Resümee des ersten Zyklus:
Hoch lebe der Heftroman!
Michaela Stadelmann, ihres Zeichens grande dame des Wunderwaldverlags, hatte sich einiges vorgenommen. Der Heftroman sollte wieder zum Leben erweckt, möglicherweise sogar ein Gegenstück zu Perry Rhodan ins Leben gerufen werden. Die Vorgabe war also enorm, und die Chance des Scheiterns dementsprechend groß. Insgesamt 13 Heftromane summieren sich zum ersten Zyklus, der ganz der Literatur gewidmet ist. Einerseits gilt es aufzuzeigen, dass Heftromane literarische Qualität nicht ausschließen, andererseits sind die Eigenarten von Autoren, Verleger/innen und dem Literaturbetrieb überhaupt Gegenstand der literarischen Aufarbeitung. Frau Stadelmann kennt als Verlegerin die literarische Welt wie ihre Westentasche. Ihr Verlag hat es sich zum Ziel gesetzt, Qualitäten abseits der üblichen literarischen „Erfolgsspuren“ zu veröffentlichen. Nur dem Schrei jener Anführer zu folgen, die glauben, irgendwelchen Trends Genüge zu tun, ist ihr Ding nicht. Der Wunderwaldverlag macht es sich zur Aufgabe, die Autor/innen auf ihren Wegen zu begleiten und so verwundert es nicht, dass sie sich in den ersten Zyklus in gewissem Grade „eingemischt“ hat.
Die Heftromane sind liebevoll gestaltet, haben wundervolle Covers, enthalten zum Teil kuriose Anzeigen und ergeben zusammen genommen eine Geschichte, wenn die literarische Wette in den Blickpunkt gerät. Am Ende ist es sekundär, wer die Wette gewinnt, denn insgeheim sind die Autor/innen allesamt Gewinner. Und zwar sowohl jene, die als Figuren ihr Leben zu meistern versuchen als auch jene, welche diese Figuren erfunden haben. Ich fühle mich jedenfalls geehrt, einen Beitrag zum ersten Zyklus geleistet zu haben.
Es ist immer ein wenig unfair gegenüber den anderen Geschichten, drei hervorzuheben, die aus meiner subjektiven Sicht eindeutig hervorstechen. Hier also meine drei Podestplätze des ersten Zyklus:
Platz 3: Atlas van Raien, Anja Rosok
Platz 2: Die Gefährtin, Nadine Muriel
Platz 1: Paul deLux, Theresa Gerks
Will es der „Zufall“, dass diese drei Heftromane allesamt von Frauen geschrieben worden sind? Ich schreibe mal NEIN. In zwei von drei Fällen sind die Protagonisten Männer, und es gelingt den Autorinnen hervorragend, die männlichen Perspektiven darzustellen. Und diese Männer sind keineswegs nur Verlierer, auch wenn das auf den ersten Blick den Anschein haben mag. Oh nein, sowohl Atlas van Raien als auch Paul deLux sind Antihelden höchster Güte, deren Eigenheiten dem Leser das Herz erwärmen können. Autoren, die irgendwann an ihren eigenen Ansprüchen fast zerbrochen wären, und von Frauen ins Leben zurückgeholt oder überhaupt am Leben gehalten wurden. Die Spannung dieser beiden Heftromane beruht darin, dass das totale Scheitern möglich ist, und die Leser/innen auf ein „Wunder“ hoffen. In beiden Fällen schlägt letztlich das Schicksal gnadenlos zu: einerseits wird die geliebte Frau ermordet, andererseits bei einem Unfall folgenschwer verletzt. Es handelt sich um eine Form von modernen Märchen, wo es kein happy end geben kann.
„Die Gefährtin“ ist sozusagen ein „Sonderfall“ des ersten Zyklus. Eine Geschichte einer Frau, deren Leben durch einen nächtlichen Spaziergang über den Friedhof eklatant beeinflusst wird. Dieser an Edgar Allan Poe gemahnende Roman überzeugt durch tragikomische Elemente, kuriose Überraschungen und ein Ende, das die Fäden exakt ineinander übergehen lässt.
Also, die Frauen geben den Ton an. Wobei Paul deLux von einer sehr jungen Dame verfasst worden ist. Auch wenn ich mich damit wiederhole: Gratulation an Theresa Gerks! Sie hat dem ersten Zyklus mit der tragikomischen Lebensgeschichte des kleinwüchsigen Paul DeLux ihren Stempel aufgedrückt.
Das Vorhaben von Frau Stadelmann, dem Heftroman den verdienten Stellenwert wieder zurückzugeben, ist vollends geglückt. Perry Rhodan ist das Eine, Lit.Limbus das Andere. Literarische Qualität ist endlich wieder ein wichtiges Element des Heftromans. Herzlichen Glückwunsch hierzu!
Und falls Sie, liebe Leserin, lieber Leser, noch keinen der Heftromane geordert haben, sei Ihnen die Beschaffung und Kost jedes einzelnen hiermit anempfohlen!
Al Truis-Mus
Jour fixe
Endlich wird das Geheimnis gelüftet. The winner is… Oder ist am Ende der Fahnenstange doch nur Schall und Rauch? Sämtliche Protagonisten tauchen auf, werden in die Hölle und zurück geschickt. Lebende und Tote, vielleicht sogar Untote. Ganz kurz nur schwimmt Paul DeLux an die Oberfläche. Autoren und eine Verlegerin, die es faustdick hinter den Ohren hat, geben sich ein Stelldichein. Der Leser wird überrascht, weil nichts so wie erwartet ist. Und so ganz nebenbei: Gibt es Fernseher in der Hölle? Tja, muss wohl so sein, schließlich treibt einem so manches Programm zur Weißglut. Der Oberteufel lacht sich ins Fäustchen, und die ach so humorlosen Autoren kommen da nicht mehr mit. Sie betreten die Bühne als Figuren, sind jeglicher Lebensbejahung entzogen. Wenn Figuren sich selbst überlassen bleiben, wird der „Jour fixe“ zu einer Abrechnung, die sich gewaschen hat. Niemand wird verschont und die literarische Welt um ein Rätsel erweitert.
Al Truis-Mus
Mephisto ist beleidigt. Man wirft ihm Unfähigkeit vor - ihm, dem Herrscher der Hölle! Das will er nicht auf sich sitzen lassen und verzieht sich in sein Heimkino, um einen kritischen Blick auf die Wettteilnehmer zu werfen. Auch Johann ist gespannt, was sich auf der Erde tut, während die Heilige Johanna ein letztes Mal die Karten mischt und das Leben der Autoren beeinflusst. Die haben derweil Rache im Sinn und bereiten eine alles entscheidende Pressekonferenz vor, die die Machenschaften des Brauninger'schen Imperiums ans Licht bringen soll. Werden sie es schaffen? Findet Leipold, der Geist, endlich Erlösung? Wird Paul DeLux wirklich der Bestsellerautor des Jahres? Wird Manz mit dem Mord an Frank Trash konfrontiert? Kann Sally Bell Viktor Horkens Erinnerung reaktivieren? Und was passiert mit Silvio Canetti alias Aaron Tamino, der so vielversprechend durchstartete und dann heftigst abstürzte? Findet sich gar ein Autor, der aus diesem hitverdächtigen Stoff ein Buch zimmert? Und was sagt der Höchste aller Literaten, der Schöpfer persönlich, zu dem Schlamassel? In dieser allerletzten Wettabrechnung werden wir es erfahren ...
A. Nonymouse
Der Kristallsee
Die literarische Wette könnte einen Sieger finden: Simon Beer. Ein Held wider Willen. Ein Buchstabentier, Liebestrunkener, Romantiker, wie er tatsächlich im Buche steht. Doch jenseits des Romans gibt es ein anderes Leben und Kostverächter will er keiner sein. Wirklichkeit und Fiktion vermischen sich miteinander. Der Kristallsee ist eine Chiffre für die wunderbaren Dinge, denen Autoren begegnen können, wenn sie in eine Geschichte eintauchen. Simon hat beste Chancen, die Wette zu gewinnen, aber da ist dieses… Wer die acht vorhergehenden Heftromane rund um die literarische Wette gelesen hat, der steht voll im Bann eines dem Ruhm näherkommenden Autors, und fragt sich, wer diesem Autor noch das Wasser reichen kann…
Simon ist eine Romanfigur, die sich selbst im Spiegel sieht und nur Bruchstücke von sich erkennt. Kein Wunder, dass es ihn mit seinen Romanfiguren nicht anders geht. Er findet sich nach einer längeren Durststrecke plötzlich im Spital wieder, was ihn mit Atlas van Raien und Piet, dem Wattwurm, verbindet. Langsam laufen die Fäden zusammen. Das Finale furioso steht kurz bevor, die Spannung steigt. Wer wird den Wettstreit der Autorinnen und Autoren gewinnen?
Al Truis-Mus
Simon Beer hat andere Dinge im Kopf, als sich mit der Wette zu beschäftigen, die seine Kollegen beschäftigt. Ihn treibt Liebeskummer um und er beschließt, sich in seinem Heimatdorf zu erholen. Dort findet er Inspiration am Kristallsee, ohne zu ahnen, dass er genau hier in die Falle geht. Denn niemand anders als Lessandra, Abgesandte der Hölle und Ashuras Handlangerin, stiehlt sich in seine Träume und bestimmt plötzlich sein Leben. Sie will ihn zu Ruhm & Reichtum - und die Abhängigkeit der Höllenmächte führen und könnte damit sogar Erfolg haben, wenn da nicht plötzlich Antonia wäre ...
A. Nonymouse
Atlas van Raien
Dieser neurotische Autor wächst einem schnell ans Herz. Er ist der Monk unter den Autoren, welche den Wettstreit gewinnen wollen. Seine Phobien sind so extrem ausgeprägt, dass er fast schon sein eigener Feind ist. Besondere Federn hat er vor Hühnern und mit Spinnen will er nix zu tun haben. Atlas van Raien ist ein nicht schreibender Autor. Er recherchiert lieber, hängt einfach so rum und wartet auf die große Eingebung. Seine Frau finanziert sein Luxusleben abseits der Leistungsgesellschaft. Atlas könnte tun, was er will, will er aber gar nicht. Und dann passiert ein Unfall und Atlas van Raien ist ans Krankenbett gefesselt. Dann erscheint der wahre Star dieser wahnwitzigen Geschichte auf der Bühne: Piet, der Wattwurm. Dieses Männchen hat Probleme mit Schreiben und der Sprache überhaupt. Aber er inspiriert Atlas zu einer Geschichte.
Der zweite Teil des Romans nähert Wirklichkeit und Fiktion einander an. Atlas van Raien ist für einen guten Text dazu bereit, sich selbst in die Pfanne zu hauen. Noch mehr schiebt er die Verantwortung jedoch auf Piet, der als Held wider Willen das große Los im Wettspiel ziehen soll. Die Sprache dieses Piet ist so witzig, dass es ein wahres Vergnügen ist, immer wieder weiter zu lesen, bis die Geschichte dann doch früher als erwartet zu Ende ist. Atlas van Raien ist bereit, seinen Neurosen den Kampf anzusagen. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, will seine Emma zurück und hat Angst davor, nach seinem Aufenthalt im Krankenhaus wieder auf dem Boden der brutalen Realität zu landen. Also erfindet er Piet neu und lässt den Wattwurm seine Natur ausleben.
Atlas van Raien und Paul DeLux matchen sich um die Krone des Siegers, zumindest hätte ich da nichts dagegen. Bald werden wir mehr wissen.
Al Truis-Mus
Er bestellt einen Kaffee und trinkt ihn nicht. Er verweigert die Zeitungslektüre, weil ein Wasserfleck die erste Seite verunziert. Atlas van Raien ist so neurotisch, dass es selbst Sigmund Freud gegraust hätte. Nicht einmal Oscar, ein Mit-Wetter, kann ihm einen Beitrag entlocken, denn Atlas ist scheinbar resistent gegen Ruhm und Reichtum. Dass dahinter das Verbot seiner Frau steht, jemals wieder ein Buch zu schreiben, dass er nichts anderes mehr tut als zu recherchieren, Kaffee zu trinken und in Cafés herumzuhängen, ahnt niemand. Doch dann erleidet Atlas ob seiner Phobien einen folgenschweren Unfall. Im Krankenhaus begegnet er Piet Hanssen, dem Legastheniker und beschließt, ihn mit einem fulminanten Fantasy-Epos zu "heilen". Emma, seine Frau, verlässt ihn frustriert, und Atlas, völlig verwahrlost und sich selbst und seinen Ängsten überlassen, betritt mit seinem letzten Roman das gefährlichste Terrain, das er sich vorstellen kann ...
A. Nonymouse
Mr. Blue
Was einige Zeit den Anschein macht, sich zu einer Liebesgeschichte zu entwickeln, wird zum Horrortrip für den Leser. Mr. Blue ist eine Figur, die wie ein Eisblock durch die Welt geht. Wer dahinter steckt, wer dieses Wesen erschaffen hat, und ob Dr. Frankenstein auch eine Frau sein kann sind Fragen, die allesamt beantwortet werden. Arthur McCormick, der Journalist mit Dichterseele, wird mit Gen-Doping konfrontiert, und bleibt Isabelle Dumont auf den Fersen. Wo aber bleiben die Autoren und wo bleibt die Wette? Arthur vermittelt nicht den Eindruck, Chancen auf den Pott zu haben, doch was sagt das schon. Er bleibt sich selbst treu, und lässt Mr. Blue keine Chance. Wenn Sympathiepunkte vergeben werden könnten, würden aber weder Mr. Blue noch Arthur McCormick das Rennen machen. Gibt es einen unsichtbaren Dritten oder wird die Welt gerettet? Mr. Blue lässt keinen Zweifel darüber, dass er sich selbst als Teil eines genialen Systems begreift. Und über allem steht der Teufel und lacht sich eins.
Al Truis-Mus
Oh, oh, oh ... Mephisto. Was hast du bloß angerichtet? möchte man ob der Eskapaden, die sich Harry M. Liedtke für den Höllenfürsten ausgedacht hat, ausrufen. Diesen (Ver-)Zweiflern kann ich das Heft seines Namensbruders Harald Landgraf wärmstens empfehlen, denn der (Land-)Graf begibt sich in die Niederungen der Genmanipulation und gleichzeitig in die Anfänge der Heftromane: ein ermittelnder Journalist, eine schöne Frau und eine ganz dreckige Geschichte.
Arthur McCormick, Journalist mit Leib und Seele, epischen Ausfällen und besonders schlecht auf Verleger zu sprechen, trifft Dr. Isabelle Dumont zufällig in einem Café. Zwar hat er gerade mit der Messe-Wette abgeschlossen - wozu? seine Frage - doch ihre Story weckt seinen Jagdinstinkt. Isabelle ist angeblich einer "ganz heißen Story" auf der Spur und lädt ihn in ihr privates Labor ein. Tatsächlich hat sie ein Mittel entwickelt, das mit nur wenigen Minuten Workout die Muskeln unglaublich anschwellen lässt. Fast zeitgleich wird ihr Kollege Dr. Jasper Kaiser ermordet, mit dem sie dieses Mittel entwickelt hat. Isabelle, die großzügig an sich selbst experimentiert, scheint mit wachsendem Muskelumfang ihren Realitätssinn zu verlieren, plötzlich taucht James Black auf und dann ist da noch Dr. Sascha Texas im Leipziger Institut, wo ähnliche Experimente laufen. Ob das vielleicht die Hammerstory für den Supervertrag ist? McCormick entdeckt nicht nur die Welt der Genetik, sondern auch die offen stehende Kellertür in Isabelles Haus. Und dort trifft er - Mr. Blue ...
A. Nonymouse
Valongatu
Eine geplante Serie endet nach der Pilotfolge. Das passiert hie und da im Filmbereich, im vorliegenden Fall auch in literarischer Hinsicht. Die dargestellten Figuren werden langsam eingeführt, entwickeln sich charakterlich nur marginal. Das hängt einfach damit zusammen, dass eine längere Geschichte nicht von Anfang an die Charaktermerkmale der handelnden Figuren bis ins letzte Detail offenbaren muss. Eine Orientierung an Perry Rhodan ist erkennbar. Nicht an diese langlebige Figur aus einem anderen, großartigen Universum, sondern auf die Handlungsebenen hin bezogen. Was aber fast gänzlich fehlt ist der Humor, und feinsinnige Ironie. Dadurch wirkt dieser Hefroman zeitweilig platt, entführt den Leser weg vom eigentlichen Geschehen. Das Ende hat dann wieder was. Kuriose Figuren treten auf den Plan, und dem Leser wird die weitere Zukunft der Geschichte schmackhaft gemacht. Vielleicht doch schade, dass aus der Serie nichts wurde.
Al Truis-Mus
Das Haus Zimaroo wird von Bolando I. vernichtend geschlagen. Mitten im Kampfgetümmel befindet sich die Tengiji Aseera. Ein Querschläger trifft ihre Spacejet, tötet ihren Gefährten Taven und zwingt sie zur Landung auf dem nächsten Planeten. Sunem, so der Name der Dschungelwelt, beherbergt auf den ersten Blick nur einen verlassenen Stützpunkt des Widerstandes, in dem sie auf den Soldat Petrov trifft. Ihn hat scheinbar das gleiche Schicksal wie sie ereilt. Nachdem sie sich Zugriff auf die Daten der Station verschafft haben und einen Erkundungsflug wagen, entdecken sie die Flotte des Herrschers des Hauses Zimaroo. Aseera, durch und durch Priesterin ihres kriegerischen Volkes, sieht das Ziel ihrer Rache in greifbarer Nähe und fasst gegen Petrovs Widerstand einen wahnwitzigen Plan, bevor sie sich zu den Widerstandsgruppen auf Sculpa Trax absetzen will. Doch plötzlich stellt sich ihnen die Macht des Planeten entgegen ...
A. Nonymouse
Die Gefährtin
Von der ersten Zeile an glaube ich, Edgar Allen Poe zu lesen. Dieser spezifische Sprachduktus erinnert an längst vergangene Zeiten. Ein Friedhof im Zentrum des Geschehens. Eine junge Frau kehrt verwandelt zurück. Doch die Verwandlung ist nie greifbar, tritt in Träumen auf der Stelle, bis irgendwann die Erlösung folgen mag. Der Hintergrund für den Wahnwitz, in dem die Protagonistin gefangen ist, wird schnell deutlich. Die „Gefährtin“ jedoch bleibt schemenhaft, steckt voller Rätsel. Wie ein Leben aus der Bahn geschossen werden kann, dass kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, davon erzählt diese Geschichte.
Der kleine Roman ist perfekt durchkomponiert. Puzzlestein für Puzzlestein wird gelegt, und am Ende bleiben keine Fragen offen. Irgendwie schade. Ein wenig Irritation hätte den Leser beflügelt, seine Fantasie auf die Reise zu schicken. Dennoch wird „Die Gefährtin“ dem aufmerksamen Leser noch lange in Erinnerung bleiben. Sie sehnt sich danach, immer und immer wieder entdeckt zu werden. Eine Geschichte zum immer wieder lesen. Edgar Allen Poe hätte wohl seine Freude daran.
Al Truis-Mus
Aus lauter Langeweile wettet Geneviève mit ihren Freunden darum, ob sie sich traut, nachts über den Friedhof zu gehen. Als Beweis ihres Mutes soll sie etwas mitbringen und greift nach bangen Minuten in der Finsternis nach etwas, das sie auf einem Grab ertastet. Von nun an träumt sie Nacht für Nacht den selben Traum von ihr, die ihr keine Ruhe mehr lässt. In ihrer Verzweiflung ist Geneviève weder zu einer Bindung noch zu einem Studiumabschluss fähig und flieht für Jahre ins Ausland - ihren Traum immer dabei. Erst, als sie zur Familie ihrer Freundin eingeladen wird und auf deren Onkel Radewolf trifft, scheint eine Lösung ihres Alptraums in Sicht ...
A. Nonymouse
Auf Messe(r)s Schneide / (Ein-)Schnitte
Okay, ich geb's zu. Man könnte dieses Heft als Abrechnung sehen. Wohlgesonnene Zeitgenossen könnten aber durchaus eine sehr nahe an der Wahrheit angesiedelte Geschichte dahinter vermuten. Und tatsächlich ist vieles, was Thomas Bosl und Bettina Unghulescu im ersten Teil Auf Messe(r)s Schneide berichten, tatsächlich so geschehen. Dabei musste sich Thomas Bosl, ganz frischer Jungautor, gar nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Er lässt Aaron Tamino mit den Gegebenheiten der Verlagswelt zusammen stoßen - Absagen, Selbstüberschätzung, komische Reaktionen der Umwelt und - schließlich die Chance, als er schon gar nicht mehr daran glaubt. Bis es soweit ist, stolpert die (Klein-)Verlegerin Sabine Stiebach-Haucke von einer absurden Situation in die nächste, nur weil sie Bücher und keine Waschmaschinen verkauft. Kurz bevor sie aufgeben will, erreicht sie ein schicksalshafter Anruf.
Aaron Tamino hat es geschafft. Als Silvio Canetti könnte er die Messe rocken, zusammen mit seiner Verlegerin Sabine Stiebach-Haucke. Gäbe es da nicht die Protagonisten der Vorläufer-Hefte. Der Leser trifft den psychotischen Jason Manz wieder, der nur noch mit Schießeisen herumläuft, Frank Trash, der plötzlich von aller Welt verstoßen scheint. Viktor Horken findet sein Heil in Sally Bell, die sich sofort mit Scarlatti, dem zweitmächtigsten Mann des Burning-House-Imperiums, anlegt. Und seine Chefin, Johanna von Brauninger, sitzt und schaut und - lächelt. Dazu kommen vier Autoren, die sich zum ersten Mal live und in Farbe treffen, nachdem sie monatelang in ihrem Forum auf ihren Verleger geschimpft haben. Doch stammen wirklich alle Figuren aus unserem Universum? Oder hat die Hölle mal wieder eine teuflische Karte ausgespielt und einen Dämon auf die Menschen angesetzt? Und noch wichtiger. Wer in diesem Spiel ist Mensch, wer Dämon? Die Antwort allein kennt Fritz Leipold. Glaubt er zumindest. Und so kommt es zum vorerst entscheidenden Showdown, an dessen Ende wieder alles offen ist ...
A. Nonymouse
Nun geht es ans Eingemachte. Autoren und Verleger hauen sich nicht auf ein Packl, sondern sind zum Kampf bereit. Ein gewisser Aaron Tamino, seinesgleichen Autor aus Berufung und zudem nebenbei mit Studien nebst Nebenbeschäftigung beschäftigt, will klar Schiff machen. Er tritt an Verlage heran, schickt Exposes, Leseproben und telefoniert sogar mit gestressten Kleinverlegern. Und da kommt sogar eine Rückkoppelung, die sich gewaschen hat. Sein Manuskript soll nix wert sein, nur irgendein Geschmiere, das nicht weiter auffällt. Oh ja, Kaaaaaaaampf! Aaron treibt sich in einem literarischen Forum herum und wird von einer gewillten Lektorin mit Blumen bedacht. Seine Texte seien hochinteressant, sie wolle mehr Lesematerial! Ist jetzt der Durchbruch vorprogrammiert, wo womöglich ein ganzes Manuskript kostenlos und erstklassig lektoriert werden wird? Aber nein, das wäre zu langweilig. Außerdem spielt eine Kleinverlegerin eine wichtige Rolle, die genug hat vom ewigen Anrennen gegen Gummiwände, hinter denen die Megaverlage lauern. Und dann wird ihr auch noch ein unverschämtes Angebot gemacht, oder hat es doch seine Reize?
Das Kunststück des Doppelheftes besteht darin, dass Bettina Unghulescu dort weitermacht, wo Thomas Bosl aufgehört hat. Der Kampf geht also weiter! Herzstück ist das Interview zwischen Aaron und einem Feuilleton-Moderator. Da fliegen die Fetzen, weil nicht gefaselt, sondern die Wahrheit hinausgeschrien wird. Besser als jeder sprechende Lügendetektor, dieses Wortgefecht im Glaskasten! Und diesmal werden die Leser des Zyklus mit wohlbekannten Autoren konfrontiert, die den Wettstreit um den Platz an der Sonne vor Ort bei der Frankfurter Buchmesse zu gewinnen gedenken. Und wie sie sich ins Zeug legen! Leipold, Frank Trash, Paul de Lux, und ist da nicht irgendwo auch Johanna mit im Spiel? Bei der Gelegenheit: Paul deLux von Theresa Gerks hat für Furore gesorgt. Die junge Autorin hat mit dem kleinwüchsigen Autor, der dem Leser schnell ans Herz wächst, offenbar den Anti-Helden geschaffen, auf den die literarische Welt scharf war. Herzliche Gratulation, Theresa!
Al Truis-Mus
Zeitkabinett
Viktor Horken war mal ein erfolgreicher Trash-Autor. Doch irgendwann ist ihm die Puste für zielgruppengerechte Literatur verloren gegangen. Er wurde ein wenig zynisch, das Leben entglitt ihm. Doch da bekommt er einen Anruf und erfährt, dass er als Alleinerbe des Vermögens eines ihm nahezu unbekannten Onkels gilt. Der Mann ist aus nicht näher bekannten Gründen gestorben. Horken tritt das Erbe an. Es handelt sich nicht um Geld, Kies, Knaster. Nein, er ist von einem Tag auf den anderen Hausbesitzer.
Und was für ein Haus! Eigentlich hat er vor, dort endlich wieder von der Muse geküsst zu werden, was ihm der Anwalt, welcher ihn vom Erbe unterrichtete, als logische Konsequenz beschrieb. Doch Pustekuchen! Das Haus ist unheimlich. Es spielen sich merkwürdige Dinge ab. Die Zeit verliert ihre Konstante, falls sie überhaupt je eine hatte, hat oder haben wird. Viktor Horken braucht einige Tage, bis er die geheimnisvollen Geschehnisse im Haus decodieren kann. Das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Die Zeit wird auf den Kopf gestellt und es soll Menschen geben, die in Zeitblasen gefangen sind. Habe ich nun zuviel geschrieben?
Diese Geschichte ist ein weiteres Highlight der wunderbaren Lit.Limbus-Heftromanserie. Trash muss nicht für den Abfalleimer sein. Wer etwas dieses Heftchen liest, der wird es hernach an einem besonderen Ort aufbewahren wollen. Und was spricht mehr für eine Serie von Geschichten als die einzigartige literarische Qualität? Es musst nicht immer Kaviar, sprich hochgeistige Literatur sein. Manchmal tut es gut, fesselnd unterhalten zu werden, Spaß beim Lesen zu haben. Und auf die Fortsetzung des literarischen Wettstreits gespannt zu sein. Viktor Horken hat insgeheim sicher nach wie vor den Willen, den genialen Roman zu schreiben, damit er auch an den richtigen Verleger und die 500 Euronen gelangt. Ob es ihm gelingen wird? Die Antwort auf diese Frage erfolgt glücklicherweise erst fünf weitere Hefte des ersten Zyklus vorwärts gedacht. Und das ist gut so, wer will sich schließlich mit halben Sachen zufrieden geben, spricht mit fünf und nicht mit zehn trashigen Geschichten voller teuflischer und himmlischer Überraschungen? Eben!
Al Truis-Mus
Viktor Horkens Leben könnte so schön sein. Wenn er sein altes Leben noch hätte, das aus Wein, Weib und Gesang bestand und sich auf seinem Ruhm als Trash-Bestseller-Autor begründete. Aber sein letzter Roman hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht - und weg war er aus dem Literaturolymp. Da klingelt das Telefon und der Anwalt seines verstorbenen Onkels meldet sich. Ob er Interesse hätte, die Villa seines Onkels zu erben? Der Haken: Die Villa würden nicht mal die streundenden Hunde freiwillig betreten, da sie früher dem seltsamen Zeitgenossen Lazarus Kupfer gehört hat, der wie wie Viktors Onkel auf mysteriöse Weise eines Tages spurlos verschwand. Viktor wittert die Come-Back-Chance: seltsames Haus, ungeklärte Umstände des Todes seines Onkels - das ist die Story schlechthin fürs nächste Buch! Doch kaum ist er eingezogen, begegnet er lauter merkwürdigen Gestalten, Wasser rauscht durch die Wände des Hauses und dann ist da noch Sally Bell, das Sternchen einer Girl Band, das in einer Zeitblase gefangen ist und bevorzugt auf Frühstücksbrötchen landet ...
A. Nonymouse
Joe Browns Begräbnis
Einmal etwas ganz Anderes. Beweis dafür, dass der Lit.Limbus ausnahmslos originelle Autorinnen und Autoren vereint. Nun also Bettina Unghulescu. Sie lässt den Teufel außen vor, und inszeniert ein höllisches Spiel mit Rollenverteilungen. Der erste Teil der Geschichte setzt sich mit Armut und deren Auswirkungen auseinander. Johanna ist keine Leseratte, aber Bücherliebhaberin. Vorzugsweise blättert sie in solchen mit Tierfotos. Ihre Mutter lebt in ihrer eigenen Welt, und Johanna will da nicht im Weg stehen. Sie besucht gerne Bibliotheken, wärmt sich dort gut auf, wenn ihr die Kälte zu schaffen macht. Wie kann diesem Wahnsinn Einhalt geboten werden, dieser Armut, die innere Isolation hervorruft?
Aber dann ändert sich plötzlich alles. Johanna wird von einem Tag auf den anderen Milliardenerbin. Ihre Vergangenheit kann sie nicht vor sich verbergen. Der Reichtum geht ihr wohl schnell auf den Senkel. Irgendwie langweilig. Der zweite Teil der Geschichte beschäftigt sich aber nur bedingt mit diesem „Reichtum“. Vielmehr sind die Narren los. Rollenspiele sind offenbar das große Hobby von Johanna, ohne dass sie besonderen Gefallen daran finden würde. Ist es ein reiner Zeitvertreib? Johanna wird mit der Vergangenheit ihrer Familie konfrontiert, hat ihre Rolle in der Gesellschaft noch nicht gefunden. Und was soll eine Rolle überhaupt sein? Ist eine Rolle nicht nur dann konstruktiv, wenn sie bewusst gespielt wird? Der Narr ist ganz in seinem Element, lässt kein Vergnügen aus. Johanna steht nicht im Regen, jedoch im Bücherdschungel. Was sind Bücher überhaupt? Wozu taugen sie? Sind sie nicht mehr als verarbeitetes Holz, das mit irgendwelchen geheimnisvollen Zeichen vollgekritzelt ist?
Bettina Unghulescu spielt mit Rollenklischees, ehe es ernst wird. Der Leser kann ratlos zurück bleiben oder sich auf die Fortsetzung der Lit.Limbus – Reihe freuen. Letzteres ist angebracht, denn Geschichten können gute Freunde sein. So wie auch jene von „Joe Browns Begräbnis“.
Al Truis-Mus
Arme Leute schnell entsorgt:
Joe Browns Begräbnis
Ich habe lange überlegt, ob man das überhaupt schreiben darf. Menschen wegschmeißen, das tut man nicht! Selbst der Staat ist unser tägliches Vorbild, wie wichtig die Stimme des Volkes ist, dass man für so wichtige Sachen wie Bahnhöfe demonstrieren muss, damit es den Ärmsten der Armen, den Kindern und Jugendlichen, gut geht. Schließlich sollen sie so viel und so wichtige Bildung zu sich nehmen können wie möglich.
Extrem wichtig!
Aus diesem Grund ist auch Johanna Meier, die wattierte Heldin des Romanes, mit nichts anderem beschäftigt als mit Büchern. Sie wohnt auf dem platten Land, wo die Länge des Ortsnamens über die Größe des Dorfes Auskunft gibt. Je länger, desto kleiner. Hier gibt es keinen Bahnhof, höchstens Bushaltestellen, aber zumindest eine Dorfbibliothek (mit Wartehäuschen vor der Tür). Hier findet sie das, was ihre alleinerziehende Mutter ihr schon lange nicht mehr geben kann, nämlich Futter in allen Formen und Farben.
OH GOTT! SOZIALKRITIK!
Gemach, gemach, liebe Freunde. Ihr vergesst den Teufel im Detail. Satt machen Bücher nur, wenn unterschiedliche Titel konsumiert werden. Das gilt auch fürs Essen, ausgewogen muss es sein. Denn Johanna ist nicht nur sehr hungrig, sondern hochgradig verstört – Hunger macht auch in unserer Industrienation dumm. Und so lauscht sie dem allmählich verstummenden Knurren ihres Magens, während sie im Lesesaal der Dorfbibo eine Burg aus „Brehms Tierleben“, zwölfbändig, errichtet. Kritisch wird es, als die Mutter Johannas Erbschaft in Form eines Tierlexikons – elfbändiger Goldschnitt von 1912 – zur Pfandleihe trägt. Man ahnt es schon, die Bücher kommen nie wieder zurück. Regelmäßig vom Seniorinnenkreis in der Bibliothek ausgetragene „Armenspeisungen“, bestehend aus Plätzchen, aber nie Schinkenbroten, tun ihr Übriges, den Wall der Bedürftigkeit höher zu ziehen. Und dann steht der Gerichtsvollzieher am 23. Dezember einmal mehr vor der Tür und bringt zwei seltsame Herren mit. – Was hat das mit dem Thema zu tun? Ging es nicht um Autoren, die sich an einer diabolischen Wette beteiligen?
Gegenfrage: Muss man immer geradewegs aufs Ziel zuhalten? Die anfängliche Außenseiterin ist mehr als relevant für diesen Zyklus, dem sie den entscheidenden Impuls gibt. Man wird das Gefühl trotzdem nicht los, dass das soziale Netz, das eigentlich für Wohlstand und Wissen sorgen soll, etwas falsch macht. Johanna und ihre Mutter werden nach einer Mieterhöhung von Amtswegen in einen anderen Stadtteil „entsorgt“. Wissen steht in Hülle und Fülle zur Verfügung, aber wann rettet jemand das Kind aus dem Tierlexikonturm? Und dann gibt es noch den verschrobenen Leiter einer Rollenspielgruppe, der Johanna mit brachialen Mitteln in eine Rolle drängt, die ihre Persönlichkeit zu ersticken droht …
Fast schon genüsslich greift die Autorin Bettina Unghulescu alle Klischees auf, die sie erwischen kann und serviert zu jedem Kenn-ich-schon eine unerwartete Wendung. Trotzdem dauert es bis zum befremdlichen Ende, bis die Protagonistin mit einer kruden Idee aufwartet. Aus der dösigen Hartz-IV-Jugendlichen wird mit einem Schlag ein denkendes, wenn auch nicht fühlendes Wesen. Da hat eindeutig der Teufel seine Finger im Spiel.
Fazit: Das Vorspiel in der Hölle hat einen Anker in unserer Dimension, und der erhebt sich wie der Leviathan oder der Phoenix oder eben alles Übel aus dem Urschlamm der Gesellschaft. Wir sind alle jemandes Spielzeug, erfährt der geneigte Leser, und wir können uns nicht dagegen wehren. Wer heute König ist, kann morgen Schweinehirt sein, genauso wie der Hofnarr plötzlich das Zepter zu schwingen in der Lage ist. Ob jemand diese Entwicklung bis zur Halbzeit auf der Leipziger Buchmesse aufhalten kann? – Wir werden sehen.
A. Nonymouse
Paul DeLux
Der Wettstreit um sagenhafte 500 € geht weiter. Wer einen Buchvertrag höchsten Kalibers an Land zieht, wird in Leipzig gekrönt. Paul DeLux, gerne „der Kleine“ genannt, hätte gute Chancen, wenn ihm nicht das Schicksal so böse gesinnt wäre. Oder ist er vielleicht gerade deswegen ein Günstling der Verlagswelt, weil ihn seine Betroffenheit so schwer trifft, dass er als Getroffener seine Halbmemoiren veröffentlichen und dafür umjubelt werden könnte?
Dieser Paul ist von Anfang an präsent. Er torkelt durch sein Leben, säuft, grämt sich, säuft wieder und agiert manchmal als Steuerberater für seinen Bruder, der ihn finanziell unterstützt. Paul DeLux hat einen Schmöker geschrieben, den er als Weltuntergangsthriller bezeichnet. Wer will das schon lesen in einer Zeit, wo ohnehin alles den Bach runtergeht? Doch Paul trifft Audrey, die Putzfrau, pardon, Reinigungsfachkraft. Durch ihre Präsenz wird sein Leben veredelt und er findet sich in einer vom Fernsehen live übertragenen Speed-Dating-Show für Kleinwüchsige wieder. Ach ja, Paul ist ungefähr 135 Zentimeter groß, also kein Liliputaner, sondern ein Kleinwüchsiger. Er hat darob keine Minderwertigkeitskomplexe, sondern nur Ärger. Als Kleinwüchsiger fühlt er sich nicht ernst genommen. Seine Berufung ist sein Dasein als Autor. Er will aber nicht aus seiner Kleinwüchsigkeit Kapital schlagen, sondern aus seiner Qualität als Schreiber.
Was sich zwischen Audrey und Paul anbahnt könnte mehr sein als keine Beziehung auf Augenhöhe. Vielleicht ist es sogar Liebe, auch wenn das Wort nicht fällt. Paul DeLux ist natürlich sein Künstlername. Audrey sorgt dafür, dass er diesen Künstlernamen verewigt. Er suhlt sich nicht mehr in Selbstmitleid, säuft weniger, seit er Audrey begegnet ist. Sie gibt ihm Tipps, auf welche Weise er seinem Roman mehr Zugkraft geben könnte. Paul und Audrey sind wie füreinander geschaffen. Er, der Kleinwüchsige, hat Großes vor.
Endlich mal ist ein Aspirant auf den 500 € - Schatz nicht wie aus einem anderen Universum entnommen. Er beweist Bodenhaftung, ist Einer wie Du und ich. Kleinwüchsigkeit ist ebenso wenig ein Makel wie Armut, Pflegebedürftigkeit oder Gehörlosigkeit. Paul DeLux ist eine Chiffre für alle Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Auch wenn er mehr säuft, als er vertragen kann, ist er kein hoffnungsloser Fall. Er hat Herz, Seele und Geist.
Theresa Gerks, die zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Geschichte erst 17 Jahre alt ist, beeindruckt als Autorin mit Feingefühl. Paul ist eine Figur, die buchstäblich zum Leben erwacht. Mit ihm würde ich auch gerne mal ein Bier trinken gehen. Kompliment an die junge Autorin, die großes Talent beweist. Paul DeLux, der Kleine, wird mir in Erinnerung bleiben!
Al Truis-Mus
Kurz, knubbelig, knorrig:
Paul Delux. Der Kleine in der Hölle
Meine Güte, jetzt saufen sich schon die Kurzen ins Koma! Können die eigentlich nur bechern? Wobei es ja kein Geheimnis ist, dass gerade in der schöngeistigen Szene gerne mal ein Gläschen oder zwei gehoben werden. Also ohne Alk kein Output? Fakt ist, dass ein benebelter Geist hin und wieder viel kreativer ist als ein klarer. Hemmschwelle weg und so, kennt man ja. Fakt ist aber auch, dass zu viel Alkohol schwermütig macht, was in manchen Fällen trotzdem zu genialen Texten geführt hat, die sogar mit dem Literaturnobelpreis belohnt wurden (wenn auch nicht im Hörrätsel, das die werte Frau Verlegerin mit Juliane Ahlemeiers Stimme im November durchgezogen hat). Was jetzt aber kein Argument sein sollte, zur Flasche zu greifen.
Viel wichtiger ist, wer sich hinter dem Kleinen verbirgt, diesem Paul Große-Lux, der als kleinwüchsiger Autor auf kurzen Beinen durchs Leben torkelt. Stilecht lernt der Leser ihn in einem Discounter kennen, zu nachtschlafender Zeit kurz nach Weihnachten. Alles ist groß, weiß und zum Kotzen. Paul spielt die Opferrolle hingebungsvoll mit allen Facetten: Mich braucht keiner, mich will keiner, die Frauen sind sowieso alle größer als ich … Gebongt! Bevor er völlig ins Klischee abrutscht, greift die Autorin Theresa Gerks ein, deren Name man sich unbedingt merken sollte. Denn die ist nicht nur selbst eine „Kleine“ in der Literatur – gerade mal 17 Jahre alt – sondern schwingt die Feder seit drei Jahren so gekonnt, dass bereits der erste Platz beim Steinfurter Amateur-Filmwettbewerb für ihr Drehbuch heraussprang („Topmodel-Wahnsinn in Burgsteinfurt“). Aber … kann man so jung überhaupt schon schreiben? Also, ich als der ewige Nörgler war ja am Anfang skeptisch, denn zum Schreiben braucht man ein gewisses Maß an Stilsicherheit, Lebenserfahrung und Reife, sonst wird das nichts. Aber sie hat mich angenehm enttäuscht. Es besteht also noch Hoffnung, die Jugend hat wieder mehr im Kopf als den nächsten iPad! Diese bald hoffentlich viel bekanntere Autorin also zieht mit ihrem kleinen Paul los und lässt ihn erst mit dem Alkohol, dann der nächtlichen Saukälte und schließlich mit Audrey zusammen prallen – im Rathaus. Audrey ist eine waschechte Putzfrau und bringt Paul mit ihrer Direktheit erst mal aus dem Gleichgewicht („Wie ist es, wenn man Liliputaner ist?“). Sie sieht die Dinge, wie sie sind und spricht sie aus, nicht immer zu Pauls Pläsier. Aber bei ihm macht es plötzlich „klick“. Und weil Audrey nicht nur eine Freundin, sondern auch so etwas wie eine gute Fee ist, lotst sie Paul zu einem Speed Dating für Kleinwüchsige, das just in diesen Tagen im Rathaus stattfindet und von der Presse breitband-medial begleitet wird. Die Gelegenheit, bekannt zu werden! Paul willigt nach heftigem Widerstand ein („Damit alle vor der Kiste sitzen und glotzen können!“), doch dieses Dating verläuft etwas anders, als Paul es sich gewünscht hat, denn … Halt, nein, mehr darf ich nicht verraten, sonst schlägt mich meine Verlegerin.
Ja, ich gebe zu, allmählich kriege ich selbst Schüttelfrost von so viel Lobhudelei, aber es liegt nicht an übermäßigem Antidepressivagenuss! Nein, der Text bringt drei wichtige Faktoren zusammen: a) ein ungewöhnliches Setting, bereichertmit einer abstrusen Figur, b)Ereignisse, die wir vielleicht selbst schon durch haben und uns so nur in unseren finstersten
Träumen vorzustellen wagen und c) ein über zahlreiche Umwege erreichtes, mehr als überraschendes Ende, das eigentlich ein Anfang ist. Alles komponiert von einem Absolute Beginner der Literaturszene.
Also, wenn Sie sich einen Gefallen tun wollen, holen Sie sich den kleinen Paul nach Hause, gehen Sie mit ihm ein oder zwei Schoppen trinken und brüten Sie mit ihm und Audrey über seinem „Weltuntergangsscript“. Das wird Ihre Weihnachtsfeiertage ordentlich durchschütteln.
A. Nonymouse
Leipolds Vertrag
Das es so etwas überhaupt geben kann. Jason Manz, abgehalfterter Schreiberling von Horror-Romanen erlebt seinen persönlichen Horror in Gestalt von Leipold. Wer noch nie davon gehört hat, dass Ghostwriter gerne Blut lecken, der kann es jetzt schwarz auf weiß lesen. Die Dialogschlacht zwischen Manz und Leipold steuert einem Schattenreich entgegen, das nicht mal vor einem Beichtstuhl Halt macht. Aber Hoppla, nur nicht zuviel verraten. Denn da gibt es einen Club der toten Dichter (geklaut, oder wie?), und wieder mal sorgt Randomhouse für Unruhe.
Jason Manz ist völlig außen vor, eine verkrachte Existenz, die sich nicht mal in den Spiegel schauen mag. Der Pakt mit dem Teufel in Form eines untoten Ghostwriters erweckt ihn wieder zum Leben. Er beginnt zu kämpfen, schreibt ein irrwitziges Manuskript, zumindest ein paar Skizzen. Und er möchte sich unbedingt die 500 Euro-Prämie für einen lukrativen Verlagsvertrag krallen. Leipold meets Hugo Bain, und ist da schon ein Sieger in Sicht?
Lesen Sie, was es mit dem versoffenen, verschrobenen und selbstverständlich auch verblendeten Jason Manz auf sich hat, der in eine Geschichte hineingezogen wird, die er sich nie selbst hätte ausdenken können. Das ist keiner dieser unendlich langweiligen Romane, an denen sich die Leserinnen und Leser längst schon gewöhnt haben. Immer der gleiche Bockmist! Ein Bestseller ist ein Bestseller ist ein Bestseller. Wer braucht Unterscheidungsmerkmale? Verzeihung, ich will mich damit nicht zufrieden geben, ich, Jason Manz begehre gegen die Verelendung der überall sichtbaren Literatur auf! Könnte dies die Botschaft der Geschichte sein oder handelt es sich doch nur um billigen Abklatsch üblicher qualitativ minderwertiger Bestsellerware?
Entscheiden Sie, schlagen Sie dem Schicksal von Jason Manz ein Schnippchen oder wollen Sie doch lieber auf der Seite des guten, bösen Teufels sein, der in Gestalt eines Ghostwriters sein Unwesen treibt?
Lit.Limbus sorgt für Furore. Die literarische Vorhölle ist auf der Suche nach dem Oberteufel. Und die Reise hat noch lange kein Ende…
Al Truis-Mus
Lit. Limbus – alles Säufer ?!
Was hier schon an Promille durch den Drucker gegangen ist. Druckfahnen im Alkoholatem wehten. Komatöse Traumbilder den Toner erstarren ließen. Literatur – sponsored by Russlands größtem Wodka-Produzenten? Hey, es gibt ja viel Zeug auf der Welt, aber Frederic
Brake lässt den absoluten Gammeltypen Jason Manz vor unseren Augen entstehen, dass sich mir beim Lesen die Riechhärchen krümmen. Kann ein Autor so tief sinken? So viel saufen? So ahnungslos sein? Okay, ich gebe zu, ich finde die Idee, einen Ghostwriter zu engagieren, hin und wieder sehr verlockend. Wenn die Platte im Kopf mal wieder blank ist. Wenn der nächste Monat droht und die Miete noch nicht überwiesen ist. Oder … wenn der phatteste Absturz des Lebens einen in die grottigsten Tiefen des Daseins gestürzt hat. Personal Doomsday. Wie bei Jason Manz. Der war berühmt, jetzt ist er nur noch berüchtigt. Frau weg, Haus weg, Geld weg. Sein Verleger will nichts mehr von ihm wissen, feuchter Händedruck und raus mit dir. Nur zum Spaß eine Wette mit den Ex-Kollegen abschließen, aber der Himmel lauscht und die Hölle schickt ihren Boten. Wie bei Frank Trash in Band 1:
keine Wette ohne Teufel. Statt faustischer Phiolen lehrt Manz seitdem Flasche um Flasche.
Tag für Tag. Er muss, er muss, er MUSS wieder berühmt werden. Raus aus dieser Ekelbude,
zurück in die Traumvilla an der Côte d'Azur. Mit Hilfe einer Handynummer. Wenn bei Ihnen ein Vertreter an der Tür klingelt, lassen Sie ihn rein? -Nein? Jason Manz schon. Der ist nicht nur im Dauer-Alkohol-Koma, sondern völlig neben der Kappe. Leipold heißt sein Helfer. Verspricht ihm einen neuen Verlagsvertrag. Und wie es sich gehört, hat die Sache noch einen Haken, denn Jasons Tochter wird in die Sache hineingezogen.
Frederic Brake ist ein Frischling auf dem Autorenmarkt. Aber er ist einer der Glücksfälle, die
loslegen und sofort einen Treffer landen. Es gibt sie noch, die echten Talente, die man in Anthologien entdecken kann. Und im Lit.Limbus, wo sie alle schmoren und auf den Vertrag ihres Lebens warten. Oder sich ein Würstchen über den Schwefelquellen braten und sagen: schön war's, nette Grillparty. Schreiben wir doch mal was. Das war auch die Basis der Konzeption.
Endlich mal was ohne die Vorgaben des Buchhandels schreiben, loslegen, weil's Spaß macht
und ab dafür. Das ist der Lit.Limbus, die Heftromanserie. Neue Talente entdeckt man nicht bei den Bestsellerverlagen, sondern in den kleinen Publikationen. Und damit es auch dabei bleibt, ist schon die zweite Staffel in Vorbereitung.
SAGA. Ganz und gar nicht sagenhaft, sondern auf historischen Ereignissen basierend. Historienromane in Heftformat – warum nicht? Bevor ich mir 500 Seiten aus dem Hirn schleudere oder mich zu Tode recherchiere, arbeite ich lieber in kleinen Schritten und literarisch sauber.
Hat der Leser mehr von. Von mir aus auch romantisch, aber für unbekannte Autoren. Und
wer einmal gute Arbeit abgeliefert hat, kriegt vielleicht die Chance auf den nächsten Auftrag.
Wie der Ghostwriter in „Leipolds Vertrag“ … ?
Welcher Autor die 500 Euronen in der ersten Staffel abgreift, erfährt der geneigte Leser bis
zum Sommer 2011. Bis dahin vorbeisurfen, reinklicken und mitschreiben. Und wer vorher
schon belohnt werden will, schaut sich das Gewinnspiel an. Juliane Ahlemeier, Profisprecherin, hat den Prolog aus „Meeting Hugo Bain“ sagenhaft aufbereitet. Dabei haben wir einen Fehler versteckt, und wer ihn findet, gewinnt ein Lit.Limbus-Abo für die ersten 13 Hefte. Wenn das mal nicht mit dem Teufel zugeht ...
A. Nonymouse
Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau
Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.
Der Lit.Limbus ist ja schön und gut. Aber nicht jeder will bei Konzeptserien mitschreiben. Auch nicht die Verlegerin, die sich damit einen Haufen Arbeit macht. Wo bleibt da der freie Geist? Die Inspiration? Die Muse? Sie soll küssen! Und das tat sie im Verborgenen bei Jürgen Heimlich. Ja ja, schon gut. Ich weiß, ich bin sonst bissiger. Aber wo es nix zu beanstanden gibt, kann man auch nicht zuschnappen. Obwohl natürlich die Frage zu beantworten wäre, ob die Welt eine weitere Adaption der Dickens'schen Weihnachtsgeschichte braucht? - Jawoll!
Immerhin rollt in knapp zwei Monaten wieder das Fest der Feste ab, damit einhergehend der Konsum, die Gier, der Hass, die Einsamkeit und der vielfache Freitod. Also her mit der düsteren, geisterhaften, bedrohlichen Adaption der ach so fröhlichen Zeit. Unterschlagung, Kaltherzigkeit, Eitelkeit, Anankasmus, Wollust. Man kann Gerhard Lau alles davon anlasten und die Liste beliebig fortsetzen. Er ist ein so richtig mieser Typ, der seine Spuren auf seinen Mitarbeitern und seiner Ex-Frau hinterlässt und in seiner Familie ausgespielt hat. Die Welt ohne Geld – für Lau ein Gräuel. Deshalb hat er auch keine Gewissensbisse bei seinen täglich zahlreichen Fehltritten. Aber wie bei Dickens wartet die Strafe hinter der nächsten Hausecke. Und die Geschichte nimmt auch nicht das bekannte Ende. Lau war kein guter Mensch, also hat er auch kein entsprechendes Ende verdient.
Hat sich da jemand abreagiert? Oder wollte es der Autor so richtig krachen lassen? - Gegenfrage: Warum nicht? Heftroman heißt: ein bisschen anrüchig, ein bisschen trashig, ein bisschen neben der Norm. Schöngeistige Gedankenflüge kann man sich bei Schopenhauer & Co. holen. Hier geht es um Katharsis, Läuterung, psychologische Abreaktion. Lau scheint mir ein bisschen verrückt zu sein, aber nicht ganz so abstrus wie mancher Zeitgenosse. Ein Spiegel. Eine Kunstfigur, die all das in sich vereint, was uns so sauer aufstößt, um dann gerichtet zu werden. Aber keine Sorge, es folgt kein Schlachtfest des Hasses, das wäre dann doch zuviel des Guten. Trotz der Wucht der Emotionen kommt die Rache handwerklich ganz leise daher. Man fühlt sich als Leser selbst ein bisschen schuldig. Schließlich haben wir alle etwas auf dem Kerbholz.
Die Weihnachtsgeister des Gerhard Lau – übrigens das zweite Heft des Lit.Limbus – ist eine Sonderpublikation im ersten Lit.Limbus-Zyklus. Dort wiederum geht es um eine Wette unter Autoren: 500 Euro für den, der bis zur nächsten Leipziger Buchmesse einen lukrativen Autorenvertrag vorweisen kann. Aber wie wir spätestens seit Goethe wissen: keine Wette ohne Teufel. Das Elysium mischt kräftig mit und sorgt für pulpig-trashige Überraschungen. Damit sich auch andere Autoren versuchen können, startet mit der Frankfurter Buchmesse 2010 die Ausschreibung für die zweite Lit.Limbus-Staffel SAGA. Historienromane in Heftform für alle unbekannten Autoren. Aber Achtung, dieser Wettbewerb ist hart! Und die Lektorin gnadenlos ...
Welcher Autor die 500 Euronen in der ersten Staffel gewinnt und wie der nächste Sonderausgabe des Lit.Limbus heißt, erfährt der geneigte Leser unten. Vorbeisurfen, reinklicken und mitschreiben.
A. Nonymouse
Meeting Hugo Bain
Allein schon die Idee ist genial: Zehn Autoren legen sich mit dem Teufel an, um einen lukrativen Vertrag zu ergattern. Wer diesen Wettstreit für sich entscheiden kann, wird mit 500 Euronen belohnt. Nur 500 Euronen, werden Sie sich fragen? Das ist ja gar nichts für einen Autor, der zum Bleistift bei Random house anheuert und als Belohnung eine Serie irgendwelcher Genreromane schreiben darf, die dann auf den Markt geworfen werden.
Frank Trash, der vom Blitzschlag in andere Dimensionen geschleuderte Autor, wird vom Teufel höchstpersönlich darauf hingewiesen, dass sich eine Veröffentlichung bei Random house mit dem edlen Wettstreit unter Autoren nicht verträgt. Nun ja, und es geht schließlich nicht nur um die 500 Euro, sondern hauptsächlich darum, dass es Ehrensache ist, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen.
Frank Trash hat mit dem Schreiben von Groschenromanen jede Menge Geld verdient. Doch zweifach vom Blitz getroffen vernebelte sich sein Bewusstsein und er wird in ein Abenteuer hineingetrieben, das ihn am Ende mit seiner erfundenen Figur, einem passionierten Mörder, in einen Showdown allererster Güte konfrontiert. Ist es Traum, ist es Wirklichkeit, ist es Leipzig, ist es Paris, ist es in einem Flugzeug, ist es in einem TGV? Frank kennt sich nicht aus und dann spricht auch noch dieser blöde Geist aus ihm, den er am liebsten zum Teufel… Ach nein, das lieber doch nicht.
Hier wird Trash auf höchstem Niveau verzapft. Durch ineinander verschränkte Handlungsmuster wird es manchmal ein wenig kompliziert, doch im Zweifelsfall wissen hartnäckige Geisterstimmen Rat. Ja, ja, der Name Trash ist Programm und der Autor, Herr Mühlehner, erzählt in einem kleinen Essay am Ende von den Eigenheiten und Weitläufigkeiten der Trash-Kultur. Heftromanen haftet heutzutage das Etikett „billig und Schund“ an, obzwar es viele schlechte Trash-Romane sogar auf Bestseller-Listen schaffen. Wer das Geld hat, hat das Sagen und bestimmt die „Qualitätskriterien“ von Literatur. Kann das tatsächlich wahr sein? Oh ja, da steckt viel zwischen den Zeilen, und diese Geschichte von Frank Trash, der Hugo Bain wohl als einziger Mensch auf der Welt furchtlos begegnet, weil er eigentlich wissen müsste, wie seine erfundene Figur so tickt oder ticken könnte, das ist schon mehr als bloß irgend so ein Heftroman.
Ein Heftroman ist ein Roman ist ein Roman. Nicht alles, was günstig zu haben ist, muss schlecht sein. Und gerade Romane von Autoren, die sich vom Teufel höchstpersönlich einen Vertrag mit Random house in der Luft zerreißen lassen, ohne dies zu bedauern, können erstaunliche Qualitätsmerkmale aufweisen. Ein mehr als gelungener Einstand der Litlimbus-Reihe!
Al Truis-Mus
Meeting Hugo Bain. Lit.Limbus - pulp it!
Vor 500 Jahren erfand Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Seitdem wurde gedruckt, was immer einem Menschenhirn entsprang. Sollte man da nicht eher etwas für ein friedliches Zusammenleben aller Völker tun, statt sich jetzt schon wieder eine Autorenserie aus den Fingern zu saugen? Erstens: Herausgeber ist ein Kleinverlag, die One-Woman-Show Wunderwaldverlag. (Zweitens: Was soll das für eine Serie sein, bei dem Verlagsnamen?!) Drittens: AU-TO-REN-Serie. Hobbygeschreibsel mit Null Grammatik, jungschen literarischen Kenntnissen und unausgegorenen Ideen. Schon klar.
Schmerzlich geht die Welt zugrunde an leeren Inhalten und emotionslosen Gefühlen. In Ordnung, muss sich die Verlegerin gedacht haben, dann machen wir doch genau so eine Serie. Und packen gleich noch eine Wette drauf. Will ja sowieso jeder höher-schneller-weiter. Also. Treffen sich zehn Autoren auf der Leipziger Buchmesse. Es geht um 500 Euronen. Wer bis zur nächsten LBM einen lukrativen Verlagsvertrag vorweisen kann, kriegt die Kohle. Soweit die Story.
Das ist Michael Mühlehners Auftritt. Er hat schon „ein bisschen was“ veröffentlicht und steigt in „Meeting Hugo Bain“ in die Vollen. Sein Protagonist, Frank Trash, hat schon alles, was er will – Ruhm, Reichtum, Referenzen. Wird aber vom Blitz getroffen und fortan von Konstantin Garamant heimgesucht, seines Amtes körperloser Dybbuk auf der Suche nach dem Stein der Weisen. Das trasht schon ganz schön, oder? Mühlehner setzt noch einen drauf und erweckt Franks Protagonisten Hugo Bain zum Leben. Der ist nämlich der Held in Franks Pulp-Serie. Womit wir wieder bei der Ausgangsfrage wären: Wo ist der Clou?
Er versteckt sich in der Konzeption. Hier wird mal frisch von der Leber weg geschrieben, ohne Erfolgsdruck, ohne Händlergebabbel, ohne Preisgeschacher. Wenn man es als Kleinverlag dem Buchhandel sowieso nur schwer Recht machen kann, dann macht man doch am besten, wozu man Lust hat.
Und plötzlich funktioniert's. Ich kenne den ersten Roman schon und verhülle beschämt mein Gesicht. Von wegen grammatikloses Syntaxgestammel. Mühlehner haut dem Leser einen griffigen Satz nach dem anderen um die Ohren, treibt die Story konsequent auf den Höhepunkt bzw. von USA nach Deutschland zum Showdown in – na? Wer hat mitgelesen? Aber es ist ja eine Serie. Deshalb ist der erste Showdown nur ein Teil des finalen Wir-lösen-jetzt-auf. Frank Trash hat sowieso schon ein kleines Identitätsproblem mit seinem Hausdybbuk, da schaltet sich auch noch ein Mitarbeiter des Leibhaftigen ein und – wieder ist alles offen.
Wie bitte? Das ist Ihnen zu abstrus? Hören Sie mal, Lit.Limbus pulpt, dass Ihnen die Marmelade aufm Sonntagsbrötchen stockt. Hugo Bain ist eine astreine, romantikfreie, kalibertreue Sache. Für Autoren. Nicht für Rechtschreibfehler-Quartermains. Weils Spaß macht. Auf einem Niveau, das Ihnen die Tränen vor Freude in die Augen treibt, wenn man weiß, wie spitzfindig die Verlegerin beim Lektorat sein kann.
Übrigens: Jason Manz von Frederic Brake ist der Held des zweiten Zyklus-Romans. Würde ich mir jetzt schon sichern mittels Vorbestellung.
A. Nonymouse