Privates vom Literaturexperten

 

 

Was mag einen Menschen dazu prädestinieren, sich als Literaturexperten zu bezeichnen bzw. was steckt überhaupt hinter diesem Begriff?

 

Bei mir begann es wie bei vielen anderen Menschen auch, die das Privileg hierzu haben, mit meinem Erstkontakt mit Literatur in Form von Bilderbüchern. Ich kannte noch bei weitem nicht alle Buchstaben, als ich bereits steif und fest behauptete, „schreiben“ zu können. Das Gekritzel, welches ich meinen Großeltern präsentierte, hatte mit „Schreiben“ freilich nichts zu tun. Aber ich verspürte den Drang danach, etwas zu Papier zu bringen. Die Bilderbücher hatten nur wenige Textzeilen, den „Räuber Hotzenplotz“ ließ ich mir vorlesen, um sämtliche drei Bände später mehrmals lesend nachvollziehen zu können.

 

Und der Literaturexperte? Die Auseinandersetzung mit Literatur kann jeden ambitionierten Menschen zu diesem Prädikat verhelfen. Es geht nicht darum, Literatur zu verschlingen, also Tausende von Büchern buchstäblich „zu fressen“. Selbst das genaue Studium eines einzigen Buches kann ungeheure Folgen für einen Leser haben. Er kann sämtliche Höhen und Tiefen erreichen, und am Ende der Lektüre um viele Erfahrungen und Erkenntnisse reicher sein. Als Literaturexperte nehme ich für mich in Anspruch, mich ausführlich mit Literatur zu beschäftigen. Ich mag eine vierstellige Zahl von Büchern im Laufe meines Lebens gelesen haben, und werde vorausschauend nie in die Fünfstelligkeit vordringen. Doch die Quantität ist nie das Entscheidende. Es geht um die Qualität, und das Risiko, durch die Beschäftigung mit literarischen Werken zu einem anderen Menschen zu werden.

 

Bis zum Alter von 15 Jahren las ich hauptsächlich Comics und nur wenige Kinderbücher. Meine Ausbildung beim Österreichischen Bundesverlag war schließlich die erste Initialzündung, eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Literatur zu wagen. Ich hatte drei Jahre täglich mit Büchern zu tun, begriff sie, las ihre Titel, verkaufte sie an Kunden, nahm Bestellungen von Büchern aus dem Sortiment auf, fertigte Statistiken an, welche die Verkaufszahlen von Büchern enthielten, war mit Lehrern, Schülern, Kindergärtnerinnen konfrontiert. Bücher betrachtete und betrachte ich nie als Ware. Sie waren und sind für mich lebendig, haben viel zu erzählen, das nicht nur mit dem Leben des Autors, sondern ebenso des Lesers zu tun hat. Ich las seinerzeit hauptsächlich Horror-Romane (vorwiegend Stephen King). Mein Lieblingsbuch bis zum Alter von 18 Jahren war jedoch „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Hier wird ein Buch buchstäblich lebendig, und ich war und bin fasziniert von der Dynamik, die in diesem literarischen Werk steckt.

 

Es sollte bis zum Alter von fast 19 Jahren dauern, ehe ich erstmals die „hohe Literatur“ entdeckte. Ich war Schüler einer höheren kaufmännischen Schule, und weitgehend desinteressiert am vorgekauten Lehrstoff. Aber dann kam ER, ein Deutsch-Lehrer, wie ich ihn mir nie auch nur in meinen kühnsten Träumen ausmalen hätte können, in die Klasse. In diesem Jahr – 1989 – stürzte nicht nur die Berliner Mauer, auch mein altes Leben ging in Trümmer, und ich baute mit Unterstützung meines liebenswerten Lehrers ein neues Leben auf. Er unterstützte mich, so gut es ging. Ich las „Die zwölf Geschworenen“ und gab  Psychogramme dreier Geschworener ab, die leider nie korrigiert wurden. Insgesamt war dieser so engagierte Mann, der sich von meinen inneren Mauern nicht abhalten ließ, mich kennen lernen zu wollen, höchstens vier bis fünf Wochen mein Lehrer. Diese wenigen Wochen sind der Grund, warum ich mich dazu entschied, ernsthaft zu schreiben zu beginnen. Freilich hatte ich schon als Kind einige Geschichten geschrieben, welche im Laufe der Zeit verloren gegangen sind. Die konkrete Auseinandersetzung mit Schreiben erforderte aber einen Mentor, der mein Potenzial sah, und jenen Menschen aus mir hervorlockte, der ich von Natur aus war und bin. Ich schrieb anfangs alles, was mir einfiel. Kleine Erzählungen und Essays,  kurze Gedichte. Mein fantastischer Lehrer war dann von einem Tag zum anderen nicht mehr in der Schule, und ich hörte die traurige Wahrheit, dass er schon seit längerer Zeit an Leukämie erkrankt war. Wenige Wochen vor Ende des Schuljahres teilte uns der Klassenvorstand mit, dass er dem Krebs erlegen war. Er wurde vielleicht 40 Jahre alt. Ich danke ihm für all seine Energie, die er in mich investiert hat, und denke sehr oft an ihn zurück. Er wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

 

Die Mitteilung vom Tode meines Mentors (wobei ich ihn damals noch nicht als Mentor begriff!) hatte zur Folge, dass meine schulischen Leistungen rapide abfielen. Das tut aber nichts zur Sache. Mein Lehrer hat in mir etwas ausgelöst, zum Glühen gebracht, das jahrelang nur sanft loderte: Meinen Wunsch, nicht „nur“ zu lesen, sondern ebenso zu schreiben.

Der Weg vom Leser zum Autor kann ein sehr weiter sein. Ich tastete mich langsam heran, schrieb schließlich einige Theaterstücke und versuchte mich an einem ersten Roman, der mit Pauken und Trompeten misslang. Auch mein zweiter Roman geriet nicht viel besser, aber eines Tages fand ich zu meiner eigenen literarischen Ausformung, erkannte, worin mein besonderes Talent in literarischer Hinsicht bestand und besteht. Ich schrieb vier weitere Romane, und bewerte diese subjektiv betrachtet als durchaus gelungen. Freilich entstanden und entstehen noch einige andere literarische Ausformungen, von denen meine Webpräsenz vielleicht sogar irgendwann mal überquellen mag. Nicht zu reden von den zahlreichen Ideen, die ich mit mir herumtrage.

 

Als Literaturexperte habe ich viele Erfahrungen und Erkenntnisse, die mein Leben maßgeblich bereichert haben, gemacht und erlangt, sodass ich jene Menschen, welche sich mit meinen literarischen Werken und Literatur-Expertisen beschäftigen, auf eine spezifische Weise ansprechen mag. Literatur ist ein Implikator meines Schreibens. Und es geht hierbei nicht um bloßen Einfluss, sondern um die literarischen Zeichen.

 

Ein zweites großes Thema, das immer wieder in mein Schreiben einfließt, ist meine Affinität für Friedhöfe. Meine Helden und Anti-Helden sind gerne auf Friedhöfen unterwegs und hängen dort ihren Gedanken nach. Da ich gerne auf dem Wiener Zentralfriedhof spazieren gehe, habe ich zudem einen Zentralfriedhofs-Führer geschrieben, der die Leser dazu animieren mag, diesen zweitgrößten Friedhof Europas auf individuelle Weise zu entdecken.

 

Nunmehr ist vielleicht ein bisschen Licht ins Dunkel gelangt, was den Begriff Literaturexperte und dessen Ausprägung betrifft. Jeder Leser kann Literaturexperte sein, und wer den Schritt zum Autor wagt, wird von den Erfahrungen mit Literatur – in jedem Fall – profitieren. Der Weg des Autors kennt keine Grenzen nach oben hin, ganz ähnlich verhält es sich mit dem Literaturexperten. Lesen und Schreiben sind zwei Seiten derselben Medaille. Möglicherweise verhält es sich so, dass eine „Aufstufung“ vom Literaturkenner zum Literaturexperten durch die Betätigung als Autor begünstigt wird.

 

Also, gehen Sie auf die Entdeckungsreise und ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich mit meinen literarischen Werken und Literatur-Expertisen auseinandersetzen. Im besten Falle werden Sie selbst ausrufen: „Ja, freilich, ich sehe mich selbst als Literaturexperte!“ Dann kann ich Ihnen nur zu diesem Privileg gratulieren!

 

 

 

 

Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.