Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Mo

19

Okt

2009

Herzens-Projekt

  

Im Sommer des Jahres 2006 reifte in meinem Kopf die Idee, Erzählungen zu schreiben, welche Figuren aus dem großen Kafka-Universum in den Blickpunkt stellen. Als langjähriger Freund und Bewunderer der Romane und Erzählungen von Franz Kafka wollte ich einerseits Kafka selbst, andererseits seinen Figuren die Referenz erweisen. Mir war von Anfang an bewusst, dass ich weder den Schreibstil von Franz Kafka zu kopieren versuchen (das geht ohnehin nicht) noch die Figuren in ganz ähnlichem Kontext wie in der Vorlage schildern würde.

Das Ziel bestand darin, den Lebenslinien dieser Figuren neue Komponente zuzuordnen, welche in der Jetzt-Zeit von Bedeutung sein könnten.

 

Ich las viele Erzählungen von Franz Kafka nochmals, und nach einigem Überlegen entschied ich, an welchen Figuren ich mich erproben wollte. Die wichtigste Figur ist zweifellos Blumfeld. Bei Kafka ist er irgendein Büroleiter, der von zwei hüpfenden Bällen um den Verstand gebracht wird. Heutzutage wäre es leicht möglich, dass eine Figur wie Blumfeld wegrationalisiert wird, und also – bildlich gesprochen – auf der Straße landet. Der ehemals langjährige mittlere Angestellte Blumfeld kommt mit Fortdauer seiner Erwerbsarbeitslosigkeit mit seinem Leben immer weniger klar. Von Tag zu Tag wird sein Leben hoffnungsloser, und er ist es selbst, der sich immer mehr in den Wahnsinn hinein katapultiert.

 

Bei all der Melancholie, Lieblosigkeit der Umwelt, und einer erbarmungslosen Arbeitswelt keimt doch ein Stückchen Tendenz zu innerer Befreiung bei einigen Figuren auf. Auch Blumfeld hat zwischendurch schöne Momente, wo er schon fast daran glaubt, dass er sein Leben wieder in eine andere Richtung führen kann. Wer immer nur die äußeren Umstände, die Lebenssituation reflektiert, und die eigenen Wünsche, Ideen, inneren Erfahrungen ignoriert, der kann letztlich nur scheitern. Das Scheitern ist also vorprogrammiert.

 

Kurze Sequenzen lasse ich durchaus als komische Elemente durchgehen. Auch Kafka hat gerne gelacht und geblödelt. Insgesamt sind meine Erzählungen jedoch Darstellungen der Realität von Menschen, die gesellschaftlich betrachtet als Verlierer zählen. Viele Romane und Filme handeln von solchen Verlieren, die aber irgendwann irgendwie doch zu „Siegern“ werden. Das kann bei Kafka und auch bei mir nicht der Fall sein. Es gibt Menschen, die nie aus ihrem Käfig ausbrechen können, und an den eigenen Umständen, welche sie sich machen, zerschellen. Einigen dieser vom Schicksal gebeutelten Menschen habe ich mich mit meinen Erzählungen angenommen.

 

Es gibt keinerlei Berührungspunkt zur Literatur Kafkas, was aber nichts daran ändert, dass seine Figuren im Blickpunkt stehen. Ich habe mir damit ein Herzens-Projekt erfüllt, weil mir Kafka als Autor vielleicht näher steht als alle anderen Autoren, deren Werk ich näher kennen gelernt habe. Nie würde ich mich mit seinem Genie messen, das wäre mehr als überzogen. Doch ich war bereit, mich auf seine Figuren einzulassen, und vielleicht ist mir dies ja recht gut gelungen. Meine persönliche Lieblingsgeschichte ist „Der Kaltsteher“, die auf der Erzählung „Der Kübelreiter“ basiert. Hier gibt es sicherlich die größten Parallelen, was die Thematik und die Ausführung der Geschichten betrifft. Ein Mensch leidet an der Kälte des Winters, und möchte sich Heizmaterial besorgen…

 

Das Buch wurde von der Verlegerin Ruth Reuter liebevoll gestaltet, und zeigt als Cover einen Ausschnitt aus dem Wiener Prater, einem meiner persönlichen Lieblingsplätze, wo natürlich die Eine oder die Andere Figur ebenso gerne unterwegs ist. Ich freue mich sehr über diese Veröffentlichung.

 

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.