuviel soll an dieser Stelle nicht verraten werden.
Die schüchterne Zeugin
Arovell, 2009, Roman, 118 Seiten
EUR 12,90
ISBN 3783902547859
Erhältlich bei:
Das diabolische Experiment
Was ist von einem Roman zu halten, der zumindest teilweise recht schwer zu lesen ist? Davon können sich freilich am Ende nur die Leser selbst ein Bild machen.
Das ist jedenfalls kein Buch, das man so mir nichts dir nichts in einer Nacht oder an einem Tag auslesen kann, zumindest denkt sich dies der Rezensent. Es passieren die unmöglichsten, unfassbarsten
Dinge. Der Held wird im Laufe des Szenario zum Anti-Helden, und die Suche nach sich selbst erweist sich bald schon als teuflische Angelegenheit.
Der Autor hat sich an einer Erzählung von Dostojewski, nämlich "Der Doppelgänger" in gewisser Weise zu orientieren versucht. Die beiden Bücher haben dennoch höchstens marginal miteinander zu
tun, da es inhaltlich doch recht starke Differenzen gibt. Das hat damit zu tun, dass sich die Zeiten geändert haben, und G. noch weit mehr in den Wahnsinn getrieben wird, als dies im "Doppelgänger"
mit Goljadkin geschehen ist. Der Roman hat als Ingredienzien kriminalistische, horrormäßige und selbstreflexive Energien in sich. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass sogar das heutzutage stark
besprochene Thema Mobbing Teil der Geschichte ist. Mobbing kann den Betroffenen sehr schwer zu schaffen machen, und wie eine relativ neue Studie ergeben hat, sind viele Selbstmorde auf diesen
Psychoterror am Arbeitsplatz zurückzuführen. Zwar mag diese Thematik im zu besprechenden Roman nur einen kleinen Anteil haben, dennoch kann sie nicht überlesen werden. Das ist ein Beispiel für die
Vielschichtigkeit der Geschichte, die neben dem Hauptstrang über zahlreiche Nebenstränge verfügt. Es besteht manchmal durchaus die Möglichkeit, die Übersicht zu verlieren, wenngleich -
glücklicherweise - in diesem Roman das in Dostojewski-Stoffen so zahlreiche Arsenal an Haupt- und Nebenfiguren nicht in dieser Dimension gegeben ist. Der Autor beschränkt sich wohl bewusst auf einige
Figuren, die auf teilweise bizarre Weise miteinander verbunden sind. Einige Szenen mögen ein gewisses Entsetzen im Leser auslösen, andere Szenen wiederum zum Schmunzeln anregen.
Ein Leben driftet von einem Tag zum anderen in eine zuvor für den (Anti)helden völlig unbekannte Richtung ab. Wir Leser wandern mit G. mit, und müssen am Ende erkennen, dass der Wahnsinn diese Welt
im Innersten getroffen haben muß. Sicher keine Lektüre, die der Unterhaltung dient, sondern vielmehr eine Geschichte, welche den Leser ins Mark seiner Seele treffen kann, wenn er sich fortlaufenden
Irrsinnigkeiten mit ihm zur Verfügung stehenden Waffen zu stellen vermag…
(© Valentin)
Das diabolische Experiment
Engelsdorfer, 2006, Roman, 217 Seiten,
EUR 13,60
ISBN-10: 3867030790
ISBN-13: 978-3867030793
Erhältlich bei: