Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Do

19

Nov

2009

Eine kafkaeske Lesung

 

 

Es ist bekannt, dass Franz Kafka in seinem ganzen Leben nur wenige Lesungen bestritten hat. Das hing hauptsächlich damit zusammen, weil er gar nicht im Rampenlicht stehen wollte. Er war zudem von seinen eigenen Texten nur bedingt überzeugt, bezeichnete sie zum Teil als wertlos.

 

Eine glückliche Fügung des Schicksals wollte es, dass meine Verlegerin, Frau Reuter, eine Lesung im Café Kafka arrangieren konnte. Der Erzählungs-Band, welcher vorzustellen sein sollte, ist „Blumfeld, ein älterer Arbeitsloser“, der ausschließlich Texte mit Kafka-Bezug enthält. Im Café Kafka angelangt war ich erstaunt darüber, dass mit Ausnahme des Plakates an der Eingangstür kein Indiz auf eine baldige Lesung hindeutete. Plötzlich stand mir ein Bekannter gegenüber, den ich schon seit über einem Jahr nicht gesehen hatte. Er machte mich darauf aufmerksam, dass er von der Veranstaltung im „Falter“ erfahren habe. Großartig, dachte ich mir. Leider vertrug der Bekannte die Rauchentwicklung im Café nicht, und suchte den Weg ins Freie.

 

Um 19.30 Uhr sollte die Lesung beginnen, und da keiner der anwesenden Gäste Anstalten machte, sich auf eine Lesung einzustellen, musste ich meine Stimme erheben, und darauf aufmerksam machen, dass ich eine Lesung zu bestreiten gedenke. Freilich machte ich auf den Kafka-Bezug und weitere Hintergründe des Erzählungs-Bandes aufmerksam. In unmittelbarer Nähe von mir saß ein junger Mann, der meiner Einladung zur Lesung nachgekommen war, und mit besonderer Aufmerksamkeit meinen Worten lauschte.

 

Den ersten Ausschnitt bekamen noch nahezu alle Gäste zu Gehör, auch wenn sie zum Teil selbst in einem Buch lasen (geht das überhaupt: eine Lesung hören und gleichzeitig ein völlig anderes Buch lesen? Nein, das geht nicht!) oder mit einem Laptop beschäftigt waren. Nach einer guten Viertelstunde begab es sich aber, dass ein Gast nach dem anderen das Café verließ. Einige Gäste gingen nach draußen, um dann wieder zu kommen, sich jedoch vom unmittelbaren Geschehen der Lesung zu entfernen. Eine Frau brachte Utensilien in das Café, die für die nachfolgende Live-Musik benötigt wurden. Drei jüngere Männer (wahrscheinlich Studenten) bezahlten, lachten ein wenig, und traten dann in die dunkle Nacht hinaus. Und so weiter und so weiter. Kurzum: Hatten anfangs noch gut 15 Menschen meiner Lesung mehr oder weniger Gehör geschenkt, verblieben am Ende nur mehr eine Hand voll Personen, die möglicherweise aus freien Stücken die Lesung miterleben hatten wollen. Dieses kafkaeske Szenario unterstrich ich durch Live-Kommentare. Oh nein, ich werde diese Veranstaltung so schnell nicht vergessen, vielleicht wird sie unvergesslich bleiben…

 

Das Verrückte daran: Ich las einen Text vor, wo ich von einer Lesung von K. berichte, in dessen Verlauf sich immer MEHR Menschen im Saal einfinden. Im Falle meiner eigenen Lesung verhielt es sich genau umgekehrt. Ich fühlte mich jedoch nicht im falschen Film. Schließlich lassen sich solche Ereignisse treffend literarisch verwerten. Immer noch besser als gar keine Zuhörer.

 

Schließlich plauderte ich mit dem jüngeren Mann über kafkaeske Hintergründe, Theater, Film, Stimmtechniken, Außenwirkung eigener Texte und vieles mehr. Danke an dieser Stelle an Jorghi für Dein Kommen!

 

Als ich zahlen wollte, wurde mir dies verwehrt. Ich konnte mich also als eingeladen betrachten. Zudem kam dann doch noch etwas Aufklärung, was die kafkaesken Ereignisse des Abends betraf. Es käme öfters vor, dass während einer Lesung das Publikum das Café Kafka verließe. Und es wäre schon vorgekommen, dass am Ende überhaupt nur noch der Autor an seinem Tisch gesessen habe. Nun gut, dann habe ich ja noch Glück gehabt. Wie auch immer: Einen solch kafkaesken Abend werde ich so schnell nicht wieder erleben, außer ich entschließe mich, bald als Gast einer literarischen Veranstaltung im Café Kafka beizuwohnen.

 

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.