Di

24

Aug

2010

Der Knacks in der Gegenwart

Eines Abends hatte ich eine Begegnung mit Roger Willemsen. Er sprach mit mir nur wenige Minuten, doch ich fühlte mich durchschaut. Einige Jahre später beschäftigte ich mich mit einem ungewöhnlichen Essay, der einst ein Bestseller war. „Der Knacks“ setzt sich mit jenen Momenten im Leben auseinander, durch die unabänderlich etwas verloren geht. Das Leben ist nun mal ein Experiment, das sich nicht wiederholen lässt. Der Knacks verläuft durch alle Lebensläufe der Menschen, prägt sie, verändert sie, markiert sie. Die ersten und die letzten Kapitel sind großartig. Es geht buchstäblich um Leben und Tod, um das Altern, um Krankheiten, um den Selbstmord. Der Mittelteil hat mich weniger vom Hocker gerissen. Da wird unheimlich viel sublimiert. Die Analyse von menschlichen Regungen, Worthülsen und Emotionen können den Leser leicht verwirren. Schaut Roger Willemsen mitten in die Menschen hinein, öffnet er deren Herzen, Seelen und Körper? Findet er dann alles, was er sucht?

 

Vielleicht gefällt sich Roger Willemsen darin, möglichst schwer verständliche Sätze zu generieren. Leider gelingt es ihm dadurch, Unbehagen auszulösen. Ich habe lange gebraucht, um den Essay fertig zu lesen. Alle paar Seiten fragte ich mich, ob dieser oder jener Dialog tatsächlich stattgefunden haben könnte oder ob der Autor nur illustrieren will, was den „Knacks“ sichtbar macht? Metakommunikation, das Schwafeln über sinnloses Zeug und richtiggehende Wortkalauer wechseln sich ab. Fein, dass es die wunderbaren Kapitel gibt. Wenn Willemsen auf sich selbst bespiegelnde Satzmonstren verzichtet, wird einem vielleicht sogar bewusst, wie wichtig dieser Essay ist. Wichtig im Sinne der Weitläufigkeit, Weisheit, Erkenntnismöglichkeit. Im Alter verläuft der Knacks anders. Die Vergangenheit nimmt plötzlich überhand, die Zukunft weist auf den Tod. Doch muss es so sein? Ohne eine Wertung abzuliefern scheint mir, als wolle Willemsen eine Gegenrichtung andeuten. Der Knacks, die unsichtbaren Linien zahlreicher Verluste brauchen sich nicht über das Leben des Menschen zu legen, als gäbe es keine Gegenwart. Das Leben hat keine Zukunft und keine Vergangenheit, es ist immer Gegenwart. Auch der Knacks wird in der Gegenwart sichtbar, breitet sich dann aber natürlich in die Zukunft aus und wird zu seiner eigenen Vergangenheit.

 

Es gibt keine kontinuierliche Lebenslinie, sondern das ewige Um und Auf des Scheiterns und der unwiederbringlich verlorenen Augenblicke. Ist das schlecht, wenn der Knacks regiert? Oder ist es nicht doch eine für das Leben notwendige Komponente, ohne die pure Langeweile regieren würde?

 

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Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.