Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

Mi

30

Sep

2009

Dorothee Sölle

 

Ich hatte die Freude, im Jahre 2000 einen Vortrag von Frau Sölle das Thema „Mystik und Widerstand“ betreffend mitzuerleben. Die Theologin und Literaturwissenschafterin war voller Elan, und ihr Eintreten für die Friedensbewegung und zahlreiche ökumenische Organisationen immer beispielhaft. Sie war eine Frau, die Disputationen liebte, und die Bibel entmythologisieren wollte.

 

Die Entwicklung des Feminismus war ihr ein großes Anliegen. Ebenso eine politische Theologie. Aus ihrer Sicht stand Gottes Wirken in der Welt in Abhängigkeit zu den Handlungen der Menschen. Es verhielt sich damals so, dass ich nicht mit allen Punkten einverstanden war, die Dorothee Sölle zum Vortrag brachte. Dennoch war ich weitgehend fasziniert von ihren Ideen und ihrer spirituellen Energie.

 

Nach dem Vortrag habe ich einige Worte mit ihr wechseln dürfen. Ich sprach sie unter anderem auf Eugen Drewermann an, da ich Ähnlichkeiten zwischen ihren und seinen Anschauungen zu erkennen glaubte. Sie war aber eher zurückhaltend, und ich konnte aus ihrer Reaktion entnehmen, dass sie Drewermann nicht als Theologen ansah, mit dessen Wirken und wissenschaftlicher Arbeit sie sich voll und ganz identifizieren mochte. Einige Jahre später hat Drewermann nicht mehr jene Bedeutung, die er einst für mich hatte. Sein plötzlicher „Glaube“ an die Sterblichkeit der Seele ist diametral zu seinen einstigen Büchern zu sehen, wo er sich auch mit der Unsterblichkeit der Seelen von Tieren auseinander setzte.

 

Frau Sölle blieb ein Leben lang ihren Grundprinzipien treu, was nicht heißt, dass es schlecht wäre, wenn dies ein Mensch nicht tut. Es kommt nur darauf an, welche Prinzipien er für sein Leben aufgestellt hat. Dorothee Sölle hat zahlreiche hochinteressante Bücher geschrieben. Jene über Jesus von Nazareth sowie Mystik und Widerstand gehören zu ihren bedeutendsten.

Sie verstarb am 27. April 2003 und wäre heute 80 Jahre alt geworden.

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.