Di

10

Aug

2010

Selbstkritik

 

Im Laufe dieses Jahres habe ich an mehreren größeren literarischen Projekten gearbeitet. Drei wurden abgebrochen bzw. nicht finalisiert. Immerhin zwei Projekte sind über die Ziellinie gelaufen. Vielleicht ein guter Schnitt, vielleicht auch nicht. Max Frisch soll das Manuskript des „Stiller“ in den Mistkübel geschmissen haben, weil er damit äußerst unzufrieden war. Seine damalige Lebensgefährtin hat das Manuskript „gerettet“. Nun gut, hätte er es in tausende Stücke zerrissen oder verbrannt wäre es definitiv verloren gewesen. Ein kleiner Hoffnungsstrahl, dass der Roman doch nicht so mies ist, war also mit Sicherheit im Bewusstsein des Autors aus der Schweiz.

 

Jeder Autor mag sich die Frage stellen, welche Qualität seine Texte haben. Die Gründe, warum ich Projekte abbreche, haben nicht immer mit Qualitätskriterien zu tun. Natürlich geht es letzten Endes aber um die Qualität. Denn wenn ein Projekt zu Ende gebracht wurde, setzt die Selbstkritik verschärft ein: Erfüllt dieser Text die großartigen Erwartungen, die ich in ihn gesetzt habe? Jeder Text – selbst wenn er objektiv betrachtet außerordentlich gut ist – könnte noch besser sein. Nach oben hin gibt es keine Grenzen. Somit habe ich mir angewöhnt, meine Texte selbst zu bewerten. Ich versuche, meinen Texten gegenüber nicht noch kritischer zu sein als Texten fremder AutorInnen gegenüber, was mir nicht immer gelingt. Im Mistkübel ist bislang noch kein Text gelandet. Nicht, weil kein Text so großartig schlecht wäre, sondern weil ich den Überblick behalten will. Das grandiose Scheitern, hanebüchene Kapitel eines Romans, eindimensionale Satzungetüme, lieblose Gedichte, alles schon passiert und halb so schlimm.

 

AutorInnen sind nach außen hin als Menschen sichtbar, die Literatur schaffen. Manche Texte erblicken das Licht der Öffentlichkeit und die AutorInnen werden an diesen gemessen. Vielleicht sind es aber gerade die aus Sicht der AutorInnen gescheiterten, hanebüchenen, eindimensionalen, lieblos dahingekritzelten Texte, die das Zeug zu höheren literarischen Weihen hätten? Andererseits ist die Qualität veröffentlichter Texte oft so bescheiden, dass ich an der kritischen Haltung der Verlagsverantwortlichen zweifle. Bereits weithin bekannte und „erfolgreiche“ AutorInnen sind dazu auserkoren, sich selbst an der Hand zu nehmen und nicht aus der Sicherheit heraus, dass ihre Texte ohnehin zu für sie guten finanziellen Konditionen veröffentlicht werden, die Selbstkritik völlig außen vor zu lassen. Die kritische Einstellung den eigenen Texten gegenüber darf nie verloren gehen. Selbstverliebte Intellektuelle erzählen gerne davon, wie intellektuell sie wären, und selbstverliebte AutorInnen interpretieren die Großartigkeit ihrer Romane in großem Stil. Gegen Selbstverliebtheit ist ja nichts einzuwenden. Wenn diese allerdings dazu führt, dass das eigene Leben und Schaffen als das non plus ultra angesehen wird, nun ja…

 

Zurück zum Start. Ich schätze mal, dass vielleicht 20 % der Texte, die ich im Laufe meines Autorenlebens geschrieben habe, gewisse Qualitätskriterien erfüllen. Und zwar von jenen, die fertig geschrieben wurden. Wenn ich die unzähligen Sätze, die während einer literarischen Schaffensphase niedergeschrieben und gestrichen werden, abziehe, kann von 20 % freilich nicht mehr die Rede sein. Am Ende geht es aber darum, sich selbst in den Spiegel schauen zu können. Und ich freue mich über jeden von mir geschriebenen Text, den ich als halbwegs gelungen einstufe. Ob dies wirklich zutrifft, mögen meine LeserInnen beurteilen, insofern diese Texte veröffentlicht wurden.

 

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Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.