Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Blumfeld, ein älterer Arbeitsloser

Franz Kafka hat eine große Anzahl hochinteressanter, komplexer Figuren geschaffen. Einige dieser Figuren werden in die Jetzt-Zeit transformiert, und in dieser neuen „Dimension“ finden sie sich ebenso wenig zurecht wie viele Jahrzehnte zuvor. Ihr Scheitern ist also vorprogrammiert.

 

Wie mögen sich Menschen fühlen, die ihren Job, den Glauben an die Liebe, auch nur den kleinsten Anflug von Selbstvertrauen verloren haben? Diese Erzählungen sind keine leichte Kost. Sie widmen sich den Verlierern der Gesellschaft, jenen, die sonst immer im Schatten stehen. Es muss kein happy end made in Hollywood geben, das die fortwährend Scheiternden letztlich wie durch ein Wunder als Strahlefrauen und Strahlemänner zeigt. Das Leben kann so brutal, melancholisch, traurig und ernüchternd sein, wie es diese Erzählungen darstellen. Oder wie es Ingeborg Bachmann so wunderbar formulierte: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“

Blumfeld, ein älterer Arbeitsloser

Erzählungen

Edition Schreiblöwe, 2009, 122 Seiten

EUR 10,80

ISBN 978-3-902574-21-3

 

Erhältlich bei:

 

Die zwei Leben des Sebastian

Diametrale Erzählungen 

 

Mit dem Eintritt in die Schule beginnt das Mirakel: Der Mensch wird in eine bestimmte Richtung gedrängt, und es wird ihm nahe gelegt, sich konform zu verhalten. Das Sprüchlein: "Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Leben" steht bald auf der Tafel im Klassenzimmer, wobei sich kein Schüler irgendetwas darunter vorstellen kann. Das Leben nämlich spielt sich außerhalb der Schule ab: Weshalb sollten die Schüler also ausgerechnet in der Schule fürs Leben lernen?

Es gilt hinkünftig für den Schüler, sich in ein halbwegs brauchbares Mitglied der Gesellschaft zu verwandeln. Noch weiß der junge Mensch nicht definitiv, das es ein "Ziel" darstellen mag, sich mit irgendeiner Arbeit zu "identifizieren" oder aber für Nachwuchs zu sorgen, da nur dadurch die Zukunft der menschlichen Gesellschaft dauerhaft gewährleistet ist. Älter geworden prasseln auf den Berufsanfänger allerlei "Regeln" ein, an die er sich zu halten hat. Bricht er eine dieser Regeln, wird er es sowohl in der "Arbeitsgesellschaft" als auch im eigentlichen Leben schwer haben.

Die beiden Erzählungen des Autors beleuchten aus selbstreflexiver und biographischer Sicht die Geschichte eines Menschen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter, der nur schwer in irgendein "Schema" zu pressen ist. Irgendwie mag der Protagonist nicht in diese "Welt" passen. Ein Nonkonformist, ein Rebell, ein Schreibwütiger, eine Leseratte, ein Fantast, ein Visionär, ein Zwangsneurotiker, ein Gesellschafts- und Konsumkritiker, ein Schnelldenker, ein Träumer, ein Liebesheld, ein Therapieerfahrener, kurzum ein unangepaßtes Mitglied der Gesellschaft, das weder dem Leistungsprinzip noch dem Kapitalismus allzuviel abgewinnen kann.
Wären die meisten Menschen wie Sebastian veranlagt, dann käme es wohl zu einem Zusammenbruch des Turbokapitalismus, da weder der Arbeitsgesellschaft noch dem künstlich aufgeblasenen Wirtschaftswachstum ein "fruchtbarer" Boden bereitet wäre. Die meisten Menschen sind aber angepasst, und stellen ihr eigenes Dasein inmitten einer merkwürdig von wenigen Profiteuren gesteuerten Gesellschaft nicht in Frage. Dafür wird alles in Frage gestellt, das nicht in das Schema der "Normalität", sprich gut koordinierter Konformität, hineinpasst.
Nicht nur Sebastian ist ein Außenseiter, weil er die Auswüchse einer fehlgesteuerten (Arbeits)gesellschaft kritisiert und dagegen hält; Außenseiter und nichtkonforme Gesellschaftsmitglieder gibt es viele (von denen allerdings in diesen Erzählungen nicht die Rede ist, das wäre Material für ein eigenes Buch): geistig und/oder körperlich Behinderte, Flüchtlinge, Asylanten, Arbeitslose, Obdachlose, spezifisch Begabte und/oder unentdeckte Genies usw.

Das Leben des Sebastian wird also von zwei Seiten aus beleuchtet: Von ihm selbst reflexiv, und von einem Biographen. Die Eigenheiten des Protagonisten kommen dadurch auf differente Weise zur Geltung. Der Autor hat es vermocht, auf kurzweilige und die Gedanken des Lesers anregende Weise das Leben eines Menschen abzubilden, der nirgends dazu zu gehören scheint, und doch einen besonders wichtigen Platz in dieser Welt einnimmt: Denn ohne Systemkritiker wäre echter gesellschaftlicher Fortschritt abseits von politischer Lügenpropaganda und Vereinfachung der Realität nicht

 

 

(© Al Truis-Mus)

 

 

Die zwei Leben des Sebastian

Diametrale Erzählungen

Engelsdorfer, 2006, 124 Seiten,

EUR 9,60

ISBN-10: 393940439X

ISBN-13: 978-3939404392

 

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Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist ein ganz spezieller Löwe.
Erfahrt in dem ersten Kinderbuch von Jürgen Heimlich
was es mit Bumba auf sich hat.
Wie es ihm im Zirkus und im Zoo ergeht.
Was hat es mit den Kindern, Martin und Petra, in Bumbas Leben auf sich?
Kann Bumba eine Freundschaft aufbauen?
Welche Rolle hat Gonzo der Clown in Bumbas Leben?
Eine spannende Geschichte mit vielen Überraschungen.

Ein Löwe zum verlieben!

 

© Pia Bächtold

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.