Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Do

11

Feb

2010

Plagiate

 

Immer schon hat es Plagiate gegeben. Ich will auch gar nicht mal auf ein bestimmtes eingehen, das wäre zu langweilig. Interessant ist nur, dass viele Menschen, die Plagiate fabrizieren, dies als selbstverständlich ansehen. Es handelt sich sozusagen um eine Art „Kavaliersdelikt“. Sich bei anderen Autoren, Musikern, Komponisten zu bedienen ist eine Form der Auseinandersetzung. Das Eigene geht in das Fremde über und umgekehrt. Schließlich ist jeder Künstler von anderen Künstlern beeinflusst. Wenn dann ganze Passagen in den eigenen Text einfließen, und ein Verlag nicht erkennt, dass es sich um ein Plagiat handelt, ist die perfekte Hühnersuppe verpackt. Überall in den Supermärkten wird diese Hühnersuppe angeboten. Noch weiß niemand, dass es sich nur um eine Packerlsuppe handelt, die mit zahlreichen Geschmacksverstärkern ausgestattet ist. Ohne diese Geschmacksverstärker wäre die Hühnersuppe überhaupt nicht essbar. Wenn dann das Plagiat erkannt wird, wäre es doch nur logisch, dass die falsche Hühnersuppe aus den Regalen verschwindet, oder?

 

Aber wie oft passiert das? Wie oft wird den Konsumenten eine Fälschung angeboten?

Schon Kierkegaard schrieb über die Tatsache, dass unzählige Plagiate im Umlauf sind. Nicht selten ist es ein Ding der Unmöglichkeit, diesen Fälschungen auf die Schliche zu kommen. Aber wäre es nicht Sache des Plagiators, jene Geschmacksverstärker anzugeben, die er genüsslich seinem Süppchen beimengt? Zwischen einer Inspiration und dem (fast) wortwörtlichen Abschreiben von ganzen Textpassagen ist ein enormer Unterschied. Nun gut, es gibt falsche Markenhosen, falschen Kaviar, warum nicht auch falsche Bücher? Das Problem ist nur, wenn die Plagiatoren mit ihrem dreisten Vorgehen viel Geld machen. Insbesondere ist das gegenüber den Bestohlenen eine Gemeinheit. Ich bin davon überzeugt, dass Plagiate heute überall auf der Welt Absatz finden. Das weltweite Netz stellt für viele Plagiatoren mit Sicherheit einen Selbstbedienungsladen dar. Warum nicht hier und dort grasen, und das Wiedergekäute in „neuem“ Zusammenhang wo auch immer veröffentlichen?

 

Ich finde es wunderbar, von anderen Autorinnen und Autoren inspiriert zu werden. Diese Autorinnen und Autoren ohne Nachfrage zu bestehlen, und deren Texte bzw. Textpassagen für meine auszugeben fiele mir aber nie in hunderttausend Jahren ein. Wenn ich schon der Auffassung wäre, dass das eine oder andere Zitat eines anderen Autors gut in mein eigenes Werk platziert werden könnte, dann wäre es für mich eine Verpflichtung, diesen Autor zu fragen, ob er diese Platzierung erlaubt. Insofern ich aber mehrere Seiten in „mein“ Werk implizieren wollte, so müsste ich diesen Autor als – mindestens – Co-Autor ansehen, und ihn finanziell beteiligen, sollte ich einen Verlag finden, der das Werk veröffentlicht. Schließlich sind Texte anderer Autorinnen und Autoren kein Selbstbedienungsladen, auch wenn sie öffentlich aufliegen.

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.