Mo

12

Apr

2010

Mainstream

 

Denglisch ist längst eine „besonders beliebte“ Sprache. Und zwar nicht nur in „Managerkreisen“. Da lassen sich viele Witze darüber erzählen, was ich aber nicht vorhabe. Stattdessen geht es mir um ein einziges Wort, das in Mode gekommen ist, und nicht zuletzt in der Literatur Bedeutung erlangt hat. Es handelt sich um den sogenannten Mainstream. Damit ist allgemein der kulturelle Geschmack einer großen Mehrheit gemeint. In der Pop-Kultur gilt Mainstream als Abgrenzung zum Independent, wobei wir bei einem weiteren englischen Begriff wären. Nun ja, und die Chance auf literarischen Erfolg erhöht sich eklatant, insofern damit der Mainstream getroffen wird.

 

Ich beschäftige mich schon länger mit dem Phänomen Mainstream. In Hinblick auf literarische Werke geht es darum, ein möglichst großes Publikum mit unterhaltsamen und nicht zu anspruchsvollen Texten zu beglücken. Selbstreflexion, Nadelstiche in die dunklen Seiten der Menschen und der Gesellschaft sind nur mehrheitsfähig, wenn entweder sensationelle Dinge beschrieben oder mit Versatzstücken aus Fantasy, Historie und Horror gespielt wird. Das muss freilich noch nicht heißen, dass eine gute Umsetzung eines an den Mainstream angepassten literarischen Werkes augenblicklich zu Ruhm und Ehre des Autors gereicht und sich die Verlage um das Manuskript balgen. Aber die Chancen sind allemal relativ gut.

 

Der Mainstream bildet immer auch die Befindlichkeit einer Gesellschaft ab. Nicht zum ersten Mal kommt mir da in den Sinn, dass Kafka, Dostojewski oder Hesse heutzutage als Literaten abgemeldet wären. Innere Zerrissenheiten eines Helden müssen – wenn schon geschildert – Aspekte hervorbringen, die über ein persönliches Unglück hinausgehen. Die Darstellung der gesellschaftlichen Realität gewinnt durch Überzeichnung, Satire, Tabubruch. Es mag eine gute Methode geben, als Autor Erfolg „anzuziehen“. Nämlich immer wieder zu studieren, welche Methoden jene Autorinnen und Autoren anwenden, die schon Erfolg hatten oder gerade haben. Und hierbei ergibt sich wieder: Jene, die den Mainstream bedienen. Wobei der Mainstream freilich sehr schnell in eine andere Richtung ausscheren kann. Es gilt also, die richtigen Parameter zur richtigen Zeit umzusetzen. Ich habe den lauten Verdacht, dass das nicht wenige – insbesondere „erfolgreiche“ – Autorinnen und Autoren tun.

 

Irgendwann habe ich irgendwo gelesen, dass ein literarisches Meisterwerk gar nicht übergangen werden kann. Früher oder später wird sich der Autor über den verdienten Erfolg freuen. Aber ist das wirklich so? Thomas Bernhard schrieb einmal von unzähligen Genies, die in Wien zugrunde gehen. Es mag zutreffen, dass es in Wien ungewöhnlich viele Genies sind, aber es lässt sich sicher ohne weiters auf die gesamte literarische Welt übertragen. Eine enorme Anzahl großartiger Werke wird millionenfach von Verlagen abgelehnt, und mit dem Hinweis, dass sich das Manuskript „ökonomisch nicht verwerten ließe“, an die Autorinnen und Autoren zurück geschickt. Klar, der Mainstream muss bedient werden, alles klar?

 

Auf der anderen Seite gibt es den Begriff Independent, der nicht ganz so bekannt ist wie der – eh schon wissen. Wiederum ein englisches Wort für die Tatsache, dass es nicht darum geht, den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit zu bedienen, sondern Menschen anzusprechen, die aus einem Roman, einer Geschichte, einem Krimi mehr herauslesen wollen als geistig leicht verdauliches. Auf Filme übertragen handelt es sich um jene Geschichten, die stets nach Mitternacht ausgestrahlt werden. Ausnahmen sind freilich die Kultursender ARTE und 3SAT. Wer will schon Bücher lesen, die eine intellektuelle Herausforderung darstellen? Nun ja, Menschen, die kein Interesse daran haben, immer nur mit den Wölfen zu heulen, wenn es gilt, ein Schaf einzukreisen.

 

Mein eigenes Schreiben richtet sich an Leserinnen und Leser, die nicht darauf aus sind, mit dem ewig Gleichen abgespeist zu werden. Somit war es durchaus eine gute Idee, mein allererstes Werk (lyrische Prosa) „Die Ewiggleichen“ zu nennen. Warum immer nur Magerkost, wenn das Leben zwischen Buchdeckeln viel mehr abbilden kann? Ich bin bemüht, mein Schreiben dahingehend zu entwickeln, dass dieses Leben immer lebendiger und spannender wird. Und zwar nicht, um den Mainstream zu erreichen, sondern immer zutreffender ein Teil jener Kultur zu sein, die zum Mainstream werden könnte, wenn die Menschen bereit wären, sich für sie zu öffnen. Dafür lasse ich mich gerne auf das Abenteuer Schreiben ein.

 

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Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.