Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Di

08

Dez

2009

Weihnachtsgeschichte

 

Ich weiß, dass es nicht einfach ist, eine Weihnachtsgeschichte zu schreiben, die den Leser berührt und unterhaltsam ist. Vor vielen Jahren habe ich mich an einer solchen Geschichte versucht, und im besten Fall wird früher oder später eine Adaption erfolgen, die eine Neuveröffentlichung möglich macht.

 

Meine Lieblingsweihnachtsgeschichte stammt von Paul Auster. Die Geschichte wird auch im Film „Smoke“ (ganz am Schluss) erzählt. Ein junger Mann stiehlt ein paar Magazine im Tabakladen von Auggie, der den Dieb verfolgt, und nicht zu fassen bekommt. Der junge Mann verliert aber seine Geldbörse. Auggie verzichtet darauf, die Polizei zu verständigen. Einige Zeit später fällt ihm dieses Erlebnis ein, und er beschließt, zu jener Adresse zu gehen, wo sich seinerzeit der junge Mann aufgehalten haben sollte. Es ist Weihnachten, als er an die Tür klopft, und ihm eine alte Frau die Tür öffnet. Sie ist blind, und begrüßt ihn herzlich. Sie sagt ihm, dass sie sich über seinen Besuch freut, und spricht ihn als ihren Enkel an. Auggie weiß, dass sie nicht verrückt ist, sondern gerne ihren Enkel an ihrer Seite hätte. Und so spielt er das Spiel als Enkel mit, und verbringt Weihnachten zusammen mit der Frau.

 

Sie essen gemeinsam, sie reden viel, es ist eine wunderbare gemeinsame Zeit. Auggie muss kurz austreten, und bemerkt einen Stapel von Kameras. Er nimmt eine der Kameras und steckt sie ein. Dies ist der Beginn einer Leidenschaft, die essenziell für den ganzen Film ist. Als er zurück zu der alten Dame kommt, schläft sie. Ein Jahr später erinnert er sich an dieses herrliche Weihnachten und möchte die Frau besuchen. Aber an der Adresse wohnt wer anderer, und er hört, dass die Frau kürzlich verstorben ist. Er weiß, dass er mit ihr das letzte Weihnachtsfest ihres Lebens gefeiert hat.

 

Wundersame Begegnungen kann es bei jedem Weihnachtsfest geben. Es gilt, wachsam zu sein, und vielleicht ist dann Weihnachten ein Fest der Erneuerung so wie für Auggie. Das wäre uns allen zu wünschen.

 

Ich wünsche all meinen Leserinnen und Lesern noch eine schöne Adventzeit und ein wunderbares Weihnachten.

 

YouTube-Video

Trackback-Url für diesen Artikel


Trackbacks / Pingbacks: 0

Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.