Sa

27

Mär

2010

Der gläserne Dichter

 

Jedes Jahr werden unzählige neue Bücher auf den Markt geworfen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, daraus jene wenigen Kostbarkeiten zu fischen, die gut in das eigene Bücherregal passen. Große Verlage und Verlagskonzerne haben die Mittel, viel Geld in Werbung und Marketing zu stecken, sodass Bestseller konstruiert werden, die ähnlichen Erfolg haben wie die berühmten warmen Semmeln. Ein Bestseller lässt nicht auf die Qualität der Geschichte schließen, sondern auf eine Strategie des Verlages, die – warum auch immer – funktioniert hat.

 

Kein Autor ist davor gefeit, Vergleiche mit Kollegen anzustellen, und doch ist es Unsinn. „Der gläserne Dichter“ etwa fühlt sich einerseits erhaben über die erfolgreichen Autoren, andererseits ärgert er sich über deren unverdiente Erfolge. Das Marktschreierische ist ihm zuwider. Manuskripte Jahr für Jahr dem Hausverleger in den Rachen zu schmeißen ist ihm ein Frevel. Die Maxime eines Autors ist es, an den Aufgaben zu wachsen, die er sich selbst gestellt hat. Seinen Stand auf dem Marktplatz zu finden höchstens ein Nebeneffekt. Die erfolgreichen Autoren kümmern sich nach Ansicht des „gläsernen Dichters“ nicht um qualitative Höchstleistungen. Es geht einzig und allein darum, ein Publikum anzusprechen, das bereit ist, die Ware zu kaufen. Berieselt wollen die Leser werden, eingelullt von Erzählungen, die am besten keinen Schnittpunkt mit den Schwierigkeiten des Lebens haben mögen. Manche Autoren haben eine Nase für die Hauptströmungen. Sie wittern den Braten und schreiben dann drauf los.

 

„Der gläserne Dichter“ glaubt, noch lange nicht am Ende seiner Schaffenskraft angelangt zu sein. Er wird von seiner Frau Olga ökonomisch unterstützt, ist ein Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert. Tantiemen bekommt er noch in Mark bezahlt. Er ist ein Kavalier der alten Schule. Der Computer hat seinen Siegeszug erst bedingt angetreten, von Mobiltelefonen ist keine Rede. Somit kann die Geschichte des Autors als Erinnerung an eine Zeit gelesen werden, die heutzutage überschlagen wird. Er macht sich Gedanken über Werbung, die seinen Briefkasten quält. Keine Rede von Datenmüll.

 

„Der gläserne Dichter“ hat möglicherweise den Anschluss an die Gegenwart verpasst, tümpelt in der Vergangenheit herum, welche er nicht einmal bewältigt hat. Zu Psychotherapien nämlich konnte er sich nie aufraffen. Die Eigenart des Autors wird durch Psychotherapien zertrümmert. Zumindest denkt er sich das. Er liest Rezensionen über Bücher von  Autorenkollegen, und fragt sich, warum dieses „Honig um das Maul schmieren“ der Endzweck einer literarischen Betrachtung sein kann. Selbstkritik ist von überragender Bedeutung. Er ist sich dessen bewusst, ein verkanntes Genie zu sein. Gleichzeitig weiß er, dass er noch weit von jener dichterischen Größe entfernt ist, die ihn unsterblich machen mag. Das epochale Werk fehlt noch, er schreibt daran. Ein Drama soll es sein, das die Menschen zu Jubelstürmen veranlasst. Noch aber fehlt es am Feinschliff. Er hat mehr zu bieten als viele erfolgreichere Autorenkollegen. Es geziemt sich, das Schreiben nicht als Leistung zu sehen. Zehn Manuskripte in zehn Jahren zu schreiben ist leicht, wenn die Forderung an die literarische Qualität gering ist. Seine dichterischen Ergüsse werden seltener an das Licht der Öffentlichkeit gespült. Es handelt sich um Kleinode, in jahrelanger Arbeit entstandene Lichtungen, die durchaus als Meisterwerke bezeichnet werden können. Freilich in aller Bescheidenheit formuliert.

 

Dennoch fragt sich „der gläserne Dichter“, ob es zielführend ist, alles dem Schreiben unterzuordnen. Er macht gerne Urlaub in den Bergen, erfreut sich an Blümchen, hört den Vögelchen beim Zwitschern zu. Immer aber ist er Dichter, in jeder Situation. Er beobachtet haarscharf, kein Detail bleibt ihm verborgen. Ist er seine eigene Figur? Zählt er selbst nicht, bis er sich zwischen Buchdeckel drängt?

 

Die Analyse von Erasmus Schöfer zeigt den nicht erfolgsverwöhnten Autor in aller Deutlichkeit. Das Buch ist allen Autoren und Nicht-Autoren zu empfehlen. Den Autoren, weil sie sich zumindest in einzelnen Abschnitten selbst erkennen werden. Wo sie sich nicht erkennen, können sie darüber nachdenken, warum es nicht der Fall ist und daraus Rückschlüsse ziehen. Den Nicht-Autoren, weil sie über die Innenwelt eines Autors die Innenwelt aller vorstellbaren Autoren kennen lernen könnten. Ob Ähnlichkeiten zu bekannten oder weniger bekannten Autoren zufällig sind oder erwünscht mag jeder Leser für sich selbst beurteilen.

 

Und ob auch weibliche Autoren und weibliche Nicht-Autoren den Sprung ins kalte Wasser der dichterischen Freiheiten machen können? Natürlich, ohne Zweifel. „Der gläserne Dichter“ kann auch als „gläserne Dichterin“ gelesen werden. Aus Olga wird Holger, und damit hat es sich. Machen Sie die Probe aufs Exempel.

 

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Ende eines Genies

Nusch musste sehr viel von Bärbeisser gehalten haben.  Hatte geheult wie ein Schlosshund. Die Anderen ergingen sich in Witzen, Anspielungen und spielten Erstaunen vor. Ein Mann war bestialisch ermordet worden, und die Welt drehte sich weiter.


Vienna Central Cemetery

With this guide to the Central Cemetery I am offering my readers on the one hand an overview over the most important departments and sights of the cemetery well worth seeing. On the other hand I am taking my readers on five defined routes passing many points of interest mostly unknown to the average tourist and occasional visitors to the cemetery.

 

Bumba, der Zirkuslöwe

Bumba ist tieftraurig. Der Dompteur schwingt die Peitsche, und der Löwe muss Männchen machen. Er springt in der Manege herum, weil er sich bedroht fühlt. Er will nicht da sein, aber er muss. Und wenn er seine Nummer nicht gut macht, bekommt er nichts zu fressen.

 

Blumfeld

K. war erleichtert. Er saß vor seinem Computerbildschirm und atmete tief durch. Dann nahm er eine CD zur Hand und sicherte den letzten Text. Er tat dies noch ein weiteres Mal auf eine externe Festplatte. Diesen Tipp hatte ihm sein Freund Bäcker gegeben.

 

Die Weihnachtsgeister des Herrn Lau

Die Heuschrecken sind mitten unter uns! Und sie sind verderbt, verlogen – verraten. Denn irgendwann geht auch mal was schief bei einer hanebüchenen Transaktion. Und wenn ein aufmerksamer Mitarbeiter die Augen aufhält und im entscheidenden Moment zugreift – dann ist die Hölle los.

                                                                © Wunderwaldverlag

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

Lebensverdruss ist ganz gewiss keine Tugend, doch sehr wohl ein literarisches Stilmittel. Wer sich darunter jetzt nichts vorstellen kann, möge sich dieses Buch zu Gemüte führen.

(© Harald Schulz)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.