Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

So

13

Sep

2009

20 Jahre Autor

 

Der September 1989 ist als Beginn meines literarischen Schreibens anzusehen. Nicht, dass ich damals das Gefühl gehabt hätte, mich hätte die Muse geküsst, und mir wäre ein Schleier von den Augen gefallen, sodass ich in meine Zukunft und mein Leben als Autor gesehen hätte.

 

Es begann nämlich ganz harmlos mit dem Versuch, einen Roman zu schreiben. Einige Monate habe ich mich daran versucht, über Gott und die Welt und insbesondere mich selbst zu schreiben. Der Versuch misslang gründlich. Ich schrieb seinerzeit noch alles mit der linken Hand und machte mir einige Zeit später die Mühe, den Roman auf einer mechanischen Schreibmaschine abzutippen, was viel Zeit kostete. Und dann schickte ich das Konvolut an einen ziemlich großen Verlag in Deutschland und erwartete mir tatsächlich, dass ich zumindest eine Antwort bekäme. Mit meinem damals besten Freund diskutierte ich über die Geschichte. Er hatte sie als einzige Person gänzlich gelesen, und nicht unbedingt hymnisch gelobt. Immerhin gefiel ihm eine Textpassage sehr gut.

 

Keine Ahnung, wie viele Monate es dann dauerte, bis ich vom Verlag eine Antwort (ich denke, inklusive Manuskript) bekam, die selbstverständlich negativ ausfiel. Das tat meiner neu entwickelten Schreibenergie keinen Abbruch. Ich war weiter bemüht, mit Inbrunst an neuen Projekten zu arbeiten. Einige Erzählungen entstanden, von denen ein oder zwei durchaus eine gewisse Qualität aufwiesen. Mindestens drei Mal schrieb ich die Anfänge von Geschichten, aus denen „Romane“ werden sollten, doch ich kam nie weiter als bis zu dem Punkt, von dem aus ich kein Ende des Tunnels sah.

 

Meine plötzliche Begeisterung für das Schreiben hatte mein wunderbarer Deutsch-Lehrer in mir entfacht. Er hat mich gefördert, inspiriert und in nur wenigen Wochen vermocht, mein Leben auf den Kopf zu stellen. Ohne ihn wäre ich nie zu dem geworden, der ich jetzt bin. Er verstarb leider viel zu jung nur ein knappes Jahr nach unserer ersten Begegnung an Leukämie.

Meinem Mentor werde ich immer grenzenlos dankbar sein.

 

Ich denke sehr gerne an die Zeit meiner Anfänge als Autor zurück. Viele handgeschriebene Manuskripte, welche ich freilich aufbewahrt habe, sind Zeugen dieser ersten Schritte. Es sollte knapp acht Jahre dauern, bis ich wieder in der Lage war, einen Roman fertig zu stellen, den ich ebenso wenig wie den ersten als gelungen einstufen kann. Doch in den Jahren danach habe ich dann vier Romane verfasst, denen ich genug Qualität zugestehe, sodass sie eine Veröffentlichung rechtfertigen. Nächstes Jahr ist die Veröffentlichung meines dritten Romans geplant, der vierte könnte eventuell 2011 folgen.

 

Das Schreiben war, ist und bleibt die Berufung meines Lebens. Selbst, wenn ich nicht schreibe bzw. an keinem neuen Projekt arbeite, bin ich innerlich in Schreib-Sphären. Nicht nur in Gedanken, weil ich ja nicht ausschließlich mein Verstand bin, sondern ebenso von meiner Gefühlslage her. Und das ist gut so.  

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.