Der Autor Jürgen Heimlich –
und wie er die Welt sieht
Meine erste Berührung mit einem literarischen Kreis erfolgte Anfang der 1990´er Jahre.
Ich geriet in Kontakt mit der Lesedition, und beteiligte mich zunächst an einem literarischen Wettbewerb.
Anschließend erfolgte nach mehreren Monaten eine Dokumentation des „Leserpreises“, wobei ich mit keinem Text vertreten bin. Kurios ist allerdings die Tatsache zu bewerten, dass auf dem Cover meine Erfahrung mit den literarischen Texten dokumentiert ist. Und dies in handschriftlicher Form! Seinerzeit gab es noch kein Internet, und ich schrieb auch keinen Brief auf einer Schreibmaschine. Somit ist dies das einzige Werk mit literarischem Hintergrund, aus dem meine Handschrift hervorgeht.
Später traf ich mich mehrmals anlässlich „literarischer Runden“. Einmal war auch ein Freund zugegen, und an die damaligen Geschehnisse erinnere ich mich besonders gut. Zum Einen, weil meine erste „öffentliche Lesung“ erfolgte, und ich eine Geschichte zum Vortrag brachte, die auf einem Friedhof spielte. Zum Anderen, weil wir „Literaten“ danach über die Texte sprachen, und ein älterer Mann die Frage in den Raum warf, wieso ein so junger Mann wie ich (damals war ich knapp 20 Jahre alt) ausgerechnet über Friedhöfe und die Endlichkeit des Lebens schreibt. Meine Antwort war, dass diese Auseinandersetzung mit dem Alter nichts zu tun habe, sondern einem Interesse entspränge. Tja, und die Themen Liebe und Tod sind nun mal, wie ich jetzt weiß, die Wichtigsten in der Weltliteratur…
Aus dieser Geschichte und deren Folgen ist auch eine Skizze übrig geblieben, die meine zeichnerischen Qualitäten offenbart. Ich hatte damals eben erst Franz Kafkas literarische Werke kennen gelernt, und betrachte die Skizze als versuchte Annäherung an dessen zeichnerischen Stil.
Keine Lesung ohne Publikum
Ich bereitete mich gewissenhaft auf eine Lesung vor, die für den 25. Oktober 2006 angesetzt war. Ja, ich konnte kaum den Tag erwarten, an dem ich endlich aus meinem Roman „Das diabolische Experiment“ vorlesen würde…
… und dann kam der Tag, kam der Abend dieses Tages, wurde es 20 Uhr und ich saß mit der Initiatorin im Veranstaltungslokal und hoffte darauf, dass sich doch noch ein paar Zuhörer hierher verirren mochten. Ja, ich gehörte nun also zu den Autoren, welche die Erfahrung machen dürfen, eine angekündigte Lesung nicht abhalten zu müssen, weil schlicht und einfach das Publikum fehlte.
Im Nachhinein mag es hauptsächlich daran gelegen haben, dass eine Lesung am Vorabend eines Feiertages kein Publikumsmagnet sein kann. Zumindest dann nicht, wenn der Autor keinen enormen Bekanntheitsgrad hat. Wobei auch Autoren mit einem hohen Bekanntheitsgrad schon vor nahezu leeren Rängen gelesen haben sollen (allerdings haben – zumindest manche von ihnen – gelesen!) Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Lesung von Klaus Wagenbach (dem wunderbaren Kafka-Biographen!), dessen Lesung vor vielleicht zehn ZuhörerInnen stattfand, und dies deswegen, weil etwa eine halbe Stunde vor der Veranstaltung ein schweres Gewitter über Wien gezogen war.
Auch Kulturinteressierte lassen sich also offenbar von Banalitäten abhalten, einer Veranstaltung beizuwohnen. Kann der „falsche Tag“ eine Banalität sein? Ich behaupte mal energisch: Ja!