Mi

28

Jul

2010

Überschneidungen

Die Lieblingsautoren von Paul Auster sind Kafka und Dostojewski. Meine Lieblingsautoren sind Kafka, Dostojewski und Paul Auster. Das schreibe ich nicht einfach so dahin, sondern ist eine erstaunliche Tatsache, an die ich jedes Mal erinnert werde, wenn ein neuer Roman von Paul Auster den Buchmarkt erobert.

 

Für mich ist Paul Auster so etwas wie ein „Bruder im Geiste“. Ich lese die ersten Seiten eines von ihm geschriebenen Romans und schon habe ich das Gefühl, dass ich mit den Worten persönlich angesprochen bin. Es ist wie eine Rückkehr in ein wohlbekanntes Gebiet. Ich genieße es, die Romane zu verschlingen und mir Gedanken darüber zu machen. Im Juni 2008 hatte ich die Gelegenheit, Paul Auster persönlich kennen zu lernen. Ich hätte ihn anlässlich des Prager Autorenfestivals ansprechen und also ein paar Worte mit ihm wechseln können. Aber nein, ich wollte nicht bzw. konnte nicht. Irrsinn, Kuriosum, ein Blackout? Vielleicht wäre der Turm Paul Auster umgefallen, wenn er belanglose Worte mit mir gewechselt hätte. Small talk zwischen Paul Auster und mir, irgendwie eine Denkunmöglichkeit. Der Autor so grandioser Werke wie New York Trilogie, Timbuktu, Leviathan und Mister Vertigo als netter Small talker? Vielleicht wäre es so gewesen, vielleicht auch nicht. Ich wollte mir meine Vorstellungen von Paul Auster bewahren und ein persönliches Gespräch hätte diese Vorstellungen unter Umständen ins Wanken gebracht. Die unumgänglichen Interpretationen der Worte eines Gesprächspartners hätten mich womöglich hinters Licht geführt. Ich bin davon überzeugt, dass meine Entscheidung die Richtige war.

 

Warum ich das oben geschriebene erwähne? Weil Paul Auster mich mit seinem neuen Roman wiederum in den Bann gezogen hat. Von der ersten Seite an bin ich Teil des Geschehens. Schade nur, dass das vierte und letzte Kapitel mir ein wenig langweilig vorkommt. Doch seinem Lieblingsautor verzeiht man alles, selbst die schlechtesten Bücher, zu denen Unsichtbar aber keineswegs gehört. Ein junger Mann steht im Mittelpunkt, der von einem Dasein als Autor träumt. Ein etwas älterer Mann gibt vor, ihn zu fördern, bei der Gründung einer Literaturzeitschrift zu unterstützen. Und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Der junge Mann wird Zeuge eines abscheulichen Verbrechens, das der etwas ältere Mann verübt. Die Konsequenzen für Mister Walker, dem jüngeren Mann, sind eklatant. Sein Leben verläuft in ungeahnten Bahnen.

 

Der Kunstgriff von Paul Auster besteht darin, den Roman einerseits aus mehreren Perspektiven zu erzählen und andererseits mehrere Dimensionen und Erzählebenen ineinander zu verschachteln. Daraus ergibt sich ein Mosaik, das nicht bis zum letzten Stein ausgelegt werden kann. Es bleiben Fragwürdigkeiten zurück. Worüber ich am Ende besonders erstaunt war und bin ist eine weitere Eigenheit, die Paul Auster (wieder mal) mit mir verbindet. In Unsichtbar geht es um Aufzeichnungen, welche – scheinbar – nicht immer der Wahrheit entsprechen bzw. erstunken und erlogen sind. Die Verschränkung von Tagebuchaufzeichnungen sowie literarischer Texte mit den eigentlichen Erzählebenen habe ich in einem meiner Romane auch versucht. Inwiefern können wir LeserInnen tatsächlich nichtfiktiven Texten Glauben schenken? Menschen tendieren in ihrer Lebensauffassung dazu, Erfahrungen und Erkenntnisse abzuwerten, zu sublimieren, zu erfinden und zu bestreiten. Wie glaubwürdig sind denn die Menschen überhaupt? Ist ihnen zu trauen? Haben sie das Zeug, alles in ein anderes Licht zu rücken? Mister Born, der etwas ältere (doch immer noch junge Mann zu Beginn des Romans) Mann behauptet mit dem Brustton der Überzeugung, einen Menschen nicht ermordet zu haben. Mister Walker ist vom Gegenteil überzeugt, und daraus ergibt sich das angedeutete Desaster.

 

Paul Auster hat mich trotz des mäßigen letzten Kapitels ein weiteres Mal überzeugt. Ich mag seine Romane sehr und so sei mir eine möglicherweise überzogene Kritik erlaubt. Dass es sogar Überschneidungen zwischen ihm und mir bei den Intentionen des Schreibens geben könnte ist wahrscheinlich nachvollziehbar. Ich kenne die Werke von Paul Auster zur Gänze, habe sie in mich eingesogen. Seine Kunstgriffe sind mir wohlbekannt und dass ich dann auf eine Idee komme, die ebenso von ihm zu irgendeinem anderen Zeitpunkt kreiert wurde oder kreiert werden könnte, keineswegs überraschend. Vielleicht wird es mir in Zukunft auch einmal gelingen, meine Vorstellungen ähnlich meisterhaft umzusetzen wie dies Paul Auster mit den meisten seiner veröffentlichten Romane gelungen ist. Wie dies Paul Auster selbst sieht, habe ich ihn nicht fragen wollen. Wahrscheinlich ist er von seinen eigenen Werken gar nicht mal so überzeugt. Wer Kafka und Dostojewski als Lieblingsautoren und Vorbilder hat, ist eher davor gefeit, das eigene Schreiben zu überhöhen oder auch nur gerecht zu bewerten.

 

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With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

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Blumfeld, ein älterer

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Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

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Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

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Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

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Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.