Der Autor Jürgen Heimlich – und wie er die Welt sieht

So

09

Aug

2009

Der arme Poet

 

 

Es ist mir nicht daran gelegen, das Bild von Carl Spitzweg zu interpretieren oder auf bestimmte Eigenheiten hinzuweisen. Vielmehr ist es der grundsätzliche Gedanke, der dahintersteckt, welcher mich schon längere Zeit beschäftigt. Die Vorstellung, ein Schriftsteller könne alles Weltliche beiseite schieben, um seine Kunst voll und ganz entfalten zu können, vermochte nicht einmal Franz Kafka umzusetzen. Kafka fühlte sich von der Arbeitswelt bedroht, sah im fast täglichen Dasein im Büro einen schweren Einschnitt in sein Leben. Er stellte sich vor, ganz allein in irgendeinem Gewölbe an seinen literarischen Werken zu arbeiten, und nur zu bestimmten Zeiten mit Essen und Trinken versorgt zu sein. Doch wäre er in der Lage gewesen, dies auch umzusetzen, wenn er die Gelegenheit dazu gehabt hätte?

 

Das literarische Schreiben kann nicht das Leben bestimmen, sondern das Leben kann den Menschen zum literarischen Schreiben inspirieren. Wer die Schriftstellerei als Berufung erkannt hat, und diese fördern will, kann aber nicht umhin, diesen Schritt vor sich selbst bewusst zu machen. In anderem Zusammenhang habe ich schon oft die Aussage gehört: „Ich kann nicht anders!“ Also, es lässt sich schlicht und einfach nicht ändern, dass dieses und jenes so und nicht anders gemacht sein will.

 

Die wenigsten Autorinnen und Autoren können von ihrer literarischen Tätigkeit gut leben oder ihre Existenzgrundlage bestreiten. Die meisten Autorinnen und Autoren sind darauf angewiesen, irgendetwas zu finden, mit dem sie jene finanzielle Grundlage bestreiten, auf der ein Leben ohne große Not ausgestaltet sein mag. Da das Schreiben bei den Berufenen immer eine Rolle spielt, gilt es, diese andere Tätigkeit so zu wählen, dass sie dem Schreiben kein Ende setze. Ausnahme mag sein, insofern diese andere Tätigkeit eine besondere Herausforderung darstellt, durch die inneres Wachstum möglich und also eine Weiterentwicklung möglich ist.

Das literarische Schreiben ist einem Prozess unterworfen, der zum Stillstand gerät, wenn die vorgeschobene Tätigkeit des Broterwerbs das Szenario bestimmt, und dem Leben eine spezifische Richtung gibt. Also, lieber armer Poet sein als erfolgreich in einem Job, der keine Arbeit an sich (siehe Reinhard P. Gruber, „Nie wieder Arbeit“) bedeutet?

 

In Zeiten wachsender Erwerbsarbeitslosigkeit, die sich immer weiter verstärken wird, wenn nicht das System der Arbeitsgesellschaft radikal umorganisiert wird, gilt es, die inneren Kräfte zu bündeln und die eigenen Talente zu forcieren. „Der arme Poet“ (jetzt kommt doch noch eine Interpretation, obzwar ich dies vermeiden wollte) kann  den Glauben an innere Stärke oder die Erkenntnis, dem „Spiel der Kräfte“ nicht gewachsen zu sein, symbolisieren. Vielleicht sogar beides. Tatsache ist, dass ich einer von vielen Autorinnen und Autoren bin, die nicht anders können, und also an der Weiterentwicklung ihres literarischen Schreibens arbeiten. Diese innere Freiheit ist das Wesentliche.

 

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Friedhofsidylle (E-book)



Im Laufe von 20 Jahren kommen viele Texte zusammen. Damit bildet sich vor dem Autor seine eigene Welt ab, die er geschaffen hat. Diese Welt bleibt nie gleich, verändert sich ständig. Der Schaffensprozess ist das Eine, das Weltbild das Andere. Hunderte Texte ergeben ein Konglomerat, das nur schwer durchschaut werden kann. Die Verdichtung auf wenige Texte lässt tiefer blicken. Ausgehend von 12 Geschichten werden Spuren von Figuren sichtbar, die von der Leichtigkeit des Seins weit entfernt sind.

 

 

Blumfeld, ein älterer

Arbeitsloser

Jürgen Heimlichs Figuren zeigen uns eine kafkaeske Welt voller unerfüllter Liebe und Sehnsüchte. Seine Charaktere gehen bis zum Äußersten und zerbrechen dabei an Lieblosigkeit, Unglaube, Herzlosigkeit – und an der Gesellschaft.

 

© Ruth Reuter

 

 

Die schüchterne Zeugin

 

Nie war es so ruhig in den Büros der Inspektoren gewesen. Belinda Winter versuchte, ihren unmittelbaren Vorgesetzten zu trösten, doch der winkte ab. Chefinspektor Kneiffer hätte am liebsten den Schreibtisch in Brand gesetzt, um danach für immer diesen schrecklichen Ort zu verlassen.

 

 

 

Zentralfriedhofs-Führer

 

Der Wiener Zentralfriedhof eignet sich hervorragend zum Flanieren, zum Innehalten vom Trubel des Alltags und Berufslebens. Es gibt viele Möglichkeiten, diesen zweitgrößten Friedhof Europas zu entdecken. Die meisten Touristen und Friedhofsgänger beschränken sich auf die Ehrengräber, als hätte der Zentralfriedhof sonst nichts zu bieten. Aber so ist es nicht und kann es freilich nicht sein! Jeder Friedhofsbesucher kann den Zentralfriedhof auf individuelle Weise entdecken, und ich möchte mit diesem Friedhofsführer Anregungen zu individuellen Entdeckungsreisen geben.

Das diabolische Experiment

 

Nach dem selbigen Strickmuster (nonkonformistisches Weltverhältnis, erotische Genialität, typisierte Weiblichkeit) konstruierte ja übrigens Hesse seine Sozialmilieus und Handlungsträger, u.a. Goldmund und Siddharta, welche bis zuletzt in einem gewissen Sinne gesellschaftliche Außenseiter bleiben, jedenfalls hierbei typologische Übermenschen sind, was sie vom normierten Menschen trennt, hingegen sie gegenüber dem Dasein (in seiner rein ontologischen Manifestation) schlussendlich oder eigentlich immer schon versöhnlich gestimmt sind.

(© Harald Schulz)

 

Die zwei Leben des Sebastian

 

Sebastian, immer auf der Suche nach sich selbst, fühlt sich von seiner Umwelt unverstanden, verkriecht sich in die Welt seiner Bücher, die er in großer Anzahl nicht nur zu lesen scheint, sondern sie nahezu "frisst". Er lebt in der Welt dieser Geschichten, die zudem seine Fantasie ins Unermessliche beflügeln und ihn veranlassen, selbst zu schreiben. In dieser Welt ist er lange "gefangen", es fällt ihm schwer der täglichen Realität ins Auge zu schauen. Er fühlt sich in seiner Fähigkeit zum Schreiben erst durch seinen Lehrer Specht bestätigt, der viel zu früh an Leukämie stirbt und Sebastian wieder zurück in sein Maulwurf-Dasein wirft.

(© Astrid Karger)

 

Die Ewiggleichen

 

Bei „Die Ewiggleichen“ handelt es sich um keinen klassischen Gedichtband. Genau genommen ist überhaupt nur der Text auf dem Rückcover als Gedicht erkennbar. Ansonsten enthält das Bändchen lyrische Prosa, wobei sich der Autor weit aus dem Fenster lehnt, und behauptet, dieser Stil sei an Lord Byron angelehnt, obzwar dieser ein britischer Dichter war.