Mi

21

Jul

2010

Fußball und Literatur, Teil 3

Ich werde keine Nachbetrachtung der Fußballweltmeisterschaft 2010 betreiben. Es war eine sehr gut organisierte, aber von der Qualität der Spiele her gesehen eher enttäuschende Veranstaltung. Mehr ist dazu fast nicht zu sagen. Es ist nur zu hoffen, dass die großen Stadien sinnvoll genutzt werden können, und wenigstens ein kleiner positiver Effekt auf die arme Bevölkerungsschicht sichtbar geworden ist, was wohl jedoch fast ausgeschlossen werden kann. Verdient an der ganzen Sache hat wieder mal nur die FIFA. Einige honorige Herren haben über Gebühr abgecasht, doch das ist eine Geschichte, die in Abgründe führt, von denen hier nicht die Rede sein soll. Ich will mich der Literatur widmen.

 

Und zwar der Literatur und dem Fußball. Ich weiß nicht, ob ich die Chance bekommen werde, mich in einem Testspiel für die Literatennationalmannschaft zu bewähren. Doch mein nächster gewagter Schritt geht in Richtung Augustin Cup, wo ich das Team der Friedhofstribüne unterstützen möchte. Meine gut 20-jährige Kickabstinenz tut der guten Sache keinen Abbruch. Irgendwie verspüre ich schon länger den Antrieb, ein bisserl zu kicken. Verausgaben möchte ich mich dabei keineswegs, aber die Reaktivierung ballesterischer Ansätze lässt mich in Erinnerungen tauchen.

 

An einigen Ereignissen aus frühester Jugend führt kein Weg vorbei, die sind in meinem Gedächtnis felsenfest gespeichert. Ich erzielte das vielleicht schnellste Tor in der Geschichte meiner damaligen Schule, als ich bei einem Hallenfußballturnier nach geschätzten drei Sekunden den Ball im gegnerischen Goal oben links versenkte. Grenzenloser Jubel der Mannschaftskollegen, eh klar. Und niemand verstand, warum ich dann in der zweiten Halbzeit nicht zum Einsatz kam. Das war wohl die „Idee“ des Kapitäns, der mir später oder früher (das weiß ich nicht mehr genau) einen Einsatz in einem Finale versagte, weil ich im Halbfinale beim Stand von 8:2 für die unsrigen nicht mehr den nötigen Kampfgeist aufbrachte. Nun ja, demütigen wollte ich den Gegner nicht. Dafür kam es im Finale zu einer Demütigung der unsrigen, woran ich unbeteiligt war. Das Team kam 0:9 unter die Räder, und ich war Zaungast. Irgendwie gönnte ich dem Gegner den Kantersieg.

 

Mein schönstes Tor erzielte ich bei einem klasseninternen Spielchen auf einem gar nicht so schlecht gepflegten Fußballplätzchen. Ich überspielte mindestens drei Gegenspieler und überhob dann den Goalie nahezu perfekt. Einige Zeit später kam es zum ersten und einzigen Mal dazu, dass ich ungewollt für die „Auslage“ spielte. Ich legte zwei Tore mustergültig auf, war maßgeblich an einem 5:4 Überraschungssieg beteiligt. Das Angebot eines Fußballvereins, mich in deren Reihen aufzunehmen, lehnte ich jedoch ab. Schon damals war ich eher ein Einzelkämpfer. Doch langsam, wie mein plötzliches Engagement für ballesterische Einsätze zeigen mag, erwacht der Teamgeist in mir. Damit wird Literatur und Fußball zumindest kurzfristig zu einer Einheit. Und das taugt mir schon.

 

Trackback-Url für diesen Artikel


Trackbacks / Pingbacks: 0

Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.