Do

29

Okt

2009

Buchstabensuppe 2009

 

Gestern fand das große Finale der „Buchstabensuppe 2009“ statt. Es handelt sich um einen öffentlichen kulinarisch-literarischen Wettbewerb, an dem AutorInnen „nur“ einmal teilnehmen können. Ich hatte mich vorab schon sehr gefreut, als Autor dabei zu sein. An die Chance eines Gewinns des Bewerbes hatte ich keine Sekunde gedacht, sodass ich von meinem Abschneiden als einem von insgesamt neun Nicht-Finalisten in keinster Weise enttäuscht war und bin.

 

Der Wettbewerb wurde an insgesamt vier Abenden abgehalten. Das bedeutete, vier Mal mit viergängigen Menüs vom Restaurant des Hotels Wimberger verwöhnt zu werden. In den drei Vorrunden lasen jeweils vier AutorInnen Texte vor, welche die Speisen in den Mittelpunkt rückten, für deren literarische Umsetzung sie Pate standen. Nur sieben Tage Zeit blieben den AutorInnen, um dieses Vorhaben umzusetzen. Gleichermaßen wurden die Speisen (ab dem zweiten Gang) bewertet. Die jeweiligen Siegerinnen der drei Vorrunden gelangten dann also in das große Finale, um sich ein weiteres Mal der hochkarätigen Jury zu stellen.

 

Schon der erste Abend überzeugte mich von diesem ungewöhnlichen Wettbewerb. Ich kam mit Autoren in Kontakt, genoss das tolle Essen, und drei der vier AutorInnen hatten Texte mitgebracht, die mir sehr behagten. Die Wettbewerbsstatuten bringen es mit sich, dass nur einer dieser Autoren die nächste Runde, und also das Finale erreichen konnte. Es ergab sich, dass – erstmalig – ausschließlich Frauen in das Finale einzogen. So zog auch ich gegen eine Frau den Kürzeren, die einen aus meiner Sicht absolut verdienten Teil-Sieg errang, und sich letztlich die „bronzene Buchstabenkugel“, also den dritten Platz sicherte.

 

Ich hatte mich entschieden, einen Kurzkrimi zu schreiben, und vorzutragen. Am Abend meines Auftritts waren die Kritiken der Jury so kunstvoll wie – subjektiv betrachtet – an keinem anderen Abend des Wettbewerbs. Insbesondere die Kritiken von Herrn Herz-Kestranek am Text einer Kollegin und meinem eigenen Text sorgten für viel Beifall des Publikums. Krimi ist ein eigenes Genre, mit dem nicht alle Juroren etwas anfangen konnten. Ich war mir auch bewusst, dass es ein „Risiko“ war, damit vor Jury und Publikum zu treten. Aber was soll´s! In der Runde zuvor waren zwei exzellente Texte nicht zum Sieger gekürt worden, und so wollte ich auf alle Fälle mit einem Genre antreten, das mir liegt. Krimis können spannend, tragisch, lustig, unterhaltsam, schräg sein. Hochliteratur sind sie meiner Meinung nach nie.

 

Gewonnen hat am Ende eine Autorin, die mit besonders viel Inbrunst ihre Texte geschrieben hat. Ich hatte das Vergnügen, an gleich zwei Abenden mit Gabriele Petricek am gleichen Tisch zu sitzen, und wir haben uns sehr gut unterhalten und verstanden. Ihre Vorträge waren Performances, und unterschieden sich – mit einer Ausnahme - dahingehend von sämtlichen anderen Beiträgen des Wettbewerbs. Sie geht sehr gekonnt mit Sprache um. Hatte mich der erste Text noch stark an Franzobel erinnert, gelang ihr mit dem Sieger-Text eine eindeutige Steigerung, und der Gewinn des Wettbewerbs ist ihr herzlich zu gönnen.

 

Rückblickend gab es viele wunderbare Erlebnisse anlässlich dieses Wettbewerbs. Mein eigenes Gericht – Schokoauflauf mit Eierlikör-Creme – hatte ich von der Konsistenz her völlig anders eingeschätzt (ich dachte nicht, dass es sich um einen Kuchen handelt!), was für die Jury aber keine Bedeutung hatte. Ein Autor sorgte mit einem Text, der bei einem Poetry slam Gewinnchancen hätte, für besondere Heiterkeit bei den Anwesenden. Er hatte gleich 123 Suppenkreationen in seinen Text einbezogen. Herz-Kestranek befand einen Text dahingehend, dass er so etwas (unliterarisches) nie zuvor in einem Literaturwettbewerb zu Gehör bekommen hätte. Und ich hatte mit einem schlecht eingestellten Mikrofon zu kämpfen, was mich dazu veranlasste, meine Sprechprobe mindestens drei Mal jeweils mit dem Wort „Mord“ zu beginnen, womit mir immerhin die Gunst des Auditoriums sicher war.

 

Es war für mich einfach wunderbar, Teil dieses ganz besonderen kulinarisch-literarischen Wettbewerbs zu sein, bei dem auch die Jungköche mit zum Großteil ausgezeichneten Gerichten auftrumpften. Der Sieger, ein junger Mann, der sich mit einer Maishendlbrust durchgesetzt hatte, durfte sich über ein 32 Mal gefaltetes japanisches Messer freuen.

Zu danken ist der wunderbaren Moderatorin (und Erfinderin!) des Wettbewerbs, Frau Harriet, die sehr charmant und mit großer Anteilnahme für die teilnehmenden AutorInnen die „Buchstabensuppe 2009“ zu einem großen Fest machte. Die Jury war mit Miguel Herz-Kestranek (Schauspieler), Norbert Mayer (Feuilleton-Chef der „Presse“), Susanne Freund (Drehbuchautorin und Regisseuse), und der Vorsitzenden, Eva Feitzinger (u.a. Literaturagentin und Leiterin des Sessler-Verlags) ausgezeichnet besetzt.

 

Ich bin ein wenig traurig darüber, dass dieses große „Buchstabenfest“ nunmehr zu Ende ist. Doch ich werde es immer in äußerst positiver Erinnerung behalten, und vielleicht auch mal nur als Gast verfolgen. Immerhin könnte es die „Buchstabensuppe“, so ist zu hoffen, im Jahre 2010 wieder geben.

 

2112

12 mal anders

Die Welt im Wasserglas

Voll in die Fresse

Mein Lieblingsbuch

Gedanken im Sturm

Buchstabensuppe 2009

Anthology der Gier 

Mit Wort und Paukenschlag

Anschlag 

Mystische Helden

Literatour de France 2003

Mitschreiben

Maskenball

Maskenball 41

 

Spiegel der Seele

 

Im Jahr des Saturn

Wieder schlägt man ins Kreuz die Haken

10 Jahre Mauerfall

Jahrbuch Lyrik 2000

Kamingeflüster

Etcetera Tabu

Zenit: Erinnerungen

Leserpreis 1992:

Dokumentation

Leserpreis 1991:

Der Spiegel