Herbert und ich oder

ein Pate findet einen Autor

Anlässlich des 2. Autorenfestes des Tiempo Autorenstammtisches erfolgte eine Versteigerung von Autorenpatenschaften. Die Idee dahinter hatte die Autorin und Moderatorin der Veranstaltung, Claudia Toman. Jedes Tierchen in Schönbrunn hat irgendeinen Paten, der es – in welcher Form auch immer – unterstützt. Meist finanziell, oft durch Besuche des Tierchens, wenn auch das Gehege selbst nur in den seltensten Fällen betreten werden kann. Das ist der Vorteil eines Autors: Er kann durchaus besucht werden, ohne dass gröbere Gefahren erwartet werden könnten. Zumindest ist davon grundsätzlich auszugehen.

 

Die Patenschaft gilt für ein Jahr, endet also demgemäß am 30. November 2012. Wie der Pate seine Pflichten wahrnimmt bleibt ihm überlassen. Er kann Werbung für den Autor machen, ihn zu einem Kaffeekränzchen einladen oder den Autor durch ungewöhnliche Geschichten inspirieren. Auf der anderen Seite hat der Autor Narrenfreiheit, inwiefern er seinen Paten in seine Pläne einweiht, zu Veranstaltungen einlädt, exklusive Geschenke angedeihen lässt oder überhaupt namentlich und an geeigneter Stelle erwähnt. Im Grunde besteht für ein ganzes Jahr eine besondere Beziehung zwischen Pate und Autor. Eine Verlängerung der Patenschaft ist keineswegs ausgeschlossen, ja sogar wünschenswert.

 

Nunmehr folgt der erste Streich, indem ich meinen Paten vorstelle. Sein Name ist Herbert Fuchs. Ich kenne ihn seit etwa zwei Jahren. Er ist regelmäßiger Besucher des Autorenstammtisches, und ich behaupte ganz frech, dass in dieser kurzen Zeit eine Art von Freundschaft zwischen ihm und mir entstanden ist. Wann immer wir uns sehen, kommen wir miteinander ins Gespräch, manchmal gibt es sogar Anflüge von Disputation. Herbert hat mir vor einem guten Jahr eine ganz persönliche Mail geschickt, die ich seither in Ehren halte. Eine seiner Eigenarten als Autor ist es nämlich, dass er Briefe und Mails mit literarischem Anspruch verschickt. Es hängt ganz vom Empfänger ab, welchen Wert er den persönlichen Texten beimisst. Ich war allemal erfreut. Herbert gibt sich viel Mühe und seine Texte sind fein geschliffen und nicht grob gehackt. Der „Zufall“, den ich – und das möchte ich besonders betonen – nicht als „Zufall“ durchgehen lassen will, brachte es also mit sich, dass ich im Gegenzug Herbert als meinen Paten mit einer persönlich gestalteten Postkarte beschenken durfte. Auf dieser Postkarte prangt ein einzigartiger Text, der nur für den Paten gedacht ist. Freilich ist es nicht gestattet, diesen Text in aller Öffentlichkeit preiszugeben.

 

Herbert hat mich als Patenautor ersteigert. Als Lohn dafür bekam er ein Buchpaket. Wir werden unsere neue Beziehung im Rahmen unserer Möglichkeiten entwickeln und daraus das Bestmögliche machen. Die Tatsache, dass ich gerne den Zentralfriedhof besuche (und im Rahmen meiner Lesung darauf hingewiesen habe, dass diese Örtlichkeit mein Lieblingsplatz in Wien ist), mag die meisten potenziellen Mitbieter verschreckt haben. Herbert aber hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und den Jackpot geknackt. Nun hat er den Salat, äh, mich als zu protegierenden Autor im Lebensgepäck. Möge uns ein spannendes Jahr bevorstehen!

 

 

Meine erste Berührung mit einem literarischen Kreis erfolgte Anfang der 1990´er Jahre.

Ich geriet in Kontakt mit der Lesedition, und beteiligte mich zunächst an einem literarischen Wettbewerb.

 

Anschließend erfolgte nach mehreren Monaten eine Dokumentation des „Leserpreises“, wobei ich mit keinem Text vertreten bin. Kurios ist allerdings die Tatsache zu bewerten, dass auf dem Cover meine Erfahrung mit den literarischen Texten dokumentiert ist. Und dies in handschriftlicher Form! Seinerzeit gab es noch kein Internet, und ich schrieb auch keinen Brief auf einer Schreibmaschine. Somit ist dies das einzige Werk mit literarischem Hintergrund, aus dem meine Handschrift hervorgeht.

 

Später traf ich mich mehrmals anlässlich „literarischer Runden“. Einmal war auch ein Freund zugegen, und an die damaligen Geschehnisse erinnere ich mich besonders gut. Zum Einen, weil meine erste „öffentliche Lesung“ erfolgte, und ich eine Geschichte zum Vortrag brachte, die auf einem Friedhof spielte. Zum Anderen, weil wir „Literaten“ danach über die Texte sprachen, und ein älterer Mann die Frage in den Raum warf, wieso ein so junger Mann wie ich (damals war ich knapp 20 Jahre alt) ausgerechnet über Friedhöfe und die Endlichkeit des Lebens schreibt. Meine Antwort war, dass diese Auseinandersetzung mit dem Alter nichts zu tun habe, sondern einem Interesse entspränge. Tja, und die Themen Liebe und Tod sind nun mal, wie ich jetzt weiß, die Wichtigsten in der Weltliteratur…

 

Aus dieser Geschichte und deren Folgen ist auch eine Skizze übrig geblieben, die meine zeichnerischen Qualitäten offenbart. Ich hatte damals eben erst Franz Kafkas literarische Werke kennen gelernt, und betrachte die Skizze als versuchte Annäherung an dessen zeichnerischen Stil.  

 

Keine Lesung ohne Publikum

 

 

Ich bereitete mich gewissenhaft auf eine Lesung vor, die für den 25. Oktober 2006 angesetzt war. Ja, ich konnte kaum den Tag erwarten, an dem ich endlich aus meinem Roman „Das diabolische Experiment“ vorlesen würde…

 

… und dann kam der Tag, kam der Abend dieses Tages, wurde es 20 Uhr und ich saß mit der Initiatorin im Veranstaltungslokal und hoffte darauf, dass sich doch noch ein paar Zuhörer hierher verirren mochten. Ja, ich gehörte nun also zu den Autoren, welche die Erfahrung machen dürfen, eine angekündigte Lesung nicht abhalten zu müssen, weil schlicht und einfach das Publikum fehlte.

 

Im Nachhinein mag es hauptsächlich daran gelegen haben, dass eine Lesung am Vorabend  eines Feiertages kein Publikumsmagnet sein kann. Zumindest dann nicht, wenn der Autor keinen enormen Bekanntheitsgrad hat. Wobei auch Autoren mit einem hohen Bekanntheitsgrad schon vor nahezu leeren Rängen gelesen haben sollen (allerdings haben – zumindest manche von ihnen – gelesen!) Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Lesung von Klaus Wagenbach (dem wunderbaren Kafka-Biographen!), dessen Lesung vor vielleicht zehn ZuhörerInnen stattfand, und dies deswegen, weil etwa eine halbe Stunde vor der Veranstaltung ein schweres Gewitter über Wien gezogen war.

 

Auch Kulturinteressierte lassen sich also offenbar von Banalitäten abhalten, einer Veranstaltung beizuwohnen. Kann der „falsche Tag“ eine Banalität sein? Ich behaupte mal energisch: Ja!

Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.