Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Do

08

Okt

2009

Literatur und Politik

 

Ich bin ein Kandidat für die Grünen  zur Vorwahl anlässlich der Gemeinderatswahlen 2010 in Wien. Verträgt sich das mit meiner Berufung zum Autor? Literatur und Politik, besteht da irgendeine Verbindung?

 

Vaclav Havel ist das vielleicht bekannteste Beispiel für einen Autor, der es sogar in höchste Gefilde eines politischen Amtes gebracht hat. Seine Leistungen als Politiker können mit jenen als Autor nicht verglichen werden. Sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge haben andere Konsequenzen.

 

Nun gut, ich bin ein bisschen abgeschweift. Aus vielen meiner Texte gehen auch politische Ansichten hervor. Wer Gesellschaftskritik übt, wird meist mit den politischen Strukturen nicht zufrieden sein. Freilich ist es heutzutage die Wirtschaft, welche die Politik fest in der Hand hat. Wirtschaft ist zu einem Schlagwort geworden, das das Szenario nicht nur in Österreich beherrscht. Wirtschaft heißt in erster Linie über Menschen bestimmen. Die Wirtschaft lenkt eine Gesellschaft in welche Richtung auch immer. Ist die Wirtschaftslage in Schieflage wie heutzutage, sind die Menschen allerorts davon betroffen. Die meisten negativ und ein paar im Elfenbeinturm positiv.

 

Ich kandidiere nicht, weil die Wirtschaft im Argen liegt, denn die müsste gar nicht im Argen liegen. Ich kandidiere, weil ich das System, das viele Menschen – auch in Österreich – in Armut und Verzweiflung treibt, nicht akzeptieren kann. Das ist automatisch auch eine politische Stellungnahme, ob ich will oder nicht.

 

Ein Buch kann die Welt nicht verändern, aber es kann den Menschen neue Perspektiven anbieten, die es lesen. Eine Aussage eines Politikers kann die Welt nicht verändern, aber sie kann den Menschen neue Perspektiven anbieten, die sie vernehmen. Freilich kann mit Büchern und politischen Aussagen auch manipuliert werden. Dies passiert täglich. Ein Autor kann versuchen, den Mainstream zu bedienen, um sich damit einen vermeintlichen Namen zu machen. Auf einen Politiker kann selbiges zutreffen. Menschen zu erzählen, was sie gerne hören wollen, obwohl sie selbst sich nie getrauen würden, es zu formulieren… Ist das Politik? Ja, das ist Politik. Und es kann auch Literatur sein.

 

Ich kandidiere, weil ich an die andere Seite der Politik ebenso wie an die andere Seite der Literatur glaube. Nämlich an die Seite der Medaille, welche sich der Menschen annimmt, ohne emotional manipulieren zu wollen. Menschen sollen Freude am Leben haben, und echte Freiheit ist keine Freiheit von, sondern eine Freiheit für etwas. Ich nehme mir die Freiheit, für die Grünen zu kandidieren. Und ich bin schon gespannt auf die 63. Landesversammlung der Grünen, wo sich entscheiden wird, ob ich mit meinen Ideen die Vorwählerschaft überzeugen kann.

 

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.